«Unglaublich unpatriotisch» Hegseths sonderbarer Kleinkrieg gegen die Medien und Mullahs

Philipp Dahm

18.4.2026

Pete Hegseths «Pulp Fiction»-Gebet

Pete Hegseths «Pulp Fiction»-Gebet

Verteidigungsminister Pete Hegseth zitiert am 16. April auf einer Pressekonferenz in Washington ein abgewandeltes Gebet, das bei der Rettung der US-Piloten im Iran gesprochen worden sei. «Sie nennen es CSAR [Combat Search and Rescue] 25:17, was meiner Meinung nach Hesekiel 25:17 reflektieren soll», sagt er und betet drauflos. Hegseth zitiert ein abgewandeltes Gebet, das bei der Rettung der US-Piloten im Iran gesprochen worden sei. «Sie nennen es CSAR [Combat Search and Rescue] 25:17, was meiner Meinung nach Hesekiel 25:17 reflektieren soll», sagt er und betet drauflos. Im Video siehst du jedoch, dass es sich um ein abgewandeltes Zitat aus dem Kultfilm «Pulp Fiction» von 1994 handelt, das nur an den Bibelvers angelehnt ist. 

17.04.2026

Pete Hegseth hat Nerven: Eigentlich will der Verteidigungsminister über den Nahen Osten informieren, doch er nutzt die Pressekonferenz, um sich ausgiebig über die Berichterstattung der Medien zu beklagen und Gott per «Pulp Fiction»-Gebet um militärischen Beistand zu bitten.

Philipp Dahm

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Pete Hegseth gibt am 16. April in Washington eine Pressekonferenz, auf der er über die Lage am Persischen Golf informieren will.
  • «Unglaublich unpatriotisch»: Der Verteidigungsminister ergiesst sich dabei nicht zum ersten Mal in einer saftigen Medienschelte.
  • «Genau wie die Pharisäer»: Hegseth würzt seine Gardinenpredigt mit christlichen Elementen und einem «Pulp Fiction»-Gebet.

Pete Hegseth führt viele Kriege. Gegen dicke Soldaten und die Bärtigen. Gegen «Wokeness» in den Streitkräften und gegen trans Kämpfer. Gegen den Iran – und gegen Journalistinnen und Journalisten.

Die «amerikanischen Medien» adressiert der Verteidigungsminister direkt in seiner Pressekonferenz am 16. April. «Ich kann mir einfach nicht anders helfen, als den endlosen Strom von Müll zu bemerken, die unbarmherzig negative Berichterstattung. Sie können dem Kolportieren nicht widerstehen.»

Und das, obwohl seine Truppe gerade «historische und wichtige Erfolge» feierte, klagt Hegseth. «Manchmal ist es schwer auszumachen, auf welcher Seite einige von Ihnen stehen», sagt er den Vertretern der vierten Macht. «Es ist unglaublich unpatriotisch.»

Das Gebaren der Journaille treibt Mann um: Sogar während des Gottesdienstes denkt Hegseth an die Medien. «Unsere Presse ist genau wie die Pharisäer», habe er sich zuletzt in der Kirche gedacht, geht die Anklage des Ministers weiter. «Nicht alle von ihnen, aber die Trump-hassenden Altmedien.»

«Das amerikanische Volk mit dem Gute im Herzen»

Diese sähen gar nicht «die Bilanz unserer amerikanischen Krieger. Die Pharisäer untersuchten jede gute Tat, um einen Verstoss zu finden, nur um nach dem Negativen zu suchen», geht die Gardinenpredigt weiter. Tag für Tag erarbeiteten sich auch die Medien so jeden Tag das Prädikat «Fake News», mosert der 45-Jährige.

Wer die Bösen sind, hat der Politiker nun für jeden verdeutlicht. «Aber das amerikanische Volk mit dem Guten im Herzen sieht hinter die Pharisäer der Presse», heisst es weiter. Vielleicht hat ja Donald Trump, der Jesus – pardon: der Arzt – unter den Präsidenten, die Blinden sehen lassen? 

Es hätte nach Trumps jüngstem Social-Media-Skandälchen ins Bild gepasst, aber Hegseth hat eine andere Metapher im Sinn. «Die verhärteten Herzen unserer Presse sind nur darauf ausgelegt, infrage zu stellen. Ich möchte Sie auffordern, Ihre Augen für das Gute zu öffnen, für den historischen Erfolg unserer Truppen, für den Mut dieses Präsidenten.»

