PolitikNeue Angriffe im Iran-Krieg – Bemühungen um Deeskalation
SDA
29.3.2026 - 17:33
dpatopbilder - Ein Ersthelfer inspiziert die beschädigte Struktur eines Wohnhauses in Teheran. Foto: Vahid Salemi/AP/dpa
Keystone
Vier Wochen nach Kriegsbeginn setzen Israel und der Iran ihre heftigen gegenseitigen Angriffe fort. Die iranische Nachrichtenagentur Fars berichtete, Raketen seien in einem Wohngebiet südlich von Teheran eingeschlagen, dabei seien zehn Menschen ums Leben gekommen. Das israelische Militär bestätigte Angriffe in der iranischen Hauptstadt sowie anderen Gebieten in dem Land. Ziel sei Infrastruktur des iranischen Machtapparats gewesen, darunter Produktionsstätten von Raketen und Drohnen, hiess es.
Keystone-SDA
29.03.2026, 17:33
29.03.2026, 22:11
SDA
Das in den USA ansässigen Menschenrechtsnetzwerks HRANA schrieb, die Angriffe der vergangenen Tage auf den Iran seien die stärksten seit Kriegsbeginn gewesen.
Huthi mit in den Krieg eingetreten
Der Iran setzte derweil seine Raketenangriffe auf Israel fort. Ein Angriff galt nach Medienberichten der Wüstenstadt Dimona, die in der Nähe des israelischen Atomreaktors liegt. In dem Ort hatte es bei einem Angriff vor einer Woche Dutzende Verletzte und verheerende Zerstörungen in einem Wohngebiet gegeben. Auch im Grossraum Tel Aviv sowie in Jerusalem gab es Raketenalarm. Auf Israels Norden flogen neben Raketen aus dem Iran erneut auch Geschosse aus dem Libanon.
Zudem hatten die Huthi-Miliz im Jemen Israel nach ihrem Eintritt in den Krieg an der Seite Teherans am Samstag innerhalb kurzer Zeit zweimal angegriffen – mit insgesamt drei Raketen und einer Drohne.
Pakistan bemüht sich um Deeskalation
Derweil kamen auf Einladung Pakistans die Aussenminister Saudi-Arabiens, Ägyptens und der Türkei zu zweitägigen Gesprächen nach Islamabad. Sie sprachen am Sonntag über eine mögliche Deeskalation des Krieges. Pakistan teilt sich eine rund 900 Kilometer lange Grenze mit dem Iran und hat sich seit der Ausweitung des Krieges auf die Golfstaaten als Vermittler für eine mögliche Beendigung des Krieges angeboten.
Die Aussenminister sollten auch Pakistans Premierminister Shehbaz Sharif treffen. Dieser hatte nach eigenen Angaben in einem Telefonat mit Irans Präsidenten Massud Peseschkian «Pakistans starke Verurteilung der anhaltenden Angriffe Israels auf den Iran» bekräftigt. Zudem habe er ihn über Pakistans Bemühungen informiert, mit den USA, befreundeten Golfstaaten und weiteren islamischen Ländern einen Dialog und eine Deeskalation zu erleichtern. So tauscht Islamabad Botschaften zwischen den USA und dem Iran aus.
Bald Gespräche in Islamabad?
Der pakistanische Aussenminister, Ishaq Dar, teilte am Sonntagabend nach dem Treffen der Aussenminister mit: «Pakistan wird es als Ehre empfinden, in den kommenden Tagen bedeutsame Gespräche zwischen den beiden Seiten auszurichten und zu ermöglichen, um eine umfassende und dauerhafte Beilegung des andauernden Konflikts zu erreichen.»
Pakistan sei sehr erfreut darüber, dass sowohl der Iran als auch die USA ihr Vertrauen in Pakistan als Vermittler bei diesen Gesprächen zum Ausdruck gebracht hätten. Auch China unterstütze uneingeschränkt Pakistans Initiative, Gespräche zwischen dem Iran und den USA zu veranstalten, hiess es weiter.
Nach Aussagen von Bundesaussenminister Johann Wadephul gibt es Vorbereitungen für ein direktes Treffen zwischen Vertretern der USA und Irans. Auch Wadephul nannte im Deutschlandfunk Pakistan als möglichen Ort für die Gespräche. Er sprach von «ersten Zeichen der Hoffnung, der Zuversicht».
Iran lässt pakistanische Schiffe durch Strasse von Hormus
Der Iran lockerte für pakistanische Schiffe seine Blockade der für die Energieversorgung wichtigen Strasse von Hormus. Der Schritt wurde von Beobachtern als vertrauensbildende Massnahme im Rahmen der Vermittlungen zur Deeskalation im Nahen Osten gesehen. Seit Beginn der israelischen und US-amerikanischen Angriffe auf das Land vor vier Wochen blockiert der Iran die Meerenge, über die grosse Teile des Öl- und Gastransports laufen. Die Preise für diese Energieträger sind in der Folge stark gestiegen.
Weitere US-Marines im Nahen Osten – Pläne für Bodenoffensive
Die Ankunft weiterer US-Marinekräfte mit dem amphibischen Angriffsschiff «USS Tripoli» im Nahen Osten hatte Spekulationen über einen zeitnahen Bodeneinsatz angefacht. US-Aussenminister Marco Rubio sagte nach den jüngsten G7-Gesprächen zwar, die eigenen Kriegsziele könnten ohne Bodentruppen erreicht werden. Kategorisch ausschliessen wollte er deren Einsatz aber nicht.
US-Medienberichten zufolge hat das US-Militär bereits Pläne für einen möglichen Einsatz am Boden vorbereitet. Er soll kombinierte Einsätze von Truppen der regulären Infanterie und Spezialeinheiten vorsehen, jedoch nicht als vollständige Invasion angelegt sein, wie die «Washington Post» unter Berufung auf US-Beamte berichtete. Für einen solchen Einsatz wären demnach mehrere Wochen eingeplant. Ob US-Präsident Donald Trump vorhat, die Pläne abzusegnen, war unklar.
Das israelische Militär will nach Darstellung eines Sprechers die iranische Waffenproduktion «in wenigen Tagen» weitgehend zerstört haben. Die Streitkräfte würden in diesem Zeitraum «die Angriffe auf alle wichtigen Komponenten der (iranischen) Militärindustrie abschliessen», sagte Armeesprecher Effie Defrin am Samstagabend. «Das bedeutet, dass wir den Grossteil der militärischen Produktionskapazitäten zerstören haben werden.»
Erneut Angriffe auf Golfstaaten
Unterdessen dauern die iranischen Gegenangriffe auch in anderen Ländern der Region an. Mehrere Golfstaaten meldeten erneut Schäden, darunter nach Angriffen auf ein Metallwerk in Abu Dhabi, bei dem es nach offiziellen Angaben auch mehrere Verletzte gab. Auch Katar, Kuwait und Saudi-Arabien meldeten neue Angriffe. In Kuwait zielten einige davon nach offiziellen Angaben auf das Umfeld des internationalen Flughafens und verursachten erhebliche Schäden am Radarsystem.
Johann Wadephul: UN muss Verantwortung im Iran-Krieg übernehmen
Berlin, 27.04.2026: Krisendiplomatie in New York: Aussenminister Johann Wadephul fordert mehr Einsatz vom UN-Sicherheitsrat im Iran-Konflikt.
O-Ton Johann Wadephul, Aussenminister
«Die UN müssen jetzt ihrer Verantwortung gerecht werden, insbesondere der Sicherheitsrat. Kriege und Konflikte schwelen, und wir sehen zum Teil die Unfähigkeit von Staaten, effektive Konfliktlösungsmechanismen in Kraft zu setzen. Insbesondere der Konflikt um den Iran und die blockierte Strasse von Hummus wird ein Thema sein, zu dem ich auch das Wort ergreifen werde im Sicherheitsrat.»
Wadephul fordert, der UN-Sicherheitsrat müsse handlungsfähiger werden: Blockaden, auch durch China und Russland, dürften Lösungen nicht länger verhindern.
Deutschland hofft zudem auf ein UN-Mandat für eine mögliche Mission in der Strasse von Hormus, einer wichtigen Route für die weltweite Energieversorgung.
In New York plant Wadephul Gespräche mit UN-Generalsekretär António Guterres sowie weiteren ranghohen UN-Vertretern und Amtskollegen. Dabei soll es auch um die Zukunft der Vereinten Nationen gehen.
28.04.2026
Einsatz im Mittelmeer: Minenjagdboot wird bald wegen Iran-Krieg verlegt
Das deutsche Minenjagdboot «Fulda» soll schon bald aufbrechen – Verteidigungsminister Boris Pistorius will, dass es schnell geht, sollte demnächst ein Einsatz zur Sicherung der Strasse von Hormus anstehen. Pistorius betont, Voraussetzung für einen Einsatz sei zuallererst ein Ende der Kampfhandlungen im Krieg der USA und Israels mit dem Iran. Zudem erinnert er daran, dass ein solcher Einsatz nur mit einem Mandat des Bundestags möglich sei.
27.04.2026
Pete Hegseths «Pulp Fiction»-Gebet
Verteidigungsminister Pete Hegseth zitiert am 16. April auf einer Pressekonferenz in Washington ein abgewandeltes Gebet, das bei der Rettung der US-Piloten im Iran gesprochen worden sei.
«Sie nennen es CSAR [Combat Search and Rescue] 25:17, was meiner Meinung nach Hesekiel 25:17 reflektieren soll», sagt er und betet drauflos. Hegseth zitiert ein abgewandeltes Gebet, das bei der Rettung der US-Piloten im Iran gesprochen worden sei. «Sie nennen es CSAR [Combat Search and Rescue] 25:17, was meiner Meinung nach Hesekiel 25:17 reflektieren soll», sagt er und betet drauflos.
Im Video siehst du jedoch, dass es sich um ein abgewandeltes Zitat aus dem Kultfilm «Pulp Fiction» von 1994 handelt, das nur an den Bibelvers angelehnt ist.
17.04.2026
Johann Wadephul: UN muss Verantwortung im Iran-Krieg übernehmen
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