TickerTicker zur Lage im Nahen Osten
Neue US-Angriffe – erstmals wieder Explosionen in Teheran
Seit Oktober 2023 schwelen im Nahen Osten die Konflikte wieder auf. Im Februar 2026 eskalierte der Iran-Konflikt erneut, die Lage verschärfte sich zusätzlich. Alle Updates im Ticker.
Das Wichtigste im Überblick
- Israel und die USA griffen den Iran am 28. Februar an und lösten damit einen regionalen Krieg aus.
- Nach der Tötung von Ajatollah Ali Chamenei übernahm dessen Sohn Modschtaba Chamenei die Nachfolge als Oberhaupt der Islamischen Republik.
- Trotz internationaler Vermittlungsversuche ist derzeit keine politische Lösung in Sicht.
- Donald Trump Donald Trump hat die Begründung für den Waffengang mehrmals geändert.
Weitere Hinrichtung nach Protesten im Iran
Im Iran ist im Zuge einer Hinrichtungswelle abermals ein Mann im Zusammenhang mit den Protesten vom Januar exekutiert worden. Dem Mann sei zur Last gelegt worden, bei den Massenprotesten Anfang des Jahres an einem bewaffneten Aufstand beteiligt gewesen zu sein, berichtete die mit der Justiz verbundene Nachrichtenagentur Misan. Wann das Todesurteil genau vollstreckt wurde, ging aus dem Bericht nicht hervor.
Die letzten Hinrichtungen im Zusammenhang mit den Protesten erfolgten offiziellen Angaben nach am Sonntag. Die iranische Justiz hat bis heute mindestens 25 Männer im Kontext der Proteste und Unruhen hingerichtet.
Die Demonstrationen im Winter waren Ende Dezember angesichts der Wirtschaftskrise im Land ausgebrochen und entwickelten sich rasch zu Massenprotesten gegen die autoritäre Führung. Der Staat liess sie gewaltsam niederschlagen. Tausende Demonstranten wurden dabei getötet.
Menschenrechtsgruppen kritisieren seit Jahren die rigorose Anwendung der Todesstrafe im Iran und werfen den Behörden vor, Hinrichtungen auch zur Einschüchterung einzusetzen. Amnesty International zufolge wurden im vergangenen Jahr mindestens 2.159 Menschen im Iran hingerichtet – der höchste verzeichnete Wert seit 1981. Auch im Kontext des Iran-Kriegs wurden Todesurteile gegen mutmassliche Spione und politische Gefangene vollstreckt.
USA beenden nächtliche Angriffswelle gegen Iran
Das US-Militär hat nach eigenen Angaben erneut militärische Ziele im Iran angegriffen. Damit sollten die Möglichkeiten des Landes geschwächt werden, Handelsschiffe in der für den Ölhandel wichtigen Strasse von Hormus anzugreifen, teilte das für die Region zuständige US-Kommando Centcom auf der Plattform X mit. Es ist die elfte Nacht in Folge, in der die USA die Islamische Republik angriffen.
Nach gut einer Stunde gab Centcom dann bekannt, dass die Angriffswelle beendet sei. Zu den Zielen zählten demnach unter anderem militärische Einsatzzentralen, Drohnenlager und Flugzeughangars.
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Neue US-Angriffe – erstmals wieder Explosionen in Teheran
Erstmals seit Beginn der jüngsten Eskalation im Iran-Krieg ist in der Hauptstadt Teheran wieder die Flugabwehr aktiviert worden. Im Nordosten der Millionenmetropole waren in der Nacht dumpfe Detonationen zu hören, wie ein dpa-Reporter berichtete. Parallel zu den Explosionen in Teheran informierte das US-Militär über eine neue Welle von Angriffen auf militärische Ziele im Iran.
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Auch iranische Staatsmedien berichteten über Flugabwehrfeuer in verschiedenen Bezirken der Stadt, in der rund 15 Millionen Menschen leben. Kurz darauf herrschte wieder Ruhe – und das US-Militär gab das Ende seiner Angriffswelle bekannt.
Mit den Attacken sollten die Möglichkeiten des Irans geschwächt werden, Handelsschiffe in der für den globalen Ölhandel wichtigen Strasse von Hormus anzugreifen, teilte das für die Region zuständige US-Kommando Centcom auf der Plattform X mit. Zu den Zielen der gut einstündigen Angriffswelle gehörten demnach militärische Kommandozentren, die iranische Marine und Standorte der Luftwaffe. Es war die elfte Nacht in Folge, in der die USA die Islamische Republik angriffen.
US-Präsident Donald Trump hatte dem Iran Stunden zuvor mit weiteren Angriffen gedroht und dabei konkret ein Areal rund um eine Anlage genannt, die als «Pickaxe Mountain» bekannt ist. «Wir werden diesen Bereich in Kürze ins Visier nehmen, und zwar mit voller Wucht», sagte er am Dienstag im Weissen Haus. Bereits zuvor hatte der Republikaner eine Attacke auf den Komplex angedroht, der in einem Berg südlich der Nuklearanlage Natans im Zentraliran verborgen ist. Trump betonte zudem, dass das US-Militär jede Anlage ins Visier nehmen werde, die die Führung in Teheran für atomare Zwecke nutzen wolle.

Ein Satellitenbild zeigt Fahrzeuge am westlichen Tunneleingang von «Pickaxe Mountain», dem stark befestigten Tunnelsystem im Berg Kuh-e Kolang rund um die iranischen Atomanlagen. (21. Juni 2026)
Keystone/Satellite image ©2026 Vantor via AP
Dienstag, 21. Juli 2026
Iran-Krieg kostet USA bislang 37,5 Milliarden Dollar
Der Krieg der USA gegen den Iran hat die Vereinigten Staaten nach Angaben von Verteidigungsminister Pete Hegseth bislang 37,5 Milliarden Dollar gekostet. Hegseth nannte die neue Schätzung am Dienstag bei einer Anhörung im Senat, bei der es um einen 95 Milliarden Dollar schweren Nachtragshaushalt ging, mit dem die Republikaner das Militär stärker ausstatten und Hilfen für Landwirte sowie Wahlgesetzänderungen finanzieren wollen.
An mehreren Stellen wurde die Rede Hegseths von Demonstranten unterbrochen. Der Minister erklärte, die zusätzlichen Kriegsmittel seien dringend und notwendig. Ohne sie drohe ein kritischer Mangel.
Die demokratische Senatorin Patty Murray warnte vor einem «weiteren endlosen Krieg». Der Konflikt gerate bereits wieder ausser Kontrolle. US-Präsident Donald Trump habe mehr als 40 Mal behauptet, dass ein Deal nahe sei und der Krieg bald beendet werde. Nun bitte er um weitere Milliarden und das Vertrauen, dass sich alles zum Guten wenden werde.

US-Verteidigungsminister Hegseth musste bei einer Anhörung im Senat aussagen. (Archivbild)
sda
Trump wälzt Verantwortung für Tod von US-Soldaten in Jordanien ab
US-Präsident Donald Trump hat nach dem Tod von US-Militärangehörigen bei iranischen Angriffen in Jordanien eine Verantwortung Washingtons zurückgewiesen. Bei den Angriffen in Jordanien sei etwas durchgerutscht, erklärte er am Dienstag vor Journalisten. Wäre jemand anderes für die Abwehr zuständig gewesen, legte der Republikaner nahe, «wäre es nicht passiert».
Die USA hätten fast alles abgefangen. Wenn man jedoch andere die eigene Arbeit erledigen lasse, gehe das «manchmal nicht so gut aus». Wer aus seiner Sicht für den Schutz von US-Truppen in Jordanien zuständig ist, führte Trump nicht aus.

Donald Trump wälzt Verantwortung für Tod von US-Soldaten in Jordanien ab. (Archivbild)
sda
Trump hat derzeit kein Interesse an Gesprächen mit Teheran
US-Präsident Donald Trump hat möglichen Verhandlungen mit dem Iran über ein Ende des Krieges vorerst eine Absage erteilt. Teheran wolle zwar dringend Gespräche führen, sagte Trump am Dienstag im Weisen Haus. Solange die iranische Führung jedoch nicht zu ernsthaften Verhandlungen bereit sei, hätten die USA kein Interesse an einem Treffen.
Vertreter des Irans hätten in Gesprächen hinter den Kulissen deutlich gemacht, dass sie den Krieg beenden wollten, sagte Trump. Als Grund nannte er die schweren US-Angriffe auf das Land. Die Islamische Republik werde militärisch massiv geschwächt.

Donald Trump hat derzeit kein Interesse an Gesprächen mit Teheran. (Archivbild)
Tom Weller/dpa
Trump kündigt schwere Angriffe nahe iranischer Atomanlage an
US-Präsident Donald Trump hat schwere Angriffe auf ein befestigtes unterirdisches Gebiet nahe einer wichtigen iranischen Anlage zur Urananreicherung angekündigt. Die USA würden die Region am sogenannten Pickaxe Mountain «sehr bald und sehr heftig» angreifen, sagte Trump am Dienstag vor Journalisten.
Trump war gefragt worden, ob Teheran Zentrifugen zur Urananreicherung an den unterirdischen Standort gebracht habe. Trump erklärte, das sei nicht von Bedeutung, wenn das Land nicht über Uran verfüge, das es anreichern könne. Für die USA sei entscheidend, wo sich «das Material» befinde.

Amerikanische Kampfflugzeuge auf einem Flugzeugträger im Einsatz gegen den Iran.
--/U.S. Central Command Public Affairs/DVIDS/dpa
Vermittler wollen neue Waffenruhe
Während die Militärschläge der USA im Iran seit nunmehr zehn Nächten andauern, bemühen sich die Vermittler Berichten zufolge um eine neue Waffenruhe. Katar, Ägypten, Pakistan und andere regionale Vermittler hätten den beiden Kriegsparteien einen Vorschlag für eine zehntägige Waffenruhe unterbreitet, erfuhr das US-Nachrichtenportal «Axios» aus Quellen. Auch das «Wall Street Journal» berichtete über den Vorschlag.
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Die Vermittler fürchteten, Washington und Teheran könnten in einen Kreislauf geraten, in dem sie den Konflikt zwar unterhalb der Schwelle eines umfassenden Krieges halten, aber die regionalen Volkswirtschaften auf unbestimmte Zeit beeinträchtigen, schrieb die Zeitung. Die US-Regierung prüfe den Vorschlag derzeit und habe Israel aufgefordert, Massnahmen zu vermeiden, die das diplomatische Fenster schliessen könnten, zitierte «Axios» US-Beamte.
US-Präsident Donald Trump empfängt heute Libanons Präsidenten Joseph Aoun. Bei dem ersten Besuch eines libanesischen Staatschefs im Weissen Haus seit 2009 dürfte es vorrangig um eine Festigung der geltenden Waffenruhe zwischen Israel und der mit dem Iran verbündeten Hisbollah-Miliz im Libanon gehen.

Libanons Präsidenten Joseph Aoun soll am heutigen Dienstag von US-Präsident Donald Trump im Weissen Haus empfangen werden. (Archivbild)
Keystone/AP Photo/Petros Karadjias
Seit April führen Israel und der Libanon zum ersten Mal seit Jahrzehnten direkte politische Gespräche, wobei die libanesische Regierung keine Kriegspartei ist. Die Hisbollah-Miliz ist an den Gesprächen nicht beteiligt. Die USA, die in dem Konflikt vermitteln, fordert genauso wie der Verbündete Israel eine Entwaffnung der Hisbollah, was diese ablehnt. Aoun erhofft sich von Trump ein Einwirken auf Israel, seine Truppen vollständig aus dem Südlibanon abzuziehen. Trotz der Waffenruhe greift Israel weiterhin Ziele in dem nördlichen Nachbarland an. Die Führung in Teheran verlangt für ein endgültiges Abkommen zur Beendigung des Krieges mit Washington nicht nur unter anderem die eigene Kontrolle über die Strasse von Hormus, sondern auch ein dauerhaftes Ende des militärischen Konflikts zwischen dem Erzfeind Israel und der mit ihr verbündeten Hisbollah.
Gefahr eines Flächenbrandes in Nahost: Schweizer Spitzendiplomatin verhalten optimistisch
Die Schweizer Botschafterin im Nahen Osten, Monika Schmutz Kirgöz, hat sich in einem Interview mit dem «Blick» hinsichtlich der Verhinderung eines Flächenbrands in der Region vorsichtig optimistisch gezeigt. «Im Moment stehen die Akteure über viele Kanäle miteinander in Kontakt. Alle versuchen, eine weitere Eskalation zu verhindern», sagte die Chefin der Abteilung Naher Osten und Nordafrika im Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) zur Zeitung.

«Man fühlt sich wie auf einer Achterbahn»: Die Schweizer Botschafterin im Nahen Osten, Monika Schmutz Kirgöz, zum Wechsel zwischen Friedensgesprächen, Angriffen gegen den Iran und Vergeltungsschlägen der Mullahs.
Keystone/Peter Klaunzer
Die Schweiz habe «sehr viel in den Erhalt der Gesprächskanäle investiert – insbesondere zwischen den USA und dem Iran.» Die Schweizer Vertretung plane fest damit, dass weitere Gespräche stattfinden werden. Zwar habe die Hoffnung einen Dämpfer erhalten. Doch geht Schmutz Kirgöz weiterhin davon aus, dass eine Verhandlungslösung zu einer Befriedigung der Region führen kann.
Britisches Militär: Erneut Tanker vor omanischer Küste angegriffen
Das britische Militär hat am Dienstagmorgen einen weiteren Angriff auf einen Tanker in der Strasse von Hormus vor der omanischen Küste gemeldet. Die britische Seehandelsaufsicht (UKMTO) teilte mit, das Schiff habe per Funk gemeldet, von einem unbekannten Geschoss getroffen worden zu sein. Bereits zuvor waren innerhalb von 24 Stunden zwei weitere Schiffe in der strategisch wichtigen Meerenge angegriffen worden.
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Die UKMTO hatte am Montagabend mitgeteilt, ein Schiff sei vor der Küste der Vereinigten Arabischen Emirate attackiert worden. Ein weiteres Schiff war nach einem Treffer durch ein Geschoss nahe der Küste Omans in Brand geraten. Die Besatzung verliess das Schiff, das Stunden später weiterhin brennend und manövrierunfähig im Wasser trieb. Irans paramilitärische Revolutionsgarden bekannten sich am Dienstagmorgen zu den Angriffen.
Das US-Militär hatte Schiffe zuletzt aufgefordert, eine Route nahe der omanischen Küste durch die Strasse von Hormus zu nutzen, um iranischer Kontrolle auszuweichen. Der Iran reagierte darauf mit Angriffen auf die Schiffe und beansprucht die Kontrolle über die strategisch wichtige Meerenge.



