Kim und das «graue Ding»

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6.3.2018

Beim Gipfeltreffen mit einer Delegation aus Südkorea hatte Kim Jong Un einen dunkelgrauen Apparat bei sich. Es wird vermutet, dass es sich dabei um ein abhörsicheres Telefon handelt. Was hat der nordkoreanische Machthaber damit vor?

Auf der koreanischen Halbinsel stehen die Zeichen weiter auf Annäherung. Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un habe bei einem Treffen mit einer ranghohen südkoreanischen Delegation seinen Willen bekundet, «eine neue Geschichte der nationalen Wiedervereinigung zu schreiben», berichteten nordkoreanische Staatsmedien am Dienstag. Das Abendessen mit Kim und den Gästen aus Südkorea fand demnach in einer «offenherzigen und ernsthaften Atmosphäre» statt.

Der Machthaber habe zudem «wichtige Anweisungen» gegeben, «rasch praktische Schritte» für ein Gipfeltreffen mit Südkoreas Präsident Moon Jae In einzuleiten. Nach Angaben Südkoreas dauerte das Treffen rund vier Stunden.

Es war die erste Zusammenkunft südkoreanischer Regierungsvertreter mit dem jungen nordkoreanischen Machthaber seit seiner Machtübernahme nach dem Tod seines Vaters Kim Jong Il Ende 2011. Auf von den Staatsmedien veröffentlichten Fotos war ein strahlender Kim in einem Anzug im Stile Mao Zedongs beim Handschlag mit Chung Eui Yong, dem Leiter der zehnköpfigen Delegation Südkoreas, zu sehen. An dem Abendessen am Montag nahm auch Kims Schwester Kim Yo Jong teil, die seit Ende des Koreakriegs 1953 als erstes Mitglied von Nordkoreas Herrscherfamilie im Rahmen der Winterspiele in den Süden gereist war.

Entspannungskurs und Skepsis

Beobachteter werteten die Verlautbarungen aus Pjöngjang als jüngstes Zeichen für Bemühungen um eine Wiederannäherung nach einem Jahr wiederholter nordkoreanischer Waffentests und Androhungen eines Nuklearkriegs. Der Entspannungskurs begann mit der Teilnahme des Nordens an den Olympischen Winterspielen im südkoreanischen Pyeongchang im Februar.

Angesichts einer langen Geschichte von Blutvergiessen, Drohungen und Feindseligkeiten auf der koreanischen Halbinsel wird der warme Umgangston aber auch mit Skepsis aufgenommen. Einige Experten vermuten, Pjöngjang könnte ein besseres Verhältnis zu Seoul nutzen, um internationalen Druck und Sanktionen abzuschwächen. Beobachter in Seoul und Washington dürften daher darauf pochen, dass Nordkoreas Schmusekurs auch Gespräche über eine Abkehr von seinen nuklearen Ambitionen beinhaltet. Bisher hat der Norden jedoch wiederholt bekräftigt, an seinen Atomwaffen festhalten zu wollen.

Das schien er bei dem Treffen nochmals demonstrativ betonen zu wollen: Der nordkoreanische Machthaber brachte ein dunkelgraues Gerät mit zum Treffen. Gut sichtbar soll es gemäss «Welt» neben seinem Notizblock gelegen haben - und in der Form einem aufklappbaren abhörsicheren Handy ähneln.

Kim Jong Un am 5. März 2018 beim Gipfeltreffen mit der südkoreanischen Delegation: Demonstrativ legte er ein offenbar abhörsicheres Telefon neben seinem Notizblock ab. 
Keystone

Südkoreas Präsident Moon gilt als liberal und offen für einen Pjöngjang-Besuch. Dazu müsste er aus Sicht von Beobachtern jedoch zunächst für bessere Beziehungen zwischen Nordkorea und Washington sorgen. US-Präsident Donald Trump hat wiederum erklärt, dass es Gespräche mit Nordkorea nur «unter den richtigen Bedingungen» geben werde.

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