Epstein-Files Justizministerium löscht Dateien − Vorwürfe der Vertuschung

dpa

21.12.2025 - 18:34

Opfer-Anwalt John Scarola: «Die Öffentlichkeit ist nicht glücklich mit dem veröffentlichten Material. Es wird weiterhin starke Forderungen nach weiteren Ermittlungen geben.» (Archiv)
Opfer-Anwalt John Scarola: «Die Öffentlichkeit ist nicht glücklich mit dem veröffentlichten Material. Es wird weiterhin starke Forderungen nach weiteren Ermittlungen geben.» (Archiv)
IMAGO/ZUMA Press Wire/MehmetxEser

Opferanwalt John Scarola kritisiert die Schwärzungen in den Epstein-Dokumenten als zu umfangreich. Er fordert mehr Transparenz und weitere Ermittlungen. Nach Angaben des US-Justizministeriums erfolgte die Löschung auf Bitten von Betroffenen.

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DPA, Redaktion blue News

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  • Opferanwalt John Scarola wirft dem US-Justizministerium vor, bei der Veröffentlichung der Epstein-Dokumente die Vorgaben des Kongresses nicht eingehalten zu haben.
  • Die Unterlagen seien in übermässigem Umfang geschwärzt worden, wodurch mutmassliche Täter geschützt und das Leid der Opfer vergrössert worden sei.
  • Das Justizminister teilt mit, die Epstein-Dateien seien auf Bitten Betroffener gelöscht worden.

Das US-Justizministerium hat bei der Veröffentlichung Tausender Dokumente zum Fall des verurteilten Sexualstraftäters Jeffrey Epstein aus Sicht von Opferanwalt John Scarola die Vorgaben des Kongresses nicht eingehalten. «Es handelt sich um eine Teilveröffentlichung. Das Hauptproblem sind aber die Schwärzungen», sagte Scarola dem «Spiegel». Der Jurist vertritt mehrere Opfer des Sexualstraftäters Epstein.

«Nach allem, was ich bisher gesehen habe, bin ich überzeugt, dass die Dokumente in übermässigem Umfang geschwärzt wurden», sagte Scarola dem Nachrichtenmagazin. In begründbaren Fällen seien Schwärzungen nötig – zum Schutz der Privatsphäre der Opfer und der Unschuldsvermutung mutmasslicher, bislang nicht öffentlich bekannter Täter. «Dennoch geht das Ausmass dieser Schwärzungen weit über alles hinaus, was ich für gerechtfertigt halte», sagte er.

Auf die Frage, ob er glaube, dass mutmassliche Täter durch die hohe Menge der Schwärzungen geschützt worden seien, antwortete Scarola mit «Ja». Aus Sicht der Opfer vergrössere diese Teilveröffentlichung deren Leid, betonte er. Ihnen sei immer wieder versprochen worden, dass die Unterlagen vollständig offengelegt würden. Doch dieses Versprechen sei gebrochen worden. 

Jenseits der Veröffentlichung von Akten müsse der US-Kongress eine umfassende und vollständige Untersuchung der Korruption im Zivilrechtssystem durchführen, die in den Fällen Epstein und dessen früherer Partnerin Ghislaine Maxwell eine Rolle gespielt hätten, fordert Scarola.

Die oppositionellen Demokraten beschuldigten Präsident Donald Trump, sich damit selbst schützen zu wollen. «All das dient dazu, Dinge zu verbergen, die Donald Trump aus dem einen oder anderen Grund nicht öffentlich machen will, ob es um ihn selbst, andere Mitglieder seiner Familie, seine Freunde geht», kritisierte der demokratische Abgeordnete Jamie Raskin am Sonntag im Sender CNN.

Justizminister: Dateien auf Bitten Betroffener gelöscht

Die plötzliche Löschung von mehr als einem Dutzend Dateien aus den online veröffentlichten Epstein-Akten ist nach Angaben des US-Justizministeriums auf Bitten von Betroffenen erfolgt. Die entfernten Fotos zeigten potenzielle Opfer des gestorbenen Sexualstraftäters Jeffrey Epstein, die zuvor nicht als solche identifiziert worden seien, sagte der stellvertretende Justizminister Todd Blanche bei NBC News. Vor dem Hintergrund laufender Ermittlungen seien die Dateien daher gelöscht worden. Blanche kündigte an, dass sie wieder öffentlich zugänglich werden – einen Zeitpunkt nannte er nicht.

Am Freitagnachmittag hatte das Justizministerium nach massivem Druck der Öffentlichkeit zunächst vier Datensätze auf seiner Webseite hochgeladen, die Tausende Dateien enthalten. Darin zu finden waren neben Fotos auch Dokumente. Vieles ist komplett geschwärzt - bereits dafür erntete das Ministerium Kritik. Keine 24 Stunden danach warfen die Demokraten im US-Kongress dem Ministerium die Löschung einer Datei vor. So sei ein Foto anscheinend entfernt worden, hiess es in einem Beitrag auf X.

Eine Stichprobe der Deutschen Presse-Agentur ergab, dass eine neuere Version des ersten Datensatzes vom Samstag mindestens 16 Dateien weniger umfasste als eine vorherige Version des Archivs vom Freitagnachmittag. Neben dem Foto, das laut Demokraten fehlt, sind in der neueren Version auch bestimmte Aufnahmen eines Raumes mit einer Massageliege nicht mehr enthalten.

Neue Epstein-Akten: Kaum neue Details zu Trump

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Mehr als 300.000 Seiten Unterlagen hat das US-Justizministerium aus den Ermittlungen gegen den verstorbenen Sexualstraftäter Jeffrey Epstein veröffentlicht, viele davon geschwärzt. Die Prüfung weiterer Dokumente soll noch zwei Wochen dauern.

20.12.2025