Ohrfeige für Macron: Angreifer soll 18 Monate in Haft

SDA

10.6.2021 - 16:57

Macron kassiert Ohrfeige

Macron kassiert Ohrfeige

Damit dürfte er nicht gerechnet haben. Bei einem Besuch in Südfrankreich wollte der französische Staatspräsident Emmanuel Macron Hände wartender Anwohner schütteln als er eine Ohrfeige kassierte. Auf dem Video eines französischen Senders ist zu hören, wie jemand «Nieder mit der Macronie» ruft – ein Slogan mit Bezug zu Zeiten der französischen Monarchie. Macrons Sicherheitspersonal geht gegen den Mann vor und zieht den Präsidenten zur Seite. Sekunden später kehrt Macron zur Absperrung zurück, um weiter Hände zu schütteln. Nach Angaben der Polizei wurden zwei Männer festgenommen. Das Motiv des Angreifers war zunächst unklar. Der französische Regierungschef Jean Castex verurteilte die Ohrfeige während einer Rede in der französischen Nationalversammlung als Angriff auf die Demokratie. Der Vorfall ereignete sich und 80 Kilometer südlich von Lyon. Dort war Macron mit Restaurantbetreibern und Auszubildenden zusammengekommen, um über eine Rückkehr zur Normalität nach der Covid-19-Pandemie zu sprechen.

10.06.2021

Nach der Ohrfeige für Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat die Staatsanwaltschaft laut Medienberichten 18 Monate Haft für den Täter gefordert.

SDA

10.6.2021 - 16:57

Es solle zudem erwogen werden, dem 28-Jährigen auch zu verbieten, ein öffentliches Amt zu bekleiden, zitierte der TV-Sender BFM TV die Staatsanwaltschaft aus dem Gerichtssaal in Valence.

Damien T. hatte den 43 Jahre alten Präsidenten am Dienstag bei einem Besuch in Tain-l'Hermitage geohrfeigt, wie Videos zeigen. Der Vorfall hatte landesweit für Entsetzen gesorgt. Der 28-Jährige bestritt die Tat vor Gericht nicht. Er sagte laut dem TV-Sender, Macron stehe für den Niedergang Frankreichs. Vorher habe er auch überlegt, ein Ei oder eine Torte zu werfen.

Macron äusserte sich am Donnerstag in einem TV-Interview zu dem Vorfall. Er betonte erneut, dass es sich um eine «isolierte Tat» gehandelt habe, die nichts Tieferes aussage. Wirklich schlimm hingegen sei zum Beispiel die Gewalt gegen Frauen im Land. Gleichzeitig erklärte er, dass es «Momente sehr hoher Spannungen in unserem Land» gegeben habe – etwa während der «Gelbwesten»-Proteste. Er stellte auch einen Zusammenhang mit dem Hass in sozialen Netzwerken her – dieser werde normalisiert, man gewöhne sich daran.

Rund ein Jahr vor den Wahlen ist die politische Stimmung im Land aufgeheizt. Ende Juni finden ausserdem die Regionalwahlen statt. Mit einer Art «Tour de France» will der 43-jährige Präsident diesen Sommer durchs Land reisen, um Kontakt zu den Menschen zu knüpfen. Dazu zählte auch der Besuch in Tain-l'Hermitage.