Neueste Personalie im Weissen Haus bringt Pentagon-Chef in Bedrängnis

Robert Burns, AP

28.3.2018

James Mattis steht selten im Rampenlicht. Wohl auch deswegen kommt der US-Verteidigungsminister bisher recht gut mit Donald Trump zurecht. Mit der Ernennung des Hardliners John Bolton zum Nationalen Sicherheitsberater könnte sich das aber bald ändern.

Aus dem Weissen Haus könnten bald Vorschläge kommen, die dem Pentagon überhaupt nicht gefallen. Grund dafür ist John Bolton, der ab dem 9. April zum engsten Machtzirkel in Washington gehören wird.
Der neue Nationale Sicherheitsberater hat sich etwa öffentlich für eine militärische Lösung im Konflikt mit Nordkorea ausgesprochen.

Auch gegenüber dem Iran fordert er einen weit härteren Kurs. Verteidigungsminister James Mattis weiss als ehemaliger General nur zu gut, was das für die amerikanischen Soldaten bedeuten würde.

Mattis gilt als einer von denen, die einen mässigenden Einfluss auf Donald Trump haben. Und obwohl er dem oft impulsiven US-Präsidenten gelegentlich widerspricht, gilt das Verhältnis der beiden als gut. Ob das so bleibt, ist allerdings fraglich. Denn falls sich Trump in Fragen von Krieg und Frieden künftig von Bolton leiten lassen sollte, müsste Mattis ihm deutlich entschlossener widersprechen – und das ist schon anderen zum Verhängnis geworden.

«Jetzt sollte man sich wohl besser anschnallen»

Auch mit Boltons Vorgänger, dem eher moderaten Herbert Raymond McMaster, hatte Mattis mitunter Meinungsverschiedenheiten. Meist war die Zusammenarbeit aber konstruktiv. Durch dessen Rauswurf, in Kombination mit der Entlassung von Aussenminister Rex Tillerson sowie dem derzeit ungewissen Status von Trumps Stabschef John Kelly, gehen Mattis nun allmählich die Ansprechpartner aus. Mit seinen vergleichsweise gemässigten Positionen steht er in der Trump-Regierung zunehmend alleine da.

Gerade mit Bolton hat Mattis politisch nur sehr wenig gemeinsam. Besonders deutlich zeigt sich dies am Beispiel Nordkorea. Der Verteidigungsminister hat gewarnt, dass ein militärischer Angriff «katastrophal» enden werde. Entsprechend tritt er im Streit um das Atomprogramm des asiatischen Landes klar für eine diplomatische Lösung ein.

Zuletzt schien auch Trump auf Dialog setzen zu wollen: Nach monatelangen verbalen Attacken in Richtung Pjöngjang kündigte er Anfang März überraschend ein persönliches Treffen mit dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Un an.

Nun ist nicht auszuschliessen, dass sich der US-Präsident von Bolton zu einer erneuten Kehrtwende hinreissen lässt. «Jetzt sollte man sich wohl besser anschnallen», sagte der ehemalige Marineadmiral James Stavridis, der heute die Fletcher School of Law and Diplomacy an der Tufts University bei Boston leitet, dem Sender MSNBC. «Den Streitkräften kann ich nur raten: Schärft eure Schwerter.» Bolton sei jemand, der nur zu gerne auf die militärische Option zurückgreife.

James Mattis gilt als einer von denen, die einen mässigenden Einfluss auf Donald Trump haben. 
Bild: Jacquelyn Martin/AP/dpa

«Washington-D.C.-Story»

Bisher sind bei Mattis trotz allem keine Anzeichen von Unruhe zu erkennen. Aus Kreisen seiner engsten Mitarbeiter heisst es, dass er wie gehabt mit grossem Engagement seiner Arbeit nachgehe. Einige spekulieren sogar, dass er von dem aktuellen Personalkarussell am Ende profitieren könnte. Schliesslich habe er mit dem aktuellen CIA-Direktor Mike Pompeo bald im Aussenministerium einen Partner, der nicht ständig mit Trump im Clinch liegen werde.

Öffentlich äussert sich Mattis kaum zu den Personalentscheidungen des Präsidenten. Als Tillerson gefeuert wurde, war der Verteidigungsminister gerade in Afghanistan. Als er einige Tage später von Reportern darauf angesprochen wurde, sagte er, dass er nicht ins Detail gehen wolle, dass er es aber für übertrieben halte, welch grosse Bedeutung der Sache beigemessen werde.

In seinen Gesprächen mit Vertretern anderer Regierungen oder mit amerikanischen Soldaten im Ausland sei das Thema nicht ein einziges Mal zur Sprache gekommen. «Ich verstehe, warum Sie fragen», betonte Mattis, aber «in den meisten Teilen der Welt gilt dies als reine 'Washington-D.C.-Story'».

Zu den beliebten «Washington-D.C.-Storys» zählt seit einiger Zeit auch, wie es Mattis als einer der wenigen schafft, trotz oft unterschiedlicher Meinungen relativ gut mit Trump zusammenzuarbeiten. Die Strategie des Verteidigungsministers scheint einfach – egal ob es um das Atomabkommen mit dem Iran oder den Ausschluss von Transgendern aus dem Militärdienst geht: Er meidet das Rampenlicht und damit auch die Probleme; je weniger er öffentlich sagt, desto weniger kann er es sich mit Trump verscherzen.

Der Trump-Bändiger

Teil seines Erfolgs sei definitiv, dass er nicht oft im Mittelpunkt stehe, sagt Loren Dejonge Schulman, die unter Barack Obama im Weissen Haus und im Pentagon wichtige Positionen im Bereich der nationalen Sicherheit innehatte und heute für das Forschungsinstitut Center for a New American Security arbeitet. «Das mag ihm einerseits zwar Ärger mit dem Weissen Haus ersparen. Andererseits wird damit aber ein sehr bedenklicher Präzedenzfall bezüglich der Transparenz des Pentagons geschaffen.»

Trump und Mattis gehen regelmässig gemeinsam essen. Gegenüber externen Beratern spricht der Präsident in höchsten Tönen von seinem Verteidigungsminister. Aus Kreisen des Weissen Hauses heisst es, dass Trump manchmal Anekdoten aus der Militärgeschichte wiederhole, die er von Mattis gehört habe.

Im Unterschied zu vielen anderen scheint der Ex-General also eine Art gefunden zu haben, seinen dünnhäutigen Boss zu bändigen. Ob ihm dies auch weiterhin gelingt, dürfte ganz wesentlich über seine berufliche Perspektive entscheiden.

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