Kommt das grosse Zollabkommen? Parmelin in Washington – was du jetzt wissen musst

Lea Oetiker

13.11.2025

Wer Trump etwas verfolgt hat, weiss: Seine Meinung kann sich rasch ändern.
Wer Trump etwas verfolgt hat, weiss: Seine Meinung kann sich rasch ändern.
KEYSTONE

Ein mögliches Zollabkommen mit den USA könnte der Schweizer Exportwirtschaft erheblich Auftrieb geben. Die wichtigsten Fragen und Antworten zum möglichen Deal.

Lea Oetiker

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Guy Parmelin verhandelt in Washington D.C. mit dem US-Handelsbeauftragten über ein mögliches Zollabkommen.
  • Die US-Strafzölle auf Schweizer Importe könnten von 39 auf 15 Prozent sinken, was vor allem der Uhren- und Maschinenindustrie helfen würde.
  • Wie der Deal genau aussehen soll, ist jedoch nicht bekannt.

Am Donnerstagmorgen sind Wirtschaftsminister Guy Parmelin und Staatssekretärin Helene Budliger in Washington D.C. angekommen. Dort will Parmelin den US-Handelsbeauftragten Jamieson Greer zu Gesprächen treffen. Die wichtigsten Fragen und Antworten:

Wie könnte der Deal aussehen?

Ganz genau weiss man das wohl nicht. Doch ein Abkommen sieht offenbar eine deutliche Senkung der aktuell gültigen US-Strafzölle auf Schweizer Importe vor, von bisher 39 Prozent auf rund 15 Prozent. Diese neue Zollhöhe würde damit derjenigen entsprechen, die auch für die EU gilt.

Die Schweizer Zoll-Delegation mit Wirtschaftsminister Guy Parmelin wird sich am Nachmittag (Ostküstenzeit) zu Gesprächen mit der US-Administration in Washington treffen. Diese fänden «auf verschiedenen Ebenen» statt, sagte ein Sprecher auf Anfrage von Keystone-SDA.

Was würde ein Deal für die Schweiz bedeuten?

Ein Zoll-Deal mit den USA würde für die Schweiz vor allem eine deutliche Entlastung der exportorientierten Wirtschaft bedeuten. Zölle von 15 Prozent würden die Schweiz zolltechnisch mit der EU gleichstellen – und den wirtschaftlichen Schaden eindämmen.

Vor allem die Schweizer Uhren- und Maschinenindustrie könnte dank eines Zollabkommens aufatmen. Für sie ist der US-Markt von zentraler Bedeutung.

Weil ein baldiges Abkommen erwartet wird, haben die Aktien von Luxusgüterkonzernen – wie beispielsweise Richemont und Swatch – in den vergangenen Tagen an Wert gewonnen.

Auch viele Schweizer KMU, die mit ihren Nischenprodukten vor allem amerikanische Unternehmen beliefern, könnten von einem solchen Abkommen profitieren.

Was hat die Schweiz den USA angeboten?

Unklar bleibt, was die Schweiz den USA im Gegenzug für eine Senkung der Strafzölle angeboten hat. Durchgesickert – bislang jedoch unbestätigt – sind mögliche Zugeständnisse beim Marktzugang für bestimmte Agrarprodukte, beim Kauf von Flüssiggas oder gar bei Rüstungsgütern. Auch Investitionszusagen von privaten Unternehmen sollen eine Rolle spielen.

Denkbar ist auch, dass sich die Schweiz bereitzeigt, den Import sogenannter Chlorhühner zuzulassen. Bislang ist die Einfuhr von US-Poulets, die nach der Schlachtung in einem Chlorbad behandelt werden, hierzulande verboten.

Letztes Wochenende wurde zudem eine neue Forderung aus Amerika bekant: Laut Medienberichten drängt Washington darauf, dass sich die Schweiz künftig dem US-Sanktionsregime anschliesst – ein Anliegen, das in der Schweizer Politik von links bis rechts auf Widerstand stösst.

Warum sollte Trump einlenken?

Wer Trump etwas verfolgt hat, weiss: Seine Meinung kann sich rasch ändern. Dennoch lohnt es sich bisweilen, bei ihm auf Charmeoffensive zu gehen. Genau das taten in der vergangenen Woche mehrere prominente Vertreter der Schweizer Wirtschaft.

Am Dienstagabend traf sich unter anderem Rolex-Chef Jean-Frédéric Dufour, der einen sehr guten Draht zu Trump haben soll, mit dem US-Präsidenten. Er soll ihm sogar eine exklusive Rolex-«Desk Clock» geschenkt haben.

Und tatsächlich: Der US-Präsident äusserte sich öffentlich zum Abkommen. Wirtschaftsminister Guy Parmelin sprach nach einem Telefonat mit dem US-Handelsbeauftragten Jamieson Greer von «sehr konstruktiven Gesprächen».