Vorfall in Venezuela Oppositionspolitiker wird aus Haft entlassen – und kurz darauf verschleppt

SDA

9.2.2026 - 09:04

Der Oppositionspolitiker Juan Pablo Guanipa war seit Mai 2025 in Haft
Der Oppositionspolitiker Juan Pablo Guanipa war seit Mai 2025 in Haft
Cristian Hernandez/AP/dpa

In Venezuela ist der Oppositionspolitiker Juan Pablo Guanipa nur wenige Stunden nach seiner Freilassung erneut gewaltsam festgesetzt worden. Die Opposition spricht von einer Entführung, die Staatsanwaltschaft verweist auf einen angeblichen Verstoss gegen Auflagen.

,

Keystone-SDA, Redaktion blue News

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Der venezolanische Oppositionspolitiker Juan Pablo Guanipa soll laut Oppositionsführerin María Corina Machado nur wenige Stunden nach seiner Haftentlassung von bewaffneten Männern in Caracas verschleppt worden sein.
  • Die Staatsanwaltschaft widerspricht der Darstellung und erklärt, Guanipas Festnahme sei beantragt worden, weil er gegen Auflagen verstossen habe.
  • Der Fall steht im Kontext zahlreicher politischer Inhaftierungen in Venezuela, wo laut Menschenrechtsorganisationen rund 800 politische Gefangene festgehalten werden.

In Venezuela soll der prominente Oppositionspolitiker Juan Pablo Guanipa wenige Stunden nach seiner Freilassung aus dem Gefängnis verschleppt worden sein. Das teilte Oppositionsführerin María Corina Machado, die Ende vergangenen Jahres den Friedensnobelpreis erhalten hatte, auf der Plattform X mit. «Vor wenigen Minuten wurde Juan Pablo Guanipa in der Siedlung Los Chorros in Caracas entführt», schrieb sie.

Schwer bewaffnete Männer in Zivilkleidung seien in vier Fahrzeugen gekommen und hätten ihn gewaltsam mitgenommen. «Wir fordern seine sofortige Freilassung», erklärte Machado. Die venezolanische Staatsanwaltschaft ihrerseits teilte mit, sie habe die Festnahme Guanipas beantragt, da er gegen Auflagen verstossen habe. Weitere Einzelheiten waren zunächst nicht bekannt.

Guanipa, der Vorsitzende der Partei «Primero Justicia», war im Mai 2025 festgenommen worden. Die Regierung des damals noch amtierenden autoritären Staatschefs Nicolás Maduro warf ihm vor, Terroranschläge geplant zu haben, um die Parlaments- und Regionalwahlen zu stören.

Hunderte politische Häftlinge

Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Foro Penal gibt es in dem südamerikanischen Land rund 800 politische Häftlinge. Viele waren bei den Protesten gegen die von Betrugsvorwürfen überschatteten Wiederwahl Maduros 2024 festgenommen worden.

Wenige Tage nach der Intervention der USA und der Festnahme Maduros Anfang Januar kündigte die Regierung der geschäftsführenden Präsidentin Delcy Rodríguez die Freilassung einer grossen Zahl venezolanischer und ausländischer Gefangener an.