Schlussstrich nach 13 Jahren Niederländischer Premier Rutte kehrt der Politik den Rücken

DPA, gbi

10.7.2023 - 11:55

Der niederländische Premier Mark Rutte will bei einer Neuwahl nicht mehr antreten.
Der niederländische Premier Mark Rutte will bei einer Neuwahl nicht mehr antreten.
Darko Vojinovic/AP

Paukenschlag in Den Haag: Langzeitpremier Mark Rutte will sich nach dem Bruch der Regierung komplett aus der Politik zurückziehen. Das Land steht bis zur Neuwahl vor einer Hängepartie.

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  • Der niederländische Premierminister Mark Rutte zieht die Konsequenzen aus dem Bruch seiner Regierungskoalition: Er will sich aus der Politik zurückziehen.
  • Er werde bei einer Neuwahl nicht mehr als Kandidat seiner rechtsliberalen Partei VVD für eine fünfte Amtszeit zur Verfügung stehen, sagte Rutte am Montag.
  • Dem Land droht nun ein politischer Stillstand.

Der niederländische Premierminister Mark Rutte will nach dem Zerbrechen seiner Regierung die Politik verlassen. Er werde bei einer Neuwahl nicht mehr als Kandidat seiner rechtsliberalen Partei VVD für eine fünfte Amtszeit zur Verfügung stehen und sich aus der Politik zurückziehen, sagte Rutte im Parlament in Den Haag.

Die vierte Regierung des rechtsliberalen Premierministers Mark Rutte war seit Anfang 2022 im Amt. Rutte selbst ist seit knapp 13 Jahren Regierungschef der Niederlande gewesen.

Ruttes Begründung

Die bisherige Vier-Parteien-Koalition war am Freitagabend im Streit um die Migrationspolitik zerbrochen. Knackpunkt bei der Krisensitzung, die zum Bruch der Regierung führte, war eine Beschränkung des Familiennachzugs von Flüchtlingen, die sich bereits im Land aufhalten. Ruttes rechtsliberale Partei VVD hatte die Beschränkung gefordert. Anderen Parteien ging die Forderung zu weit.

Niederländische Regierungskoalition zerbricht an Asyl-Politik

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Die Vier-Parteien-Koalition von Regierungschef Mark Rutte war die vierte unter seiner Führung. Der jüngste Streit ging früheren Medienberichten zufolge auf einen Vorstoss der konservativen VVD-Partei von Rutte zurück.

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Rutte erklärte seinen Rückzug zu Beginn einer Parlamentsdebatte über die Lage nach dem Bruch der Regierung und sagte, dass es sich um eine persönliche Entscheidung handele, die von der aktuellen Situation unabhängig sei. «Diese Debatte muss um unser Land gehen», sagte er vor dem Beginn der Sitzung, bei der unter anderem die Opposition einen Misstrauensantrag gegen den Premier hatte stellen wollen.

Stillstand befürchtet

Das Datum einer Neuwahl steht noch nicht fest. Vermutlich findet diese im November statt. Erwartet wird, dass König Willem-Alexander den Wahltermin kurzfristig verkünden wird.

Bis dahin könnte Stillstand die Arbeit der amtierenden Regierung dominieren, wie viele befürchten. Neben der Migrationspolitik sorgen sich die Menschen in den Niederlanden auch um die Wohnungsnot, die Energiewende sowie die Klimapolitik.

Einer der grossen Konflikte ist die Zukunft der Landwirtschaft angesichts angekündigter Umweltauflagen. Noch völlig offen ist, wer bei der VVD oder in einer der übrigen Parteien der Favorit für Ruttes Nachfolge sein wird.

Mit seinen knapp 13 Jahren als Premier der Niederlande ist Rutte einer der dienstältesten Regierungschefs der EU gewesen. Doch im eigenen Land ist er nach zahlreichen Affären längst nicht mehr unangefochten und zuletzt wurde ihm vor allem von Anhängern seiner Volkspartei für Freiheit und Demokratie (VVD) vorgeworfen, den stramm rechten Kurs seiner Partei verlassen zu haben. Vor allem bei Klima- und Asylpolitik sei er eingeknickt, warf ihm auch sein grosser Widersacher, der Rechtspopulist Geert Wilders vor. Viele Niederländer sahen Rutte indes lange als guten Krisenmanager, einen, der den Laden zusammenhält.