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Fake News im texanischen Wahlkampf: Demokrat James Talarico singt in einem KI-Video im Frauenkleid.
X/@reaganreese_
Demokrat James Talarico singt im Frauenkleid fröhliche trans-Lieder, schreit irre auf der Strasse herum und holt brutale Gangmitglieder ins Haus: Die Unterstützer seines Kontrahenten Ken Paxton machen mit schrägen KI-Videos Wahlkampf in Texas. Das könnte für Trump zum Eigengoal werden.
«Wenn du eine Liste mit 1000 Adjektiven machen müsstest, um diesen Typ zu beschreiben, wäre ‹maskulin› nicht dabei»: So beschreibt der texanische Senator Ted Cruz seinen politischen Gegner James Talarico.
«Ich meine, dieser Typ: Wenn eine steife Brise käme, würde sie ihn umwerfen wie eine Feder», macht Cruz weiter: «Und seine Kampagne! Er hat eine vegan-kein-Fleisch-Kampagne. Weil Fleisch die Welt zerstört. Er ist gegen Öl und Gas – das ist die Demokratische Partei.»
Talarico kämpft bei den Zwischenwahlen im Herbst um den zweiten Senatorensitz in Texas und tritt gegen den Republikaner Ken Paxton an. Bisher hat diesen Sitz John Cornyn inne, der sich in den Vorwahlen seiner Partei jedoch nicht gegen Paxton durchsetzen konnte. Weil Cornyn nicht Trumps Segen bekommen hat, muss er nach 24 Jahren als Senator abtreten.
Paxton hat unmittelbar nach dem parteiinternen Sieg den Kurs vorgegeben: Der Republikaner hat Talarico in seiner Dankesrede als «Tofu-Talarico», «Sechs-Geschlechter-Jimmy», «James Tala-Freak-o» oder «Low-T-Talarico» beschrieben. «Low T» steht für tiefes Testosteron.
Sein demokratischer Widersacher sei ein «Veganer, der glaubt, Gott sei nicht binär». Ted Cruz knