Während Komplett-Sperre des PassesMutmassliche Sabotage legt Bahnverkehr am Brenner teilweise lahm
SDA
30.5.2026 - 11:58
Die Brenner-Autobahn ist die verkehrsreichste Nord-Süd-Verbindung der Alpen. (Archivbild)
Peter Kneffel/dpa
Wegen einer Protestaktion ist der Brennerpass für den Transitverkehr gesperrt. Gleichzeitig sorgt mutmassliche Sabotage an einer Bahnstrecke bei Verona für massive Verspätungen.
Keystone-SDA
30.05.2026, 11:58
30.05.2026, 13:51
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Der Brennerpass ist wegen einer Protestaktion gegen den Transitverkehr vollständig gesperrt. Die Sperre betrifft die Autobahn und Nebenstrecken bis am Abend.
Zusätzlich wurde der Bahnverkehr durch einen mutmasslich vorsätzlichen Brand an einer Bahnanlage bei Verona stark gestört. Züge hatten teils fast zwei Stunden Verspätung, einzelne Verbindungen fielen aus.
Am Pass selbst ist die Stimmung ruhig und ungewohnt entspannt. Statt dichtem Verkehr prägen Radfahrer, freie Parkplätze und gut besuchte Cafés das Bild.
Die Komplett-Sperre des Brennerpasses für den Transitverkehr ist seit 11.00 Uhr in Kraft. Die Sperre dauert auf österreichischer Seite bis 19.00 Uhr, auf italienischer Seite bis 20.00 Uhr. Sie gilt für die Brenner-Autobahn und sämtliche Nebenstrecken. Anlass der Sperre ist eine Protestaktion auf der Brenner-Autobahn. Dort wollen Bewohner der Region gegen die Verkehrsflut demonstrieren. Die Behörden hatten Reisende im Vorfeld dazu aufgerufen, nach Möglichkeit auf Autofahrten zu verzichten und öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen.
Doch während der laufenden Sperre ist es im Bahnverkehr zu erheblichen Beeinträchtigungen gekommen. Nach Angaben der italienischen Bahngesellschaft Trenitalia wurde die Bahninfrastruktur in der Provinz Verona durch unbekannte Täter beschädigt.
Die Zugverbindungen auf der Nord-Süd-Achse durch die Alpen wurden dadurch massiv beeinträchtigt. Am frühen Samstag brach in der Nähe des Bahnhofs Domegliara nördlich von Verona ein Feuer aus. Nach Angaben des Bahnunternehmens handelt es sich jedoch um einen mutmasslich vorsätzlichen Eingriff, bei dem eine technische Anlage der Bahnstrecke in Brand geraten und beschädigt worden sei. Die Auswirkungen auf den Bahnverkehr entlang der transalpinen Verbindung waren erheblich, berichtete Trenitalia. Die Ermittlungen zu den Hintergründen des Vorfalls und zur Identität der mutmasslichen Täter laufen.
Sabotagen am italienischen Bahnnetz sind keine Seltenheit
Hochgeschwindigkeitszüge, Intercity- und Regionalzüge mussten teilweise erhebliche Verspätungen hinnehmen. Nach Angaben von Trenitalia waren Fahrzeitverlängerungen von bis zu fast zwei Stunden möglich. Regionalzüge konnten zudem verkürzt verkehren oder ganz ausfallen. Für einzelne Verbindungen wurden Ersatzbusse eingesetzt.
Sabotagen am italienischen Bahnnetz sind keine Seltenheit. Bereits am 7. Februar, am Tag nach der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele Mailand-Cortina, waren im Raum von Bologna Sabotageaktionen am Netz durchgeführt worden, was zu erheblichen Problemen im gesamten norditalienischen Bahnnetz geführt hatte. Dazu hatten sich anarchistische Gruppen bekannt.
Entspannte Stimmung am Pass
Am Pass ist die Stimmung währenddessen entspannt. Die Atmosphäre ist fast unwirklich. Dort, wo sonst Auto an Auto durch den Ort rollt, herrscht grosse Ruhe. Zu hören ist Musik aus den Bars.
Zsuzsanna Kornyik strahlt übers ganze Gesicht. Selten hat ihr die Arbeit so Spass gemacht. «Es ist sehr angenehm. Sonst muss ich oft lange warten, bis ich die Gäste auf der anderen Strassenseite bedienen kann», sagt die 48-Jährige, die seit 20 Jahren Lokale auf der Passhöhe betreibt. Normalerweise rauscht Auto an Auto an ihrem Café am Brenner vorbei.
An diesem Samstag ist alles anders. In der kleinen Gemeinde, die oft wegen ihres Einkaufszentrums angesteuert wird, gibt es viele freie Parkplätze. Und im Café sitzen fast ausschliesslich Radfahrer, die den 1370 Meter hohen Pass bewältigt haben und sich beim Cappuccino entspannen.
Die Autobahn ist während der Sperrung komplett leer.
Keystone
Mehrere Tausend Menschen haben sich zur Demonstration in Matrei versammelt. Die Teilnehmer der Veranstaltung brachten Schilder mit Slogans wie «Genug ist genug!» und «Ruhe im Tal!» mit.
«Es ist sensationell», sagte Protest-Initiator Karl Mühlsteiger zur Zahl der Demonstranten. «Das geht heute in die Geschichte Tirols ein», meinte Mühlsteiger, der Bürgermeister der nahen Gemeinde Gries am Brenner ist.
Auf manchen Schildern war auch Kritik an der verzögerten Planung der Bahn-Zulaufstrecke in Bayern zu sehen, die nach der Fertigstellung des Brennerbasistunnels für eine Entlastung der Autobahn sorgen soll.
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