RusslandMedwedew zweifelt Existenzberechtigung geeinten Deutschlands an
SDA
7.5.2026 - 16:42
Der stellvertretende Vorsitzende des russischen Sicherheitsrates und Chef der Partei «Einiges Russland», Dmitri Medwedew, hält seine Rede auf dem Allrussischen Forum «Kleine Heimat – Russlands Stärke» im Nationalen Zentrum «Russland» in Moskau. Foto: Ekaterina Shtukina/Pool Sputnik/AP/dpa
Keystone
Russlands Ex-Präsident Dmitri Medwedew hat Deutschland Militarismus und Revanchegelüste für die Niederlage im Zweiten Weltkrieg vorgeworfen und die Existenzberechtigung der Bundesrepublik Deutschland infrage gestellt.
Keystone-SDA
07.05.2026, 16:42
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Es habe nie ein Referendum über die Wiedervereinigung gegeben, daher sei sie rechtlich fragwürdig, führte er in einem langen Aufsatz beim Propagandasender RT aus. Der Artikel erschien zwei Tage, bevor am Samstag in Russland an den sowjetischen Sieg über Nazi-Deutschland 1945 erinnert wird.
Zudem habe Berlin mit der Eröffnung eines maritimen taktischen Hauptquartiers in Rostock gegen den Zwei-plus-Vier-Vertrag verstossen, schrieb Medwedew. Deshalb sei der Vertrag, der die deutsche Einheit regelt, ungültig, behauptete der als Vizechef des Sicherheitsrats immer noch einflussreiche Politiker.
Schon 2024 nach der Eröffnung des Marinestabs CTF Baltic hatte Moskau beklagt, dass Deutschland damit das Verbot einer Ausbreitung militärischer Nato-Infrastruktur nach Osten unterlaufe. Berlin hatte mit dem Argument gekontert, dass es sich um eine nationale Militäreinrichtung unter deutscher Führung handle, in dem auch Personal anderer Nationen arbeite. Medwedew sprach trotzdem von einer Verletzung des Zwei-plus-Vier-Vertrags. «Dies wiederum stellt die Legalität des modernen deutschen Staats infrage», schrieb er.
Einmal mehr ging Medwedew in dem mit Nazi-Vergleichen gespickten Text auch direkt den deutschen Kanzler Friedrich Merz an. Dessen Regierung warf er vor, die deutsche Wirtschaft in den Abgrund zu treiben. Merz erkenne offenbar nicht, dass die Aufrüstung kein Wachstum bringen werde, schrieb er – vor dem Hintergrund einer auch in Russland beispiellosen Aufrüstung, in der 40 Prozent der Haushaltseinnahmen in Verteidigungs- und Sicherheitsapparat fliessen.
Medwedew sieht Deutschland auf Atomwaffenkurs und droht
Zudem beschuldigte er Berlin, nach Atomwaffen zu streben. In dem Zusammenhang drohte er mit Krieg. Selbst die Gefahr, dass Deutschland Atomwaffen erwerbe, stelle bereits einen Kriegsgrund für den Kreml dar, machte er deutlich. Aber auch ein konventioneller Krieg ohne Atomwaffen werde für Deutschland mit der vollständigen Zerstörung enden, schrieb er.
Medwedew, der von 2008 bis 2012 im Kreml sass, galt zu seiner Amtszeit als Hoffnungsträger für eine Liberalisierung Russlands. Seit Beginn des von Kremlchef Wladimir Putin befohlenen Kriegs gegen die Ukraine 2022 profiliert er sich als Hardliner. Immer wieder fiel er mit Drohungen etwa zu Atomschlägen gegen westliche Hauptstädte wie Berlin, London und Paris auf.
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O-Ton Johann Wadephul, Aussenminister
«Die UN müssen jetzt ihrer Verantwortung gerecht werden, insbesondere der Sicherheitsrat. Kriege und Konflikte schwelen, und wir sehen zum Teil die Unfähigkeit von Staaten, effektive Konfliktlösungsmechanismen in Kraft zu setzen. Insbesondere der Konflikt um den Iran und die blockierte Strasse von Hummus wird ein Thema sein, zu dem ich auch das Wort ergreifen werde im Sicherheitsrat.»
Wadephul fordert, der UN-Sicherheitsrat müsse handlungsfähiger werden: Blockaden, auch durch China und Russland, dürften Lösungen nicht länger verhindern.
Deutschland hofft zudem auf ein UN-Mandat für eine mögliche Mission in der Strasse von Hormus, einer wichtigen Route für die weltweite Energieversorgung.
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