Fehler gefunden?
Jetzt melden
Was hat Jeffrey Epstein mit dem verschwundenen Milliardär Karl-Erivan Haub zu tun?
blue News
Der mysteriöse Tod des Ex-Tengelmann-Chefs Karl-Erivan Haub, ein Anruf aus New York ins Wallis, und bislang unbekannte Dokumente aus den Epstein-Akten: Neue Unterlagen zeigen, dass sich Schweizer Ermittler bereits 2020 mit möglichen Verbindungen zwischen den beiden Fällen befassten.
2018 verschwindet der Tengelmann-Milliardär Karl-Erivan Haub bei einer Skitour in Zermatt spurlos. 2020 meldet sich ein Mann namens Mark Epstein aus New York bei der Walliser Kantonspolizei. Und 2025 tauchen plötzlich Fedpol und Walliser Ermittler in den Akten von Jeffrey Epstein auf. Es sind drei Geschichten mit brisanter Verbindung.
Zunächst zum verschwundenen Milliardär: Karl-Erivan Haub, deutsch-amerikanischer Doppelbürger, war bis zu seinem Verschwinden Co-Chef der Tengelmann-Gruppe, eines der grössten Familienunternehmen Deutschlands mit Sitz in Mülheim an der Ruhr.
Am 7. April 2018 bricht der passionierte Alpinist allein zu einer Trainingstour am Klein Matterhorn auf. Eine Überwachungskamera zeigt Haub letztmals auf dem Weg ins Gletschergebiet. Danach verliert sich jede Spur.

Karl-Erivan Haub war Co-Chef der Tengelmann-Gruppe.
Roland Weihrauch/dpa
Trotz einer der grössten Suchaktionen, die es in der Region je gab – mit Helikoptern, Lawinenspezialisten und internationalen Rettungsteams – bleibt Haub verschwunden. Weder seine Leiche noch seine Ausrüstung oder andere Hinweise werden gefunden.
Sein Verschwinden löste grosse Spekulationen aus. Während die Familie offiziell von einem Bergunfall ausgeht, gibt es bis heute Stimmen, die ein freiwilliges Abtauchen nicht ausschliessen.

Dieses Bild einer Überwachungskamera zeigt möglicherweise den vermissten Tengelmann-Erben Karl-Erivan Haub auf dem Weg zum Kleinen Matterhorn am 7. April 2018.
Screenshot/X.com
So gab es laut Medienberichten zahlreiche Indizien, dass Haub mindestens seit 2010 geschäftliche Kontakte nach Russland hatte. Zudem soll Haub nach seinem Verschwinden in Moskau gesichtet worden sein, unabhängige Bestätigungen dafür fehlen jedoch.
Juristisch wurde Haub 2021 für tot erklärt. 2023 veröffentlichte die Investigativjournalistin Liv von Boetticher das Buch «Die Akte Tengelmann und das mysteriöse Verschwinden des Milliardärs Karl-Erivan Haub».
Darin kommt sie zum Schluss: «Viel spricht dafür, dass der frühere Chef des Tengelmann-Imperiums seit Jahren in äusserst dubiose Geschäfte in Russland verstrickt und vermutlich deswegen auf das Radar der amerikanischen Bundespolizei FBI und der CIA geraten war.»
Der zweite Teil der Geschichte beginnt mit einem aktuellen Ereignis: Am 23. Dezember 2025 werden neue Akten aus dem Nachlass von Jeffrey Epstein veröffentlicht. Unter den rund 300’000 Seiten finden sich drei, die sich mit der Walliser Kantonspolizei, der Schweizer Bundespolizei Fedpol, Mark Epstein – dem Bruder von Jeffrey Epstein – und dem Verschwinden von Karl-Erivan Haub befassen.
Aus diesen Seiten geht hervor, dass sich das Fedpol am 15. Juni 2020 im Auftrag der Kantonspolizei Wallis per E-Mail an US-Behörden wandte. Das Fedpol betont auf Anfrage von blue News, dabei lediglich als Vermittler fungiert zu haben.
Der Anlass: Mark Epstein hatte sich am 2. Juni 2020 telefonisch aus New York bei der Kantonspolizei in Sion gemeldet und noch am selben Tag zwei E-Mails geschickt. Darin bot er Informationen an, die aus seiner Sicht darauf hindeuteten, dass das Verschwinden des deutschen Milliardärs Karl-Erivan Haub und der Tod seines Bruders Jeffrey Epstein miteinander in Zusammenhang stehen könnten.
Die Walliser Ermittler halten in den Akten fest, Mark Epstein sei bei eigenen Nachforschungen zum Tod seines Bruders angeblich auf ein Gespräch zwischen einer ihm unbekannten Person mit dem Alias «Mim Mim» und einem «Herrn Haub» gestossen. Bei Letzterem handle es sich um Christian Haub, den Bruder des Vermissten.

Ein Auszug aus der Originalakte zeigt, in welchen Abständen Mark Epstein sich an die Walliser Kantonspolizei wandte.
justice.gov
Mark Epstein stellte der Kantonspolizei einen Screenshot des LinkedIn-Profils von «Mim Mim» sowie Screenshots zweier Nachrichten dieser Person zur Verfügung. Darin wird ihm mit dem Tod seiner Kinder gedroht.
Weshalb es zu diesen Drohungen kam, ist unklar.

In den publizierten Epstein-Akten findet sich die Drohung von «Mim Mim» an Mark Epstein. Er schickte diesen Screenshot im Mai 2020 ans FBI.
justice.gov
Am 4. Juni 2020 nahm die Kantonspolizei erneut telefonisch Kontakt mit Mark Epstein auf. Laut Akten habe er dabei erklärt, sowohl sein Bruder Jeffrey Epstein als auch Karl-Erivan Haub könnten ermordet worden sein.
Diese Vermutung leite er aus dem Inhalt einer E-Mail von «Mim Mim» ab. Ob diese E-Mail den Walliser Behörden vorlag, ist nicht dokumentiert. Auch bleibt unklar, woher Mark Epstein diese Informationen hatte.
Die Kantonspolizei Wallis richtete drei konkrete Anfragen an die US-Behörden: So wollten die Beamten wissen, ob dort Berichte von Mark Epstein im Zusammenhang mit Karl-Erivan Haub vorliegen. Zudem wollen sie über mögliche Erkenntnisse über eine Verbindung zwischen Epstein und Haub informiert werden, die für die Schweizer Ermittlungen relevant sein könnten. Die dritte Frage lautet: «Wie würden Sie die von Mark Epstein bereitgestellten Informationen bewerten?»
Ob die Kantonspolizei Wallis oder das Fedpol je eine Antwort aus den USA erhielten, ist derzeit nicht bekannt. Das Fedpol verweist dazu auf die Kantonspolizei Wallis – eine entsprechende Anfrage von blue News blieb bislang unbeantwortet.
Neben der ungeklärten Frage, ob und wie die US-Behörden reagierten, lassen die drei Seiten in den Epstein-Akten weitere Punkte offen: etwa, ob die Kontaktaufnahme von Mark Epstein neue Ermittlungen zum Verschwinden von Karl-Erivan Haub auslöste. Oder weshalb Mark Epstein bei seinen Recherchen zum Tod seines Bruders auf den Namen Haub stiess.
Das Rätsel um das Verschwinden des deutschen Milliardärs in Zermatt bleibt damit vorerst ungelöst – doch die Epstein-Akten rücken den Fall in ein neues Licht.