Kontroverse über britische Pläne zur Auslagerung von Asylsuchenden

SDA

18.11.2021 - 15:37

ARCHIV - Dominic Raab (M), Lordkanzler und Justizminister von Großbritannien, hört sich während des Parteitags der Konservativen Partei die Grundsatzrede von Premierminister Johnson an. Foto: Peter Byrne/PA Wire/dpa
Keystone

Ein Bericht über Pläne der britischen Regierung, Asylsuchende für die Dauer ihres Verfahrens ins Ausland zu schicken, hat die Debatte über das Thema in dem Land erneut angeheizt.

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18.11.2021 - 15:37

Flüchtlingszentren im Ausland seien aktuell die einzige Hoffnung der Regierung, um der steigenden Zahl an Migranten, die über den Ärmelkanal kommen, zu begegnen, berichtete die «Times» am Donnerstag unter Berufung auf nicht genannte Regierungsquellen.

Justizminister Dominic Raab bestätigte im Sender Times Radio am Donnerstag, man sei in Gesprächen über «internationale Partnerschaften», die die Abfertigung der Migranten ins Ausland verlegen würde, um Grossbritanniens Anziehungskraft für Flüchtlinge zu reduzieren.

Laut «Times» sehen die Pläne vor, Migranten binnen sieben Tagen nach ihrer Ankunft für die Dauer ihres Asylverfahrens ins Ausland zu schicken. Demnach ging es unter anderem konkret um Albanien als Zielland – was jedoch sofort heftigen Widerspruch aus dem Balkanstaat auslöste. Die albanische Aussenministerin Olta Xhacka bezeichnete den Bericht auf Twitter als «Fake News». Auch der albanische Botschafter in Grossbritannien, Qirjako Qirko, zeigte sich verärgert und sagte dem «Guardian», Albanien werde niemals einer solchen Regelung zustimmen.

Raab sagte dem Sender Sky News auf eine Frage nach dem Bericht, Albanien sei eines der Länder, die man bei der Suche nach Partnern für die «internationale Abfertigung» in Betracht ziehe. Die britische Innenministerin Priti Patel ist bereits in etlichen europäischen Ländern mit ihrem Anliegen gescheitert.

Der konservativen Regierung sind die über den Ärmelkanal ankommenden Migranten ein Dorn im Auge. Mittlerweile haben in diesem Jahr mehr als 24 000 Menschen die gefährliche Reise hinter sich gebracht, fast dreimal so viele wie 2020. Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern nimmt Grossbritannien jedoch traditionell deutlich weniger Flüchtlinge auf.

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