Düstere Prognose «Unsere Welt bricht auseinander», warnt der Schweizer Nato-Botschafter

Gregoire Galley

25.3.2026

Jacques Pitteloud zeichnete ein düsteres Bild der geopolitischen Weltlage.
Jacques Pitteloud zeichnete ein düsteres Bild der geopolitischen Weltlage.
ats

Mit drastischen Worten warnt der Schweizer Nato-Botschafter Jacques Pitteloud vor einer geopolitischen Zeitenwende. Die internationale Ordnung, wie sie seit 1945 bestand, sei im Begriff zu zerbrechen.

Gregoire Galley

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  • Der Schweizer Nato-Botschafter Jacques Pitteloud warnt, dass die globale Ordnung seit dem Zweiten Weltkrieg zunehmend zerfällt.
  • Er sieht mehrere gleichzeitige Krisen, darunter Konflikte zwischen Atommächten, demografische Spannungen und den Einfluss autoritärer Systeme.
  • Europa habe seine Sicherheit über Jahrzehnte an die USA delegiert und stehe nun vor der Herausforderung, eigenständiger zu werden.

Der Schweizer Botschafter bei der Nato, Jacques Pitteloud, hat bei einem Auftritt an der Universität Lausanne ein düsteres Bild der aktuellen Weltlage gezeichnet. Bei einer Veranstaltung der «Fondation Jean Monnet pour l’Europe» am 18. März eröffnete er seinen Vortrag mit ungewöhnlich deutlichen Worten: «Ich werde Ihnen den Appetit verderben.»

Pitteloud warnte vor einer historischen Zäsur. Mehrere Konflikte würden derzeit gleichzeitig eskalieren – darunter solche, an denen Atommächte beteiligt seien. Neben Russland und den USA nannte er auch Israel und Pakistan. Für ihn ist klar: Die internationale Ordnung, die seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs Bestand hatte, gerät zunehmend ins Wanken.

Zur Erklärung der aktuellen Dynamik griff der Diplomat zu einem Bild aus der Geologie. Die geopolitischen Spannungen ähnelten tektonischen Platten, die sich über Jahre hinweg verschoben hätten und nun in Form eines «Erdbebens» aufeinandertreffen.

«Wir erleben eine Rückkehr zur Politik der Härte»

Als Ursachen nennt Pitteloud mehrere grundlegende Entwicklungen. Dazu gehören demografische Verschiebungen, bei denen einige Länder mit stark sinkenden Geburtenraten konfrontiert sind, während andere ein starkes Bevölkerungswachstum erleben. Diese Ungleichgewichte könnten laut ihm zu neuen, schwer kontrollierbaren Migrationsbewegungen führen.

Hinzu kommen die Folgen des Klimawandels, der zunehmende Einfluss autoritärer Systeme sowie technologische Entwicklungen, die sowohl Chancen als auch Risiken bergen.

«Europa hat seine Sicherheit 60 Jahre lang an die USA delegiert.»

Jacques Pitteloud

Leiter der Schweizer Mission bei der NATO

Besonders kritisch sieht Pitteloud die Rolle Europas. «Wir erleben eine Rückkehr zur Politik der Härte», sagte er. Europa und auch die Schweiz hätten lange geglaubt, dass sich die Welt nach den Erfahrungen des Zweiten Weltkriegs dauerhaft stabilisiert habe. Doch nun setze sich wieder das Recht des Stärkeren durch.

Gleichzeitig habe Europa seine Sicherheit über Jahrzehnte an die Vereinigten Staaten ausgelagert. Eine eigenständige europäische Verteidigung sei deshalb nur schwer umsetzbar, da zentrale militärische Fähigkeiten – insbesondere im Bereich der Nachrichtendienste – weiterhin stark von den USA abhängig seien.

Trotz der düsteren Analyse sieht Pitteloud auch Handlungsmöglichkeiten. Europa müsse seine Innovationskraft stärken, insbesondere im Bereich erneuerbarer Energien. Zudem brauche es mehr Zusammenarbeit zwischen den Staaten sowie strukturelle Reformen innerhalb der Europäischen Union.

Ob die europäischen Regierungen den politischen Willen für solche Veränderungen aufbringen, bleibt laut Pitteloud offen. Klar sei jedoch: Der Druck wachse – und die Zeit dränge.


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