Familie nach Stunden gerettetJetzt erklärt die Mutter, warum sie ihren Sohn (13) ins offene Meer schickte
Samuel Walder
4.2.2026
Der 13 Jahre alte Austin (rechts im Foto) schwamm rund vier Stunden, um seine Familie zu retten.
ABC/Australian Broadcasting Corp/AP/dpa
Ein 13-jähriger Junge hat vor der Küste Australiens seiner Familie das Leben gerettet. Jetzt schildert die Familie, wie sie die Horror-Stunden überlebten.
Vor der Küste Westaustraliens geriet eine Mutter mit ihren drei Kindern in Seenot, worauf sie ihren 13-jährigen Sohn aufforderte, allein mehrere Kilometer durch das Meer zu schwimmen, um Hilfe zu holen.
Der Junge erreichte erschöpft das Ufer, alarmierte die Rettungskräfte und ermöglichte so eine schnelle Suchaktion mit Booten und Hubschrauber.
Dank seines Einsatzes konnten Mutter und Geschwister gerettet werden, weshalb Polizei und Familie von einer aussergewöhnlichen Heldentat sprechen.
Jetzt schildert Mutter Joanne Appelbee, warum sie ihren Sohn aufforderte, ans Ufer zu schwimmen und Hilfe zu holen. «Eine der härtesten Entscheidungen, die ich je treffen musste, war, zu Austin zu sagen: Versuch, ans Ufer zu kommen und Hilfe zu holen», sagte sie gegenüber News7. In dem Moment habe sie gespürt, wie rasch die Situation eskalieren konnte: «Das könnte wirklich ernst werden – sehr schnell.»
Starke Winde hatten am Freitag ihre Kajaks und aufblasbaren Paddleboards immer weiter hinausgezogen. Als die Lage eskalierte, befanden sich Joanne Appelbee und ihre drei Kinder rund 14 Kilometer vor der Küste bei Quindalup, etwa 250 Kilometer südlich von Perth.
«Eine der schwierigsten Entscheidungen meines Lebens»
Sie beschreibt, wie sie die Gefahr sah, während Wind und Wellen stärker wurden: «Ich konnte die Gefahr darin sehen, dass wir immer weiter hinausgezogen werden. Die Wellen kamen ständig und wurden stärker.» Für sie sei das Warten draussen «ziemlich furchteinflössend» gewesen. Dazu kam ein Detail, das alles noch schlimmer machte: «Ich habe meine Brille verloren – ich konnte definitiv nicht mehr viel sehen – und ich wusste, wir waren extrem weit draussen.»
Sie selbst habe keine Sekunde daran gezweifelt, dass ihr Sohn die Rettung vollenden könne. «Ich wusste, er schafft das», sagte sie.
Zusammenbruch am Strand – dann der nächste Kraftakt
Austin schaffte es tatsächlich an Land. Dort musste er weitere zwei Kilometer rennen, um ein Telefon zu finden und die Behörden zu alarmieren.
«Ich sagte mir immer wieder: ‹Einfach weiter schwimmen, einfach weiter schwimmen›», erzählte Austin später Sky News. «Ich sagte nur: ‹Nicht heute, nicht heute.› Ich bin Brust geschwommen, Freistil, Rücken. Ich schlug am Strand an und brach einfach zusammen.»
Präzise Angaben retten Leben
Dank Austins genauer Beschreibungen der Kajaks und Paddelboards konnten die Rettungskräfte schnell reagieren. Um 20.30 Uhr startete eine gross angelegte Suchaktion: WA Water Police, freiwillige Seenotretter und ein Rettungshubschrauber waren im Einsatz.
Innerhalb von weniger als einer Stunde wurden Joanne Appelbee, ihr 12-jähriger Sohn und ihre achtjährige Tochter gefunden und von einem Rettungsboot an Land geschleppt.
Als die Familie später gerettet und wieder an Land war, blieb bei ihr vor allem Staunen – und Erleichterung: «Es gibt kein grösseres Wort als ‹stolz›. … Ich bin sprachlos über seine Leistung.» Austin habe nicht nur durchgehalten, sondern auch danach funktioniert: Er habe, so wird berichtet, nach dem Erreichen des Strandes noch einen weiteren Weg zurückgelegt, um Hilfe zu organisieren.
Auch die Polizei fand deutliche Worte. James Bradley, Polizeikommissar der South West Police, lobte den Jungen ausdrücklich: «Das Verhalten des 13-jährigen Jungen kann nicht hoch genug gelobt werden. Seine Entschlossenheit und sein Mut retteten letztendlich das Leben seiner Mutter und seiner Geschwister.»