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Putin erklärt Ukraine zu Russland – rein rethorisch.
Bild: sda
Während russische Truppen in der Ukraine weiter vorrücken, erklärt Wladimir Putin das Nachbarland rhetorisch schon zum Teil des russischen Imperiums – und legt verbal nach.
Wladimir Putin hat einmal mehr gezeigt, dass er keine halben Sachen macht – zumindest nicht rhetorisch. Beim Internationalen Wirtschaftsforum in St. Petersburg stand der Kreml-Chef (72) volle 60 Minuten im Rampenlicht und lieferte eine Rede, die es in sich hatte: martialisch, unmissverständlich, imperial.
«Wo der Fuss eines russischen Soldaten hintritt, das gehört uns», donnerte Putin in die Menge. Kein Gleichnis, keine Metapher – sondern laut ihm eine «alte Regel», wie «Bild» berichtet. Und dann der Satz, der für Gänsehaut sorgt: «In diesem Sinne gehört uns die ganze Ukraine.»

Beim Wirtschaftsforum in St. Petersburg trifft Putin traditionell Vertreter der grossen Nachrichtenagenturen.
Bild: Vyacheslav Prokofyev/Pool Sputnik Kremlin/AP/dpa
Putins Begründung? Die Behauptung, dass Russen und Ukrainer ein Volk seien. Unabhängigkeit? Ein Irrtum der Geschichte. Die Ukraine habe 1991 als neutraler Staat existieren wollen – nun müsse sie laut Putin zu diesem Status zurückkehren. Mit anderen Worten: Eine Annäherung an den Westen sei für Moskau ein rotes Tuch.
«Kapitulieren soll die Ukraine nicht – nur die Realität anerkennen», sagte Putin dann. Doch was wie eine Geste der Mässigung klingt, entpuppt sich beim Blick aufs Detail als knallharte Ansage. Im Nordosten des Landes, in der Region Sumy, seien russische Truppen bereits zehn bis zwölf Kilometer vorgerückt. «Wir haben nicht vor, die Stadt einzunehmen», so Putin. «Aber grundsätzlich schliesse ich das nicht aus.»
Auch international hat Putin klare Vorstellungen: Im Iran etwa baut Russland trotz des Krieges weiter an zwei Reaktorblöcken im Atomkraftwerk Buschher. Rund 600 russische Mitarbeiter bleiben vor Ort – Evakuierung? Fehlanzeige. Moskau unterstütze laut Putin die «friedliche Nutzung der Kernenergie». Gleichzeitig beruhigte er Israel über SkyNews Arabia: Der Iran plane keine Nuklearwaffen, habe Russland mehrfach versichert.
Dann der Seitenhieb auf den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj. Dessen Amtszeit sei abgelaufen – ein Umstand, den Putin erneut nutzte, um Selenskyjs Legitimität infrage zu stellen.
Doch Selenskyj liess das nicht auf sich sitzen. In einer nächtlichen Videobotschaft konterte er kühl: «Ich bin bereit, mich in jedem Format mit denen zu treffen, die Autorität haben – auch mit Putin, selbst wenn er längst sein verfassungsmässiges Mandat überschritten hat.»