Vollkommen offenes Rennen um den CDU-Vorsitz in Deutschland

SDA/jka

14.1.2021 - 10:39

ARCHIV - 30.04.2019, Berlin: Annegret Kramp-Karrenbauer, Bundesvorsitzende der CDU, blickt am Rande eines Interviews mit der Deutschen Presse-Agentur dpa in die Kamera des Fotografen. Kramp-Karrenbauer wird überraschend neue Verteidigungsministerin. Foto: Michael Kappeler/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ (KEYSTONE/DPA/Michael Kappeler)
Wer die Nachfolge von Annegret Kramp-Karrenbauer antritt, ist noch offen. Klar ist aber, dass es ein Mann wird.
Bild: Keystone

Kurz vor der Wahl ist noch völlig offen, wer Nachfolger der scheidenden CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer wird. Der Sieger hat gute Chancen auch Kanzlerkandidat zu werden. 

Spannung bis zum Schluss: Kurz vor dem Parteitag der deutschen Christdemokraten an diesem Wochenende zeichnet sich kein Favorit im Rennen um die Nachfolge der scheidenden Parteichefin Annegret Kramp-Karrenbauer ab.

Fest steht nur, dass Deutschlands grösste Regierungspartei nach 21 Jahren wieder einen männlichen Vorsitzenden bekommt.

Zur Wahl stellen sich der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet, der CDU-Wirtschaftspolitiker und frühere Bundestagsfraktionschef Friedrich Merz und der Aussenpolitiker Norbert Röttgen. Wegen der Corona-Pandemie wird zum ersten Mal in Deutschland eine Parteiführung mit einem Online-Parteitag ermittelt.

Corona kommt der CDU in die Quere

Mit dem digitalen Parteitag endet eine fast einjährige Hängepartie im Ringen um den CDU-Vorsitz. Kramp-Karrenbauer war Ende 2018 zur Nachfolgerin von Bundeskanzlerin Angela Merkel gewählt worden, nachdem diese ihren schrittweisen Rückzug aus der Politik angekündigt hatte. Merkel war seit 2000 CDU-Chefin, Kanzlerin ist sie seit November 2005. Bei der Bundestagswahl im September dieses Jahres will sie nicht wieder antreten.

Kramp-Karrenbauer warf im Februar 2020 das Handtuch, weil sie im Streit um die Regierungsbildung im Bundesland Thüringen ihre Autorität nicht durchsetzen konnte. Ein für Ende April geplanter Sonderparteitag platzte wegen der Corona-Pandemie ebenso wie der reguläre Bundesparteitag im Dezember.

Parteitag wird am Bildschirm verfolgt

Beim Parteitag werden sich die drei Kandidaten am Samstag in je 15-minütigen Reden vorstellen. Ausser ihnen und der engsten Parteiführung wird niemand in dem Studio in Berlin anwesend sein. Die übrigen der 1001 Delegierten – unter ihnen auch Merkel – verfolgen den Parteitag am Bildschirm. Bei der Online-Abstimmung wird mit einer Stichwahl und einem knappen Ausgang gerechnet.

Fast 300 der Delegierten stammen aus Nordrhein-Westfalen. Für Laschet muss das kein Vorteil sein, weil auch seine beiden Mitbewerber im bevölkerungsreichsten Bundesland zuhause sind. Zuletzt hatten sich unter anderem die Frauen-Union und der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier für Laschet stark gemacht. Merz ist der Favorit des wirtschaftsliberalen und konservativen Flügels sowie der Parteijugend und des Ostens. Röttgen galt lange als Aussenseiter, konnte aber in einigen Umfragen aufholen.

Das Stimmergebnis per Mausklick muss aus rechtlichen Gründen noch in einer Briefwahl bestätigt werden, die als reine Formsache gilt. Die Briefwahlzettel sollen am 22. Januar ausgezählt werden, dann wird das Ergebnis verkündet.

Superwahljahr in Deutschland

Der Sieger hat gute Chancen, auch gemeinsamer Kanzlerkandidat der CDU und ihrer bayerischen Schwesterpartei CSU zu werden. Dies kann nur im Konsens zwischen Berlin und München entschieden werden. Dem bayerischen Ministerpräsidenten und CSU-Chef Markus Söder werden ebenfalls Chancen eingeräumt. Die Entscheidung wird wahrscheinlich erst nach Ostern (4. April) fallen.

2021 ist in Deutschland ein sogenanntes Superwahljahr mit sechs Landtagswahlen und der Bundestagswahl. In allen Umfragen ist die CDU/CSU die mit Abstand stärkste Kraft im Land. Ob das für die Union auch ohne ihr Zugpferd Merkel bis zur Parlamentswahl im September so bleibt, ist allerdings alles andere als sicher.

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