Britische Opposition mokiert sich über «Johnson-Variante»

SDA

7.7.2021 - 15:25

British Prime Minister Boris Johnson during a visit to The National Institute for Biological Standards, in South Mimms, England, Monday June 21, 2021. (Jeremy Selwyn/Pool via AP)
Der britische Premier Boris Johnson am 21. Juni 2021 bei einem Besuch des National Institute for Biological Standards, im englischen South Mimms. 
Bild: Keystone

Nach der Ankündigung der Aufhebung aller Corona-Massnahmen in England hat die Opposition die Krisenpolitik von Premier Boris Johnson scharf kritisiert: Wegen einer geplanten Indienreise sei das Land lange nicht auf der «roten Liste» gelandet. 

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7.7.2021 - 15:25

Der Chef der Labour-Partei, Keir Starmer, machte den britischen Regierungschef Boris Johnson persönlich für den Anstieg der Neuinfektionen aufgrund der hoch ansteckenden Delta-Variante verantwortlich. «Machen wir uns klar, warum die Infektionsraten so hoch sind: Weil der Premierminister die Delta-Variante – wir können sie auch Johnson-Variante nennen – ins Land gelassen hat», sagte Starmer am Mittwoch im Parlament in London.

Die Opposition wirft Johnson vor, dass die Regierung Indien, wo die Delta-Variante zuerst entdeckt worden war, erst nach Wochen auf eine «rote Liste» von Risikogebieten gesetzt hat – weil er einen geplanten Indien-Besuch nicht habe absagen wollen. Johnson weist das zurück.



Die Delta-Variante ist mittlerweile für fast alle Neuinfektionen im Vereinigten Königreich verantwortlich. Die Sieben-Tage-Inzidenz, also die Zahl der Neuinfektionen je 100'000 Menschen binnen einer Woche, stieg zuletzt auf etwa 245. In der Schweiz liegt der Wert bei rund 12.

Starmer kritisierte Johnsons Öffnungspolitik erneut als «leichtsinnig». Die Regierung schätzt, dass sich nach der Aufhebung aller Corona-Regeln bis zu 100'000 Menschen täglich mit dem Virus infizieren könnten. Wegen des Erfolgs der Impfkampagne rechnet die Regierung aber nicht mit einem massiven Anstieg der Todesfälle.



«Der Premierminister kann nicht die praktischen Probleme beiseite wischen, die 100'000 Infektionen täglich mit sich bringen», sagte Starmer. Er warnte vor einem «chaotischen Sommer», den Hunderttausende wegen Selbstisolation verpassen würden, und forderte, dass «grundlegende Schutzmassnahmen» in Kraft bleiben müssten. Dazu gehörten eine Maskenpflicht im Nahverkehr, eine gute Nachverfolgung und Ausfallzahlungen für positiv Getestete in Selbstisolation.

Johnson hatte am Montag angekündigt, dass vom 19. Juli an in England alle Corona-Massnahmen aufgehoben werden sollen.

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