Lebensqualität

Lebensqualität in der Westschweiz geringer – aber nicht nur

iw, sda

27.1.2021 - 11:29

Lebensqualität lässt sich nicht über einen Kamm scheren: Genf etwa führt statistisch in Bereichen wie Gewalt und Arbeitslosigkeit, dafür liegen Geschäfte, Arztpraxen und Schulen nahe beieinander und das ÖV-Netz ist dicht. Und vor allem: Genf hat schweizweit die tiefste Selbstmordrate. (Archivbild)
Keystone

Hohe Arbeitslosigkeit, mehr Lärm, weniger Wohnraum und mehr Verbrechen: In vielen Bereichen ist Genf die Schweizer Stadt mit der geringsten Lebensqualität. Es gibt aber auch positive Seiten.

Punkto Lebensqualität sind die Bewohnerinnen und Bewohner von Genf nicht zu beneiden – das zeigt eine am Mittwoch veröffentlichte «City Statistics» des Bundesamts für Statistik (BFS). Verglichen wurden dabei die Städte Bern, Luzern, Zürich, Winterthur, St. Gallen, Basel, Lausanne, Genf und Lugano. Und zwar in elf Kategorien, von Einkommen über Umwelt und Sicherheit bis zu Freizeit.

Doch Genf hat auch positive Seiten – etwa die tiefe Suizidrate: Nirgendwo sonst ist die Sterberate der unter 65-Jährigen so tief. Führend ist Genf auch bei der Erreichbarkeit von Dienstleistungen: Arztpraxen, Lebensmittelgeschäfte, Apotheken, Schulen und Post liegen in Genf alle im Durchschnitt 180 bis 500 Meter entfernt.

Zum Vergleich: Berner haben im Schnitt 600 Meter zum nächsten Lebensmittelladen, St. Galler einen Kilometer zur nächsten Apotheke.

Auch wenn es einmal eine grössere Distanz zu überwinden gibt, sind Genfer gut bedient: Pro Quadratkilometer gibt es mehr als neun Haltestellen. Winterthur im Vergleich hat nur zwei, Zürich fünf. Dennoch kostet das Monatsabo in diesen Städten mehr als 80 Franken, in Genf dagegen nur um die 70. In Lugano kommt man mit etwas mehr als 60 Franken im Monat aus – dafür gibt's im Schnitt auch nur drei Haltestellen pro Quadratkilometer.

Über dem Durchschnitt liegt in Genf das Betreuungsangebot für Kleinkinder: Pro 1000 Kinder dieser Altersgruppe stehen mehr als 400 Plätze zur Verfügung. Drei Städte sind in diesem Bereich besser dotiert: In Basel gibt es Platz für 600 von 1000 Vorschulknirpsen, in Zürich etwa für 550 und in Lausanne für um die 480. In St. Gallen dagegen finden nur 20 Prozent der 0-3-Jährigen einen Kita-Platz.

Arbeitslosigkeit und Sozialhilfe

Generell betrachtet sei die Benachteiligung der Westschweizer bei der Lebensqualität aber augenscheinlich, so die Autoren. Bei der Arbeitslosen- und der Sozialhilfequote führt Lausanne vor Genf und Basel. Luzern und Winterthur sind mit einer Arbeitslosenquote von zwei Prozent am besten dran. Lugano als Altersrückzugsgebiet hat dagegen am wenigsten Sozialhilfebezüger.

Bei den Körperverletzungen schwingen Genf und Lugano obenaus – und zwar im Stadtkern ebenso wie in der Agglomeration. In Lausanne bleibt es dagegen gemäss Gewalttaten-Statistik in den weitaus meisten Fällen bei Tätlichkeiten und Drohung.

Bei den Einbruch- und Einschleichdiebstählen haben die Stadtzürcher am meisten zu befürchten, mit mehr als fünf Delikten pro 1000 Einwohnern. In der Zürcher Agglomeration werden Wohnungen viel seltener ausgeraubt. Umgekehrt ist es in Genf: dort liegen sowohl Stadt wie Agglo nur knapp hinter der Stadt Zürich. Am sichersten ist Eigentum in Lugano, wo nur etwas mehr als zwei Vorfälle pro 1000 Einwohner registriert werden.

Kultur und Freizeit

Überraschend sind die «City Statistics» vor allem in der Dimension «Kultur und Freizeit». Es zeigt sich, dass Zürich gar nicht der kulturelle Wasserkopf der Schweiz ist, für den man die Stadt gemeinhin hält: Rechnet man das kulturelle Angebot auf 100'000 Einwohner um, ist nur Genf noch schlechter dotiert.

Lugano hat am meisten Museen und Bern die meisten Theater und Kinos. St. Gallen hat zwar am zweitmeisten Museen, aber am wenigsten Kinos, während Luzern am drittmeisten Museen aber am wenigsten Theater zu bieten hat (immer umgerechnet auf 100'000 Einwohner). Derzeit dürfte das den meisten Schweizern und Schweizerinnen egal sein: Wegen der Corona-Epidemie ist eh alles zu.

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