Hegseth is now comparing Trump to Jesus

[image or embed]

— MeidasTouch (@meidastouch.com) 16. April 2026 um 23:03

Die «nukleare Bedrohung» könnte in diesem «historischen Moment» beseitigt werden, schwärmt Hegseth: «Dieser unglaubliche Sieg auf dem Schlachtfeld liegt vor unseren Augen.» Er erinnert an die Rettungsmissionen für die abgeschossenen US-Piloten: «[Es waren] Wunder, könnte man sagen.»

Hegseths Kleinkrieg mit der Presse

Es gibt noch andere tolle Sachen, über die die Medien nicht berichten, schimpft der Republikaner auf der Pressekonferenz. Etwa die «historischen Rekrutierungszahlen» bei der Air Force und der Space Force. Die anvisierten Ziele seien fünf Monate vorher erreicht worden.

«Wo sind die Berichte darüber?», zürnt der Minister. «Die Berichterstattung über den neuen Geist im Land? Der neue Geist in den Diensträngen? Der Schwall von Amerikanern, die dem besten Militär der Welt beitreten wollen? Nichts [kommt darüber] in den Fake News. Wir bemerken ein Muster.»

Hegseth builds on Trump’s Messianic claims.

[image or embed]

— Tea Pain (@teapainusa.bsky.social) 16. April 2026 um 23:00

Den Mullahs hat Hegseth übrigens auch noch was zu sagen: «Du sagst gern öffentlich, Iran, dass du die Strasse von Hormus kontrollierst. [...] Ihr könnt gar nichts kontrollieren. Die Androhung, Drohnen und Raketen auf kommerzielle Schiffe abzufeuern, die legal internationale Gewässer durchfahren, ist keine Kontrolle. Das ist Piraterie. Das ist Terrorismus.»

Eine Milchmädchenrechnung, denn egal, wie man es nennt: Wenn diese Drohung besagte Schifffahrt davon abhält, die Strasse von Hormus zu passieren, ist das de facto eine Art von Kontrolle. Gleichzeitig hat der Amerikaner recht, wenn er betont, dass die US Navy «mit echten Mitteln» real steuert, wer den Persischen Golf verlassen darf.

«Pulp Fiction»-Gebet mit Hegseth

Markige Worte in Richtung seiner Gegner – sowohl jene am Abzug im Ausland wie auch an der Tastatur im Inland – ist man von Hegseth gewohnt. Dazu passt auch, dass der Amerikaner erneut den christlichen Vorbeter spielt.

Hegseth zitiert ein abgewandeltes Gebet, das bei der Rettung der US-Piloten im Iran gesprochen worden sei. «Sie nennen es CSAR [Combat Search and Rescue] 25:17, was meiner Meinung nach Hesekiel 25:17 reflektieren soll», sagt er und betet drauflos.

Vincent Vega alias John Travolta und Jules Winnfield alias Samuel L. Jackson in «Pulp Fiction».
Vincent Vega alias John Travolta und Jules Winnfield alias Samuel L. Jackson in «Pulp Fiction».
IMAGO/Capital Pictures

Im Video ganz oben siehst du jedoch, dass es sich um ein abgewandeltes Zitat aus dem Kultfilm «Pulp Fiction» von 1994 handelt, das nur an den Bibelvers angelehnt ist. 

Ein Stück Hollywood also. Präsentiert im christlichen Eifer. Von einem Mann, der früher Moderator bei «Fox News» war, und heute Krieg gegen den Iran und die Medien führt. 

Zeiten ändern sich.

Donald Trump zum Iran-Krieg: «Die Arbeit, die wir bis jetzt geleistet haben, ist grossartig.»

Donald Trump zum Iran-Krieg: «Die Arbeit, die wir bis jetzt geleistet haben, ist grossartig.»

Bei einer Veranstaltung in Las Vegas, wo Donald Trmup über das Steuerreformgesetz des vergangenen Jahres sprach, prahlte er mit der wirtschaftlichen Bilanz und, dass der Iran-Krieg eine «kleine Ablenkung» war und die «geleistete Arbeit wunderbar».

17.04.2026