Unmut wächstPutin wird im eigenen Land immer unbeliebter – das sind die Gründe
Dominik Müller
28.3.2026
Kremlchef Wladimir Putin hat an Popularität eingebüsst.
Kristina Solovyova/Pool Sputnik Kremlin/AP/dpa
Neue Zahlen zeigen einen Rückgang der Unterstützung des russischen Volks für Wladimir Putin. Bauernproteste in Sibirien und die teilweise Blockade von Telegram verschärfen die Lage.
Redaktion blue News
28.03.2026, 11:59
28.03.2026, 12:08
Dominik Müller
Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen
Wladimir Putins Beliebtheitswerte in Russland sind deutlich zurückgegangen.
Auslöser der Unzufriedenheit sind unter anderem niedergeschlagene Bauernproteste in Sibirien sowie wirtschaftliche Sorgen der Bevölkerung.
Zusätzliche Kritik entsteht durch die Einschränkung von Telegram.
Die Zustimmung für Russlands Präsident Wladimir Putin ist auf den tiefsten Stand seit Beginn des Ukraine-Kriegs gefallen. Aktuell liegt sie bei 70,1 Prozent, der Vertrauensindex bei 75 Prozent. Das geht aus einer Studie des staatlichen Zentrums für Meinungsforschung hervor und über die die Zeitungen von CH Media berichten.
Grund für den Unmut sind demnach zwei innenpolitische Krisen. In Sibirien kam es erstmals seit zehn Jahren zu Protesten von Landwirten. Auslöser: Behörden beschlagnahmten Vieh wegen angeblicher Seuchenfälle. Bauern wehrten sich – ohne Erfolg.
Die Proteste wurden niedergeschlagen, Entschädigungen nur leicht erhöht. Eine Bäuerin sagte gegenüber «Agentstvo»: «Es gibt kein Vertrauen.» Viele wüssten nicht mehr, wie sie überleben sollen.
Ärger über Telegram-Sperre
Zusätzlichen Ärger löst die Einschränkung des Messengers Telegram aus. Laut dem internationalen Forschungsprojekt OONI ist der Dienst bereits zu rund 70 Prozent blockiert, eine komplette Sperre wurde zeitweise diskutiert.
Selbst im Kreml herrscht Ratlosigkeit. Eine Quelle der Präsidialverwaltung sagte der Zeitung «Verstka», dass die Massnahmen die Menschen stark verunsichert hätte. Trotzdem wisse man nicht, «was man ihnen als Ersatz bieten könnte».
Blogger verschwindet spurlos
Besonders heftig fällt die Kritik aus dem Militär aus. Politiker Sergej Mironow nannte die Verantwortlichen gemäss CH Media «Idioten» und «Mistkerle» – Telegram sei für Soldaten an der Front unverzichtbar. Der Kreml lenkte daraufhin teilweise ein.
Die Unzufriedenheit wächst auch öffentlich. Propaganda-Blogger Ilja Remeslo warf Putin vor, sich nicht um die Sorgen der Bevölkerung zu kümmern. Kurz darauf wurde er in eine psychiatrische Klinik eingewiesen – seither fehlt von ihm jede Spur.