«Je suis Sarah!» Miss Finnland verliert Krone nach Rassismus-Eklat – rechte Politiker stellen sich hinter sie

Lea Oetiker

18.12.2025

Die amtierende Miss Finnland, Sarah Dzafce, ist ihren Titel und ihre Krone los.
Die amtierende Miss Finnland, Sarah Dzafce, ist ihren Titel und ihre Krone los.
Screenshot Instagram

Ein rassistisches Foto kostete Miss Finnland Sarah Dzafce Krone und Titel – und hat Finnland nun in eine hitzige Debatte über Rassismus, Meinungsfreiheit und politische Verantwortung gestürzt.

Lea Oetiker

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Miss Finnland Sarah Dzafce verlor ihren Titel, nachdem ein rassistisches Foto von ihr im Netz Empörung ausgelöst hatte.
  • Mehrere rechtspopulistische Politiker stellten sich mit ähnlichen Gesten demonstrativ hinter sie.
  • Der Vorfall sorgte in Finnland für eine breite Debatte über Rassismus und Verantwortung in der Öffentlichkeit.

Die amtierende Miss Finnland, Sarah Dzafce, ist ihren Titel und ihre Krone los. Auslöser war ein Foto, das Ende November im Internet viral ging. Darauf ist Dzafce zu sehen, wie sie ihre Augen mit den Fingern zu Schlitzen zieht – versehen mit der Bildunterschrift: «Lasst uns chinesisch essen gehen.»

Das Bild löste in den sozialen Medien heftige Kritik aus. Viele Nutzer warfen Dzafce vor, rassistische Stereotype zu bedienen. Anfangs reagierte die 24-Jährige jedoch nicht mit einer Entschuldigung, sondern mit Spott.

In einem Video in einem Flugzeug machte sie sich über ihre Kritiker lustig: «Die Bande schleudert mir Hass entgegen, während ich in der Businessclass der Finnair sitze.»

Gleichzeitig versuchte sie, den Vorfall zu erklären. Zum Zeitpunkt des Fotos habe sie unter starken Kopfschmerzen gelitten und sich lediglich die Schläfen massiert, sagte sie.

Als die Empörung im Netz weiter zunahm, zogen die Organisatoren des Schönheitswettbewerbs Konsequenzen: Auf einer Pressekonferenz verkündeten sie, Dzafce verliere ihren Titel.

Man dulde weder rassistische noch diskriminierende Äusserungen, hiess es in einem Statement. Den Platz als Miss Finnland übernahm schliesslich Tara Lehtonen, die ursprünglich den zweiten Platz belegt hatte.

Dzafce entschuldigte sich schliesslich öffentlich «zutiefst bei allen, die ich verletzt habe, insbesondere bei der asiatischen Gemeinschaft». 

Skandal vorbei? Ganz und gar nicht.

«Je suis Sarah!»

Drei Politiker*innen – Juho Eerola, Kaisa Garedew und Sebastian Tynkkynen – veröffentlichten Ende vergangener Woche Fotos von sich, auf denen sie ebenfalls die Augen verengen und Grimassen schneiden. Aus Solidarität mit Dzafce.

Eerola und Garedew sitzen für die rechtspopulistische Partei Wahre Finnen im Parlament, Tynkkynen ist Europaabgeordneter. Eerola schrieb zu seinem Grimassenfoto «Je suis Sarah!».

Parteichefin, Finanzministerin und Vizepremierministerin Riikka Purra stellte sich hinter die umstrittene Aktion. Ihre drei Parteikollegen hätten damit lediglich die Absurdität der laufenden Debatte verdeutlichen wollen, erklärte sie.

Ministerpräsident Petteri Orpo (Nationale Sammlungspartei) bezeichnete die Aktion hingegen als «dumm und schädlich für das Vaterland». Auch andere Parteien übten scharfe Kritik. Die Regierung reagierte mit einer gemeinsamen Erklärung, in der sich alle vier Koalitionsparteien zu einem respektvollen Umgang verpflichteten.

Juho Eerola entschuldigte sich später dafür, dass das Bild als rassistische interpretiert wurde: «In diesem Zusammenhang möchte ich mich bei allen Menschen asiatischer Herkunft entschuldigen, es war nie meine Absicht, sie zu beleidigen», sagte er dem Sender Yle.

«Internationale Krise»

Der Rassismus-Skandal sorgte auch in asiatischen Medien für grosses Aufsehen. Die Geschäftsführerin der Miss-Finnland-Organisation sprach von einer «internationalen Krise» und kündigte an, die Ausbildung der Kandidatinnen künftig stärker auf Themen wie Gleichberechtigung und gesellschaftliche Sensibilität auszurichten, um ähnliche Vorfälle in Zukunft zu verhindern.

Besonders brisant: Im 19. und frühen 20. Jahrhundert ordneten westeuropäische Rassentheoretiker die Finnen einer angeblich «mongolischen» Rasse zu und grenzten sie wegen vermeintlich «asiatischer» körperlicher Merkmale wie hoher Wangenknochen von den «eigentlichen» Europäern ab.