Weihnachtsansprache in voller Länge «König Donny der Achte»: Jimmy Kimmel attackiert Trump und warnt vor Demokratie-Zerfall

Petar Marjanović

26.12.2025

«König Donny der Achte»: Jimmy Kimmel attackiert Trump und warnt vor Demokratie-Zerfall

«König Donny der Achte»: Jimmy Kimmel attackiert Trump und warnt vor Demokratie-Zerfall

Statt besinnlicher Töne gab es klare Worte: In der alternativen Weihnachtsansprache von Channel 4 rechnete US-Moderator Jimmy Kimmel mit Präsident Donald Trump ab. Seine Rede wurde zu einer pointierten Warnung vor dem Abbau demokratischer Grundwerte.

26.12.2025

Statt besinnlicher Töne gab es klare Worte: In der «alternativen Weihnachtsansprache» von Channel 4 rechnete US-Moderator Jimmy Kimmel mit Präsident Donald Trump ab. 

Petar Marjanović

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • In der traditionellen alternativen Weihnachtsansprache von Channel 4 nutzte der US-Moderator Jimmy Kimmel seine Rede für eine scharfe Abrechnung mit Präsident Donald Trump.
  • Er warf Trump vor, demokratische Institutionen systematisch zu untergraben, zog Vergleiche zu autoritären Staaten und sprach von einer gefährlichen Entwicklung hin zu Tyrannei.
  • Vor dem Hintergrund seiner zeitweisen Absetzung wertete Kimmel die Rückkehr seiner Sendung und die «No Kings»-Proteste als Sieg der Meinungsfreiheit über den Präsidenten.

Die «alternative Weihnachtsansprache» des britischen Senders Channel 4 hat seit Jahrzehnten Tradition und versteht sich als bewusster Gegenpol zur offiziellen Festtagsrede des britischen Monarchen. In diesem Jahr wurde diese Rolle dem amerikanischen Late-Night-Moderator Jimmy Kimmel übertragen, der die Plattform für eine scharfe politische Stellungnahme nutzte.

Kimmel richtete seine Rede vor allem gegen US-Präsident Donald Trump, dem er vorwarf, das demokratische System der Vereinigten Staaten systematisch zu untergraben. In provokanter Zuspitzung erklärte er, aus einer «faschistischen Perspektive» sei das vergangene Jahr besonders erfolgreich gewesen, da die Tyrannei in den USA floriert habe.

«Wir stecken gerade in einer kleinen Phase des Taumelns, aber wir werden uns wieder fangen.»

Jimmy Kimmel

Late-Night-Moderator

Der Moderator zog Vergleiche zu autoritären Staaten wie Russland und Nordkorea und warnte davor, wie schnell demokratische Errungenschaften verloren gehen könnten. Mit Blick auf Trump sprach Kimmel von «König Donny dem Achten», der zu Exekutionen aufrufe. Zentrale Institutionen wie Pressefreiheit, Wissenschaft, Medizin und die Unabhängigkeit der Justiz seien in den USA massiv unter Druck geraten.

Hintergrund der Rede war ein Konflikt zwischen Kimmel und Trump, der sich im Laufe des Jahres zugespitzt hatte. Nach kontroversen Äusserungen Kimmels war seine Late-Night-Show vorübergehend aus dem Programm genommen worden, was Trump öffentlich begrüsste. Die Absetzung löste eine breite Debatte über Meinungs- und Pressefreiheit aus, ehe die Sendung nach kurzer Pause zurückkehrte.

Ansprache von Jimmy Kimmel als Transkript

blue News hat die Ansprache von Jimmy Kimmel des Senders Channel 4 niedergeschrieben und übersetzt. Sie kann hier nachgehört werden. Ein kurzer Ausschnitt findet sich oben im Player.

Ich habe keine Ahnung, ob Sie wissen, wer ich bin. Aber ich wurde gebeten, dieses Jahr die alternative Weihnachtsansprache zu halten (und ich habe gehört, das sei eine grosse Sache). Ich hoffe also, Sie wissen es – falls nicht: Ich moderiere das, was Sie eine Chatshow nennen (wir nennen es eine Talkshow), in dem, was Sie wohl die Kolonien nennen? Ich glaube zumindest. Ehrlich gesagt habe ich keine Ahnung, was bei Ihnen drüben gerade genau läuft.

Was hier bei uns läuft, weiss ich allerdings. Und ich kann Ihnen sagen: Aus einer faschistischen Perspektive war dies ein ausgesprochen gutes Jahr. Die Tyrannei boomt bei uns.

Sie haben vielleicht in Ihren bunt illustrierten Zeitungen gelesen, dass der Präsident meines Landes mich gerne zum Schweigen bringen würde – weil ich ihn nicht in der Weise anhimmle, wie er es gern hätte. Die amerikanische Regierung sprach eine Drohung gegen mich und gegen das Unternehmen aus, für das ich arbeite, und plötzlich waren wir nicht mehr auf Sendung. Aber wissen Sie, was dann passiert ist? Ein Weihnachtswunder ist geschehen. Nun ja, es war im September. Ein September-Wunder. Aber die Feiertage scheinen ja ohnehin jedes Jahr früher zu kommen, nicht wahr?

Millionen und Abermillionen von Menschen standen auf und sagten: «Nein, das ist nicht akzeptabel.» Menschen, die meine Sendung nie gesehen hatten; Menschen, die öffentlich festgehalten hatten, dass sie meine Sendung hassen, meldeten sich zu Wort, gingen auf die Strasse. Sie taten dies, um das Recht auf freie Meinungsäusserung zu verteidigen – und weil so viele Menschen ihre Stimme erhoben, kamen wir zurück. Unsere Sendung kam stärker zurück als je zuvor. Wir haben gewonnen, der Präsident hat verloren – und nun bin ich wieder jeden Abend auf Sendung und verpasse dem mächtigsten Politiker der Welt eine ordentliche, und reichlich verdiente, Standpauke (im Original: bollocking). Das ist doch ein Wort, oder? Habe ich es richtig verwendet?

Und ich erzähle Ihnen diese Geschichte, weil Sie vielleicht denken: «Ach, dass eine Regierung ihre Kritiker zum Schweigen bringt, das passiert in Ländern wie Russland oder Nordkorea – oder in Los Angeles –, aber doch nicht im Vereinigten Königreich.» Genau das dachten wir auch. Und jetzt haben wir König Donny den Achten, der nach Exekutionen ruft. Es passiert schnell.

Wissen Sie, es ist irgendwie ironisch: Wir US-Amerikaner sind sehr stolz darauf, keinen König zu haben. Das ist gewissermassen der Grund, weshalb wir [von euch Briten] gegangen sind. Anfang dieses Jahres gingen bei uns Dutzende Millionen Menschen auf die Strasse, bei Demonstrationen mit dem Namen «No Kings». Solche gab es auch bei Ihnen. Und nur fürs Protokoll: Wir haben nichts gegen Ihren König. Ich meine, ich weiss nicht, ob Sie das wussten, aber sein Sohn lebt hier. Wir – nun ja, einige von uns – haben einfach ein Problem mit dem Typen, der glaubt, er sei unser König.

Hier in den Vereinigten Staaten reissen wir derzeit die Strukturen unserer Demokratie sowohl im übertragenen als auch im ganz wörtlichen Sinn nieder. Von der freien Presse über die Wissenschaft, die Medizin, die richterliche Unabhängigkeit bis hin zum Weissen Haus selbst – bei uns herrscht ein ziemliches Chaos. Und wir wissen, dass sich das auch auf Sie auswirkt, und ich wollte einfach einmal «Entschuldigung» sagen. Und wir möchten – oder zumindest möchte ich –, dass Sie wissen: Wir sind nicht alle wie er. Wir sind nicht alle so.

Schauen Sie, ich weiss aus dem Musical Hamilton, dass unsere Länder nicht unter den besten Vorzeichen gestartet sind. Aber ich weiss auch (vom Schauen [des Films] Love Actually), dass wir eine besondere Beziehung haben. Wenn ich also im Namen meines Landes sprechen darf – was ich ganz bestimmt nicht tue –, dann lautet unsere Botschaft an Sie, unsere Freunde auf der anderen Seite des Atlantiks, zu Weihnachten: Geben Sie uns nicht auf.

Wir stecken gerade in einer kleinen Phase des Taumelns, aber wir werden uns wieder fangen. Es mag im Moment nicht so aussehen, aber wir haben euch gern. Wir mögen sogar die Dinge an euch, die ihr selbst nicht mögt. Zum Beispiel Simon Cowell. Wir sind nicht besonders clever. Wir sind Amerikaner. Niemand weiss besser als ihr, dass wir immer ein bisschen spät dran sind. Aber kommen wir am Ende durch? Vielleicht. Geben Sie uns etwa drei Jahre. Bitte. Danke für Ihre Geduld, und danke für Spider-Man. Frohe Weihnachten und schöne Feiertage.