Xi bald isoliert? Peking droht Trump mit Krieg – aber hinter den Kulissen zittert China mehr denn je

Sven Ziegler

6.3.2025

Trump und Xi: Wie gefährlich ist die Strategie des US-Präsidenten für China? (Archivbild)
Trump und Xi: Wie gefährlich ist die Strategie des US-Präsidenten für China? (Archivbild)
Bild: Keystone

Mit neuen Strafzöllen treibt US-Präsident Donald Trump die Konfrontation mit China voran. Peking sucht nach Gegenstrategien – doch Staatschef Xi Jinpings Spielraum schrumpft.

Sven Ziegler

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Donald Trump hat die Zölle auf chinesische Waren auf 20 Prozent erhöht, um Peking unter Druck zu setzen.
  • China reagiert mit Exportkontrollen und diplomatischen Allianzen, um sich abzusichern.
  • Experten warnen vor einer langen Phase wirtschaftlicher und geopolitischer Spannungen zwischen den Supermächten.

Kaum hatte Donald Trump die Präsidentschaftswahl gewonnen, liess Chinas Staatschef Xi Jinping eine umfassende Analyse des Kalten Krieges zwischen den USA und der Sowjetunion anfertigen.

Seine Sorge: Könnte China ähnlich isoliert werden wie damals die Sowjetunion? Diese Befürchtung ist nicht unbegründet, wie das «Wall Street Journal» unter Berufung auf Insider schreibt.

Während Trump in der Aussenpolitik als unberechenbar gilt, treibt er eine klare Anti-China-Strategie voran. Der US-Präsident betrachtet die Handelsbeziehungen mit Peking als wirtschaftlichen Nachteil für Amerika und sieht sich durch seinen Wahlsieg gestärkt, härtere Massnahmen durchzusetzen.

Peking droht: «Wir sind bereit für jede Art von Krieg»

Bereits Anfang Februar 2025 verhängte Donald Trump per Dekret einen Zusatz-Zoll von 10 Prozent auf praktisch alle chinesischen Importe – offiziell, um den Zustrom von Fentanyl und chemischen Vorprodukten einzudämmen.

Nur wenige Wochen später wurde der Zollsatz sogar auf 20 Prozent erhöht. Peking reagierte prompt: China kündigte an, mit «allen notwendigen Massnahmen» zu kontern, falls Washington auf seinen Forderungen beharre. «Wir sind bereit für jede Art von Krieg», drohte Peking.

China ist bei der Halbleitertechnologie von den USA abhängig.
China ist bei der Halbleitertechnologie von den USA abhängig.
Bild: Daniel Karmann/dpa

Hinter den Kulissen ist die Lage angespannt. China ist in vielen Bereichen wirtschaftlich stärker von den USA abhängig als umgekehrt.

Michael Pillsbury, ein China-Experte der konservativen Heritage Foundation, beschreibt Pekings Situation gegenüber dem «Wall Street Journal» als schwierig: «Sie sind verzweifelt. Ihr Wirtschaftswachstum ist angeschlagen, und jetzt kommen noch neue Zölle hinzu.»

USA verschärfen Exportkontrollen für kritische Technologien

Ein zentraler Schauplatz der Rivalität ist die Hochtechnologie. Bereits in Trumps erster Amtszeit begann ein tech­nologischer Abnabelungsprozess, der sich nun beschleunigt. Die USA verschärfen die Exportkontrollen für kritische Technologien Richtung China kontinuierlich.

So kündigte das US-Handelsministerium (BIS) im Dezember 2024 – noch in Joe Bidens Amtszeit – neue Restriktionen an, die Chinas Fähigkeit zur Produktion moderner Halbleiter für KI und fortgeschrittene Waffensysteme gezielt beeinträchtigen sollen.

Donald Trump hat deutlich gemacht, dass er diese Politik fortführen oder sogar ausweiten wird. Diplomatisch ist seine zweite Amtszeit von teils widersprüchlichen Signalen geprägt.

Auf der einen Seite verfolgen die USA die Eindämmung Chinas im Verbund mit Verbündeten entschlossen weiter. Washington intensiviert die Kooperation mit traditionellen Alliierten in Asien: mit Japan und Australien ebenso wie mit Indien, Südkorea und den ASEAN-Staaten. Gemeinsame Militärübungen, etwa trilaterale Manöver der USA mit Japan und Südkorea, sollen 2025 erstmals in dieser Form stattfanden.

Peking will von Trumps Politik profitieren

Auf der anderen Seite strapaziert Donald Trumps unkonventioneller Führungsstil aber auch einige Bündnisse. Insbesondere traditionelle Partner in Europa reagieren teils irritiert auf seine «America First»-Politik.

Die EU fürchtet, ebenfalls zum Ziel von Strafmassnahmen zu werden – so steht die Drohung im Raum, dass Trump Importzölle nicht nur gegen China, sondern auch gegen die EU (zum Beispiel auf Autos) erheben könnte.

Peking versucht, hiervon zu profitieren: Chinesische Diplomaten werben in Berlin, Paris oder Rom für eine «unabhängige» China-Politik Europas und warnen vor amerikanischer Vereinnahmung.

Und sie unterzeichnen Freihandelsabkommen mit zahlreichen Staaten, etwa auch der Schweiz. Solche Appelle fallen zum Teil auf fruchtbaren Boden, da viele europäische Unternehmen im China-Geschäft engagiert sind und eine weitere Eskalation fürchten.

Trotz Fortschritten braucht China westliches Know-how

Für China stellen besonders die Halbleiter-Beschränkungen eine empfindliche Achillesferse in den Beziehungen mit den USA dar. Modernste Mikrochips sind grundlegend für KI, 5G, Cloud-Computing und militärische Anwendungen – hier ist Peking trotz grosser Fortschritte weiterhin auf westliches Know-how und Ausrüstung angewiesen.

Beide Seiten überziehen zudem die jeweiligen Technologie-Konzerne mit Einschränkungen. Während die USA chinesische Firmen auf schwarze Listen setzen, den Marktzugang kappen oder Finanzsanktionen prüfen, geht China verstärkt gegen US-Unternehmen im eigenen Land vor.

So wurde – zeitgleich mit der ersten Zollrunde Trumps – in China eine Antimonopolverfahren gegen Google eingeleitet.

Peking signalisiert damit, dass US-Firmen im chinesischen Markt als Faustpfand dienen können, falls Washington Chinas Firmen drangsaliert. Gleichzeitig ist China bemüht, wichtige internationale Investoren nicht vollends zu verschrecken.

Bei der zweiten Vergeltungsrunde mied man prominente globale Player und zielte lieber auf unbekanntere US-Unternehmen – wohl, um den Weltmarkt nicht aus dem Gleichgewicht zu bringen.

Vordergründig mit starker Reaktion – im Hintergrund zurückhaltend

Es ist ein Bild, dass sich durch die aktuelle Situation hindurchzieht. So droht China zwar vordergründig mit starker Reaktion. Gleichzeitig vermeidet Peking aber eine Überreaktion, um die Lage nicht vollends eskalieren zu lassen. Bei den Vergeltungszöllen auf US-Waren wählte China laut Analysten von Reuters etwa bewusst einen Satz von 10 bis 15 Prozent, also unter dem US-Niveau von 20 Prozent. 

Peking hofft offenbar, Donald Trump doch noch an den Verhandlungstisch zu bringen – ein sogenannter «Grand Bargain», also ein «Grosser Deal», steht im Raum. Auch Staatschef Xi Jinping hält sich bisher mit allzu harscher Rhetorik zurück.

Ein solches Kalkül birgt Risiken: Amerikanische Hardliner warnen, ein «G2-Deal» zwischen Trump und Xi könnte auf Kosten von US-Verbündeten gehen – etwa wenn Trump Sicherheitsgarantien im Westpazifik (zum Beispiel für Taiwan) leichtfertig eintauscht gegen schwer überprüfbare chinesische Versprechen.

Dennoch ist Peking die Ernsthaftigkeit der US-Strategie bewusst. Interne Analysen chinesischer Think-Tanks zeichnen ein eher düsteres Bild: Die Mehrheit der chinesischen Experten betrachtet die nächsten Jahre der Beziehungen mit ausgeprägtem Pessimismus. Trumps Rückkehr werde von einer neuen Generation kompromissloser China-Gegner in Washington begleitet, was wenig Raum für Entspannung lasse.

Einige chinesische Analysten sprechen von «extremen Realisten» im Trump-Team, die eine starke ideologische Voreingenommenheit gegen China mitbrächten. Unter diesen Bedingungen, so der Tenor, müsse China sich auf eine längere Phase konfrontativer Beziehungen einstellen.

Illusionen über eine rasche Verbesserung seien fehl am Platz: «China sollte sich keinen Illusionen hingeben – es muss sich auf eine neue MAGA-geprägte Realität einstellen», warnen Kommentatoren mit Blick auf Trumps nationalistische Agenda. 

Peking fokussiert sich auf andere Regionen in der Welt

Angesichts der frontalen US-Strategie intensiviert China auch seine Suche nach Gegenallianzen und Einfluss in internationalen Institutionen. Ein Pfeiler ist die Partnerschaft mit Russland, die 2024 demonstrativ gefestigt wurde.

Gemeinsam propagieren Peking und Moskau eine «multipolare Weltordnung» und stemmen sich gegen westliche Sanktionen oder Demokratieagenda.

Nähern sich jetzt wieder einander an: Xi Jinping und Wladimir Putin.
Nähern sich jetzt wieder einander an: Xi Jinping und Wladimir Putin.
Bild: Suo Takekuma/AP/dpa

Zwar ist dieses Bündnis asymmetrisch, da Russland ökonomisch deutlich schwächer aufgestellt ist als China. Beide Seiten profitieren aber geopolitisch: China erhält Unterstützung im UN-Sicherheitsrat und ein militärisches Ablenkungsmoment in Europa, das die USA bindet. Darüber hinaus baut China seinen Einfluss im Globalen Süden aus.

Im Oktober 2023 feierte Xi Jinping das 10-Jahr-Jubiläum der Belt and Road Initiative mit einem Gipfel in Peking, zu dem zahlreiche Staatschefs aus Asien, Afrika und Lateinamerika erschienen. Chinas Investitions- und Entwicklungsangebote in diesen Regionen verschaffen Peking politischen Goodwill und Zugang zu Rohstoffen, Märkten und sogar Militärbasen, etwa in Afrika.

Chinesischer Experten fordern: Stärkung aus eigener Kraft

Diese Länder werden für China umso wichtiger, je stärker westliche Märkte abgeschottet sind. Beispielsweise steigerten sich Chinas Exporte in befreundete oder geopolitisch neutrale Staaten zuletzt deutlich – Exporte nach Russland, Südostasien und den Golfstaaten wachsen zweistellig, Exporte in die USA stagnieren hingegen.

Die Kernauffassung in Peking bleibt jedoch: Die Zeiten einer ungezwungenen Zusammenarbeit sind vorbei, man tritt in eine Phase harter Konkurrenz ein, auf die China mit Selbststärkung reagieren muss.

Immerhin glauben optimistischere Experten, dass China heute weitaus besser aufgestellt ist, diesen Wettbewerb auszuhalten, als noch vor einigen Jahren – man habe aus den Erfahrungen mit Obama, Trump und Biden gelernt und verfüge über mehr Resilienz gegenüber amerikanischem Druck

Entsprechend lautet der Ratschlag vieler chinesischer Experten: Stärkung aus eigener Kraft.

Statt auf Zugeständnisse der USA zu hoffen, solle Peking die eigene Wirtschaft robust machen, die Binnenkonjunktur ankurbeln, technologische Abhängigkeiten abbauen und alternative Partnerschaften vertiefen. Dieses Motto folgt einem alten chinesischen Sprichwort: «Um Eisen zu schmieden, muss man selbst stark sein.»

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