«Du kitzelst mein Gehirn»Mette-Marit stand Epstein näher als gedacht – und sie ist nicht die Einzige
Lea Oetiker
3.2.2026
Die norwegische Kronprinzessin Mette-Marit.
Britta Pedersen/dpa
In den neuen Epstein-Dokumenten erscheint auch ein Mailwechsel zwischen der norwegischen Kronprinzessin Mette-Marit und Jeffrey Epstein. Er deutet auf engere Kontakte hin. Doch sie ist nicht die einzige royale Figur in den Unterlagen.
Letzten Freitag veröffentlichte das US-Justizministerium die bisher umfangreichste Sammlung von Akten des Sexualstraftäters Jeffrey Epstein. Darin kommen viele Prominente Namen vor. Beispielsweise Unternehmer Elon Musk, Microsoft Gründer Bill Gates, WEF-Chef Børge Brende, Rapper Jay-Z und die norwegische Kronprinzessin Mette-Marit.
Mehrere hundertmal wird die 52-Jährige laut Medienberichten in den am Freitag veröffentlichten Dokumenten erwähnt. Vor allem der Mail-Verkehr, in dem es um einen Besuch auf Epsteins Anwesen in Palm Beach im US-Bundestaat in Florida im Jahr 2013 geht, sorgt für viel Aufsehen.
Der Palast bestätigte dem Sender NRK, dass Mette-Marit das Haus von Epstein über einen gemeinsamen Freund geliehen habe. Die Kronprinzessin habe dort vier Tage lang gemeinsam mit einer Freundin gewohnt, teilt die Sprecherin des norwegischen Königshauses mit. Während dieses Besuchs habe sie auch Epstein getroffen. Auf der Privatinsel – Little Saint James – des Multimillionärs habe sie sich jedoch nie aufgehalten.
«You tickle my brain»
Am Freitag wurden zudem Mails zwischen der Kronprinzessin und Epstein veröffentlicht. Am 1. November 2012 schrieb Mette-Marit Epstein: «You tickle my brain», deutsch: «Du kitzelst meinen Verstand.»
Ausschnitt aus dem Mailverlauf zwischen Mette-Marit und Epstein.
Screenshot U.S. Departement of Justice
In einer weiteren E-Mail, die ebenfalls im November 2012 verschickt wurde, fragte sie Epstein, ob es «unangemessen» sei, ihrem damals 15-jährigen Sohn als Handyhintergrund ein Bild von «zwei nackten Frauen mit einem Surfbrett» vorzuschlagen. Epstein erwiderte, der Sohn solle selbst entscheiden, «die Mutter sollte sich da heraushalten».
Hier schreibt Mette-Marit Epstein, ob es «unangemessen» sei, ihrem damals 15-jährigen Sohn als Handyhintergrund ein Bild von «zwei nackten Frauen mit einem Surfbrett» vorzuschlagen.
Screenshot U.S. Departement of Justice
Im selben Jahr schrieb Epstein an Mette-Marit, er befinde sich in Paris auf «wife hunt», also auf der Suche nach einer Frau. Die Kronprinzessin antwortete, Paris eigne sich «gut für Untreue», fügte jedoch hinzu, Skandinavierinnen seien «besseres Ehematerial».
Mette-Marit und Epstein über die Frauenjagd in Paris.
Screenshot U.S. Departement of Justice
In einer weiteren Nachricht bedankte sich Mette-Marit bei Epstein für Blumen, die er ihr geschickt hatte, und bezeichnete ihn dabei als, «such a sweetheart», deutsch: «So ein Schatz».
Regelmässiger Kontakt zwischen Epstein und Mette-Marit
Bereits vor Jahren wurde bekannt, dass Mette-Marit Kontakt zu Epstein hatte. Der norwegische Hof sagte damals, dass der Kontakt zwischen den beiden kurzzeitig und unproblematisch sei. 2013 soll er beendet worden sein. Im Jahr 2008 war Epstein in den USA wegen der Anstiftung zur Prostitution an Minderjährigen schuldig gesprochen worden.
Norwegische Medien berichten von einem über Jahre gepflegten Austausch, der weit über gelegentlichen Kontakt hinausging, wie die Zeitung «VG» schreibt.
In Norwegen stossen die Enthüllungen auch deshalb auf besonders scharfe Kritik, weil Mette-Marit im E-Mail-Verkehr selbst zu erkennen gab, dass ihr Epsteins zweifelhafter Ruf bewusst war. So schrieb sie ihm laut den veröffentlichten Nachrichten 2011: «Habe dich nach der letzten Mail gegoogelt. Stimme zu, es sah nicht allzu gut aus :)».
Noch am Freitagabend nach der Veröffentlichung der Akten entschuldigte sich die Kronprinzessin. Sie habe «Epsteins Hintergrund nicht besser geprüft», erklärte sie in einer Stellungnahme, die mehreren norwegischen Medien vorliegt. Sie habe ein «schlechtes Urteilsvermögen» bewiesen und bedauere, «überhaupt Kontakt zu Epstein gehabt zu haben». «Es ist einfach peinlich», heisst es weiter. Den Opfern des Sexualstraftäters sprach sie ihr «tiefes Mitgefühl» und ihre Solidarität aus.
Ferguson gratulierte Epstein zur Geburt eines «Baby Boy»
Mette-Marit ist allerdings nicht die einzige royale – oder einst royale – Persönlichkeit, deren Name im Zusammenhang mit Jeffrey Epstein fällt. Auch Ex-Prinz Andrew Mountbatten-Windsor und seine frühere Ehefrau Sarah Ferguson werden in den neu veröffentlichten Gerichtsdokumenten mehrfach erwähnt.
Zur Erinnerung: Andrew und Ferguson verloren nach dem Bekanntwerden ihrer Verbindungen zu Epstein nicht nur Ansehen, sondern auch ihre royalen Titel.
So gratulierte Sarah Ferguson Jeffrey Epstein kurz nach seiner Haftentlassung wegen der Anwerbung minderjährigen Mädchen angeblich zur Geburt eines «Baby Boy».
Im September 2011 schrieb die frühere Herzogin von York, sie sende «Liebe, Freundschaft und Glückwünsche». Dies, obwohl die beiden seit seiner Verurteilung eigentlich keinen Kontakt mehr miteinander hatten.
Sarah Ferguson gratuliert Epstein zu seinem «Baby Boy».
Screenshot
Die Existenz dieses mutmasslichen Sohnes – der heute etwa 14 Jahre alt wäre – ist nie bestätigt worden. Epstein hatte offiziell keine Kinder, obwohl sich nach seinem Tod zahlreiche Personen als mögliche Nachkommen meldeten.
Vulgärer Kommentar über die eigene Tochter
In den Akten befindet sich auch eine E-Mail aus dem März 2010, in der Ferguson einen vulgären Kommentar über ihre damals 19-jährige Tochter Eugenie geschrieben hat. Epstein habe Ferguson nach einem möglichen New-York-Trimp gefragt. Daraufhin antwortete sie: «Ich bin mir noch nicht sicher. Ich warte nur darauf, dass Eugenie von ihrem Sex-Wochenende zurückkommt!»
Die Mail aus dem Jahr 2010. Sarah Ferguson macht einen vulgären Kommentar über ihre jüngste Tochter.
Sarah Ferguson gratuliert Epstein zu seinem «Baby Boy».
Laut der Zeitschrift «The Mirror» soll Prinzessin Eugenie zu diesem Zeitpunkt mit ihrem damaligen Freund und heutigen Ehemann Jack Brooksband unterwegs gewesen sein.
In einer weiteren E-Mail aus dem Jahr 2010 hat sie Epstein angeblich geschrieben: «Heirate mich einfach.» Weiter soll sie laut «Daily Mail» erklärt haben: «Du bist eine Legende. Ich finde wirklich keine Worte, um meine Liebe und Dankbarkeit für deine Grosszügigkeit und Freundlichkeit zu beschreiben.»
Ex-Prinz Andrew taucht wieder in den Unterlagen auf
In den neu veröffentlichten Unterlagen taucht auch erneut Ex-Prinz Andrew Mountbatten-Windsor auf. Demnach soll er dem verurteilten Sexualstraftäter in den Jahren 2011 und 2012 Weihnachtskarten mit Fotos seiner beiden Töchter geschickt haben.
Sarah Ferguson und Ex-Prinz Andrew trennten sich 1992 und liessen sich 1996 scheiden. Der Ex-Prinz und seine Ex-Frau haben zwei gemeinsame Kinder, Eugenie und Beatrice. Die beiden haben sich bisher nicht öffentlich von ihren Eltern distanziert.
Wenige Tage nach der Veröffentlichung weiterer Epstein-Akten hat die Stiftung von Sarah Ferguson die Einstellung ihrer Tätigkeiten angekündigt. «Sarah's Trust» werde «auf absehbare Zeit» schliessen, sagte ein Sprecher britischen Medien. Die Entscheidung sei «seit einigen Monaten» diskutiert worden.