Kriegsende nach Treffen nicht näherKreml: «Kein Kompromiss» zu besetzten Gebieten
dpa
3.12.2025 - 04:37
Putin: Sind zu Krieg mit Europa bereit
STORY: Ein Konvoi mit Blaulicht und Sirene jagt am Dienstag durch Moskau. An Bord sollen sich der US-Sondergesandte Steve Witkoff und Jared Kushner, Schwiegersohn von US-Präsident Donald Trump befinden. Im Kreml war am Nachmittag ein Treffen mit Russlands Präsident Wladimir Putin angesetzt, um über ein mögliches Ende des Krieges in der Ukraine zu beraten. Was das Staatsoberhaupt vorab zu Reportern sagte, klang jedoch wenig deeskalierend. Die Europäer hätten Friedensgespräche abgelehnt und hinderten jetzt die Trump-Regierung daran, Frieden durch Verhandlungen zu erreichen. Die Bedingungen, die Europa stelle, seien für Russland inakzeptabel. «Wir haben nicht vor, gegen Europa zu kämpfen, das habe ich schon hundert Mal gesagt. Aber wenn Europa plötzlich beschliesst, Krieg gegen uns zu führen und ihn beginnt, sind wir sofort bereit.» // «Das ist nicht die Ukraine. Mit der Ukraine gehen wir chirurgisch und vorsichtig vor, verstehen Sie? Das ist kein Krieg im vollen, modernen Sinne des Wortes. Wenn Europa sich für einen Krieg entscheidet, kann die Situation sehr schnell einen Punkt erreichen, an dem es niemanden mehr gibt, mit dem wir verhandeln können.» Putin drohte zudem, der Ukraine den Zugang zum Meer abzuschneiden. Dies sei eine Reaktion auf Drohnenangriffe auf Tanker der russischen «Schattenflotte» im Schwarzen Meer. Piraterie werde dann grundsätzlich unmöglich sein, sagte Putin und kündigte an, die Angriffe auf ukrainische Einrichtungen und Schiffe zu verstärken. Zudem werde man Massnahmen gegen Tanker jener Länder ergreifen, die der Ukraine helfen. Ein ukrainischer Sicherheitsbeamter hatte am Samstag erklärt, ukrainische Seedrohnen hätten zwei sanktionierte Tanker im Schwarzen Meer getroffen. Am Dienstag meldete ein mit Sonnenblumenöl beladener russischer Tanker einen Drohnenangriff vor der türkischen Küste. Die 13 Besatzungsmitglieder seien jedoch unverletzt geblieben, teilten die türkische Seebehörde und die Schifffahrtsagentur Tribeca mit. Die «MIDVOLGA-2» habe keinen Hilferuf abgesetzt und ihre Fahrt in Richtung des türkischen Hafens Sinop fortgesetzt. Wer für den Angriff verantwortlich ist, blieb unklar. Die Ukraine wies eine Beteiligung zurück.
02.12.2025
US-Präsident Trump lässt seine Vertrauten in Moskau über ein Ende des Ukraine-Kriegs verhandeln. Ein Berater von Kremlchef Putin bezeichnet das fünfstündige Gespräch als nützlich. Nun soll Trump informiert werden.
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DPA, Redaktion blue News
03.12.2025, 04:37
03.12.2025, 06:48
dpa
Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen
Fünf Stunden dauerte das Gespräch zwischen Putin und US-Vertretern über ein Ende des Ukraine-Krieges.
Putins Berater sprach von konstruktiven, inhaltsreichen und nützlichen Unterredungen.
Die Seiten seien nach den Gesprächen nicht weiter von einem Frieden entfernt, aber auch nicht näher an einer Lösung des Konflikts.
Russland und die USA sind einem Kriegsende in der Ukraine bei einem langen Treffen im Kreml anscheinend nicht näher gekommen, doch der Dialog soll nach Moskauer Angaben fortgesetzt werden. Präsident Wladimir Putin sprach mehr als fünf Stunden mit dem US-Sondergesandten Steve Witkoff und dem Schwiegersohn von US-Präsident Donald Trump, Jared Kushner. Während ein Durchbruch in Moskau ausblieb, einigten sich die EU-Staaten kurz darauf auf einen Importstopp für russisches Erdgas bis Ende 2027.
Nach dem Treffen im Kreml sei man zwar nicht weiter von einem Frieden entfernt, aber auch nicht näher an einer Lösung des Konflikts, sagte Putins aussenpolitischer Berater Juri Uschakow. Es gebe noch viel Arbeit. So gebe es noch keinen Kompromiss zur Frage der von Russland geforderten Abtretung ukrainischer Gebiete. Putin fordert den gesamten Donbass in der Ostukraine, obwohl seine Armee nicht alle Teile des Gebiets kontrolliert. Kiew lehnt die Preisgabe ab.
Der Putin-Berater sprach von konstruktiven, inhaltsreichen und nützlichen Unterredungen. Es sei vereinbart worden, die Verhandlungslinie nicht öffentlich zu machen. Die amerikanischen Unterhändler wollten zunächst Trump über die Ergebnisse informieren - und danach wieder mit Russland Kontakt aufnehmen.
Von Kontakten Richtung Ukraine war nicht die Rede, auch wenn der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bei einem Besuch in Dublin sagte, er warte auf Ergebnisse des russisch-amerikanischen Treffens in Moskau.
Putin habe den US-Vertretern freundschaftliche, aber auch politische Signale für Trump mit auf den Weg gegeben, sagte Uschakow ohne Nennung näherer Details. Seinen Angaben nach wurde auch über einen Neubeginn der wirtschaftlichen Kooperation zwischen Russland und den USA gesprochen. Moskau hat ein Interesse an einer Aufhebung der scharfen US-Sanktionen, die Russlands Wirtschaft immer mehr zusetzen.
Fünf Stunden dauerte das Gespräch von Kremlchef Wladimir Putin (3.v.r.) mit den US-Abgesandten – keine Diplomaten oder Politiker, sondern ein ehemaliger Immobilienhändler (Witkoff, 2.v.l.) und ein Trump-Familienmitglied (Kushner, 3.v.l.).
Bild:Keystone/EPA/Kristina Kormilitsina/Sputnik/Kremlin Pool
Trumps Schwiegersohn erstmals bei Treffen im Kreml
Für den Trump-Vertrauten Witkoff war es in diesem Jahr schon das sechste Treffen mit Putin, Kushner hingegen nahm erstmals an so einem Gespräch teil. Beide stehen für den Teil der US-Administration, der auf eine schnelle Wiederaufnahme der Wirtschaftsbeziehungen zu Russland setzt.
Ende November war ein US-Friedensplan mit 28 Punkten publik geworden, der danach als «russische Wunschliste» und faktische Kapitulationserklärung der Ukraine kritisiert wurde. Er durchlief in den vergangenen Tagen Änderungen, weil viele Vorschläge für die Ukraine und ihre europäischen Unterstützer nicht annehmbar waren. Zuletzt arbeiteten amerikanische und ukrainische Vertreter bilateral an dem Plan, danach folgte dann das Treffen im Kreml.
Putin droht den Europäern
Putin hatte den völkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen die Ukraine im Februar 2022 begonnen, als er seine Truppen im Nachbarland einmarschieren liess. Unmittelbar vor dem Treffen mit Witkoff drohte er den europäischen Unterstützern der Ukraine nun mit scharfen Worten. «Wir haben nicht vor, mit Europa zu kämpfen, das habe ich schon 100 Mal gesagt. Aber wenn Europa wiederum kämpfen will und anfängt, dann sind wir dazu sofort bereit», sagte er.
Der Kremlchef kritisierte vor Journalisten die Änderungen, die auf Drängen der Europäer an Trumps ursprünglichen 28-Punkte-Friedensplan vorgenommen wurden. Die Vorschläge Europas zielten darauf ab, den Friedensprozess zu blockieren, sagte Putin der Agentur Interfax zufolge.
Die EU-Staaten haben mit Blick auf Trumps Plan mehrfach deutlich gemacht, dass sie eine gewaltsame Verschiebung von Grenzen in Europa nicht akzeptieren werden. Nur die Ukraine könne über ihre Gebiete entscheiden.
EU einig über Komplettverzicht auf russisches Gas
Um sich langfristig unabhängig von Energieimporten aus Russland und damit weniger erpressbar zu machen, wollen die EU-Staaten bis spätestens Ende 2027 den Import von russischem Erdgas komplett einstellen. Darauf einigten sich Vertreter der Regierungen der EU-Mitgliedstaaten und des Europaparlaments in Brüssel. Für russische Ölexporte in die Slowakei und Ungarn soll die EU-Kommission im nächsten Jahr einen Ausstiegsplan vorlegen. Die beiden Staaten beziehen als einzige in der EU noch Rohöl aus Russland und sind auch in hohem Masse von russischen Erdgaslieferungen abhängig.
Die neuen Regeln sollen bereits bestehende Sanktionen gegen Russland ergänzen und es der Rohstoffgrossmacht erschweren, ihren Angriffskrieg gegen die Ukraine weiter zu finanzieren.
Rubio nicht bei Treffen der Nato-Aussenminister
Um die Unterstützung der Ukraine soll es heute auch bei einem Treffen der Aussenminister der Nato-Staaten in Brüssel gehen. Bei ihrer letzten regulären Zusammenkunft im laufenden Jahr soll es - vor allem mit Blick auf Russland – auch um einen Ausbau der Abschreckung und Verteidigung gehen.
Zudem werden Gespräche über Luftraumverletzungen durch russische Kampfjets und Drohnen sowie mutmasslich russische Sabotageakte in Europa erwartet. Zuletzt hatte Polen dem russischen Geheimdienst vorgeworfen, einen Sprengstoffanschlag auf eine polnische Bahnstrecke organisiert zu haben.
Allerdings fehlt US-Aussenminister Marco Rubio als Chefdiplomat des wichtigsten Nato-Staats bei dem Treffen in Brüssel. Er lässt sich von seinem Vize Christopher Landau vertreten. Ein triftiger Grund für die Absage Rubios wurde nicht genannt. Ein Sprecher teilte lediglich mit, es wäre völlig unrealistisch, Rubio bei jedem Treffen der Militärallianz zu erwarten - zumal der Minister bereits an Dutzenden Treffen mit Nato-Verbündeten teilgenommen habe.
Dass ein US-Aussenminister nicht persönlich an einem formellen Nato-Aussenministertreffen teilnimmt, ist höchst ungewöhnlich. Für die Bundesregierung reist Aussenminister Johann Wadephul (CDU) nach Brüssel.