Heftige Kritik an neuem Minneapolis-KursMAGA-Anhänger sprechen nach Trump-Aussagen von «Verrat»
Gianluca Reucher
29.1.2026
Donald Trump muss zunehmend Kritik seiner eigenen Anhängerschaft einstecken.
Bild:Mark Schiefelbein/AP/dpa (Archivbild)
Donald Trump hat mit seinem Versuch, die Situation rund um den neusten Todesfall in Mineapolis zu deeskalieren, starke Gegenreaktionen seiner eigenen Anhängerschaft ausgelöst. Jetzt übt ein grosser Teil der MAGA-Bewegung heftige Kritik am US-Präsidenten.
Donald Trump befindet sich in einer Zwickmühle. Einerseits erwartet seine treue Wählerschaft ein aggressives Vorgehen des US-Präsidenten in Bezug auf die gross angekündigte Migrationspolitik. Andererseits haben die neusten Ereignisse rund um den Tod von Alex Pretti in Minneapolis (Minnesota) eine Welle der Empörung ausgelöst – auch unter Republikanern.
Alex Pretti war bei einem Einsatz der US-Einwanderungsbehörde ICE in Minneapolis erschossen worden. Der 37-jährige Amerikaner trug eine Waffe bei sich, die allerdings nicht gezückt und noch vor den ersten Schüssen vom am Boden liegenden Pretti entfernt wurde, wie veröffentlichte Videoaufnahmen zeigen. Der Intensivkrankenpfleger soll zudem zum Besitz der Waffe berechtigt gewesen sein.
Nach dem Vorfall bezeichnete Trumps Heimatschutzministerin Kristi Noem das Opfer noch als «Terroristen», wurde aber kurz darauf vom US-Präsidenten von der Minnesota-Operation abgezogen, wie die «Washington Post» berichtet. Immer mehr Republikaner fordern jetzt umfassende Ermittlungen.
«Das ist ein Wendepunkt – wer jetzt zögert, zögert für immer»
Unterdessen überraschte Trump, als er von positiven Gesprächen mit den beiden demokratischen Gouverneuren von Minnesota, Tim Walz und Jacob Frey, sprach, die er Anfang des Monats noch als «nutzlos» kritisiert hatte. Gegenüber Fox News erklärte Trump, er habe die Situation «etwas deeskalieren» wollen.
Der US-Präsident verkündete gegenüber dem «Wall Street Journal» zudem eine Überpüfung des Falls rund um den Tod von Alex Pretti und deutete gar einen möglichen Abzug der ICE-Beamten in Minneapolis an: «Irgendwann werden wir gehen.»
Es ist ein Kurswechsel, der innerhalb der MAGA-Bewegung für jede Menge Unmut sorgt. «Das ist ein Wendepunkt – wer jetzt zögert, zögert für immer. Wer jetzt nachgibt, wird es für immer tun», kritisiert der ehemalige Trump-Berater Stephen K. Bannon den US-Präsidenten und fordert die Regierung dazu auf, die Abschiebungen zu beschleunigen und die Lage nicht zu «entschärfen» oder Einsatzkräfte aus Minnesota abzuziehen.
Weitere Trump-Anhänger sprechen laut der «Washington Post» gar von einem «Verrat», andere warnen schon jetzt vor den Zwischenwahlen im November. Mark Mitchell, Chef-Meinungsforscher des konservativen Meinungsforschungsinstituts Rasmussen Reports, sieht in Trumps jüngsten Äusserungen einen rhetorischen Tiefschlag für seine MAGA-Bewegung.
Republikaner bezeichnet Minneapolis-Vorfall als «äusserst verstörend»
Der republikanischer Senator aus Louisiana, Bill Cassidy, bezeichnete die tödlichen Schüsse in Minneapolis als «äusserst verstörend». Die Glaubwürdigkeit von ICE und des Heimatschutzministeriums stünden seiner Meinung nach auf dem Spiel.
Sein Senatskollege Thom Tillis drang ebenfalls auf «gründliche und unparteiische» Ermittlungen und äusserte Kritik an der Reaktion der US-Regierung auf den Vorfall.
Selbst Senator Pete Ricketts aus Nebraska, ein überzeugter Verbündeter von Donald Trump, forderte Transparenz im Fall Alex Pretti: «Meine Unterstützung für die Finanzierung von ICE bleibt unverändert. Aber wir müssen auch unsere grundlegenden Werte als Nation bewahren.»
Die Senatorin Lisa Murkowski aus Alaska, die als eine von wenigen Trump-kritischen Stimmen unter den Republikanern gilt, betonte: «ICE-Agenten haben bei der Ausübung ihrer Aufgaben keinen Freibrief.»
Alex Pretti schon der zweite Todesfall in Mineapolis in diesem Jahr
Es gibt unter Republikanern aber auch positive Stimmen zum Kurswechsel Trumps. «Ich bin einfach dankbar, dass wir uns in eine Richtung bewegen, die uns wieder zur Vernunft bringt», sagte beispielsweise Jim Abeler, ein republikanischer Senator aus Minnesota.
Er fügte an: «Es gibt Menschen, die Angst haben, es gibt Bürger, die sich aufgrund ihrer Hautfarbe oder Nationalität nicht mehr aus dem Haus trauen, um Lebensmittel einzukaufen. … Es ist höchste Zeit, dass wir etwas ändern.»
Der Tod von Alex Pretti ist der zweite in Minneapolis innerhalb von nicht einmal drei Wochen. Am 7. Januar hatten Mitarbeiter der ICE die 37 Jahre alte Renee Good erschossen. Bereits damals war es aufgrund des Vorgehens zu umfangreichen Protesten in Minnesota gekommen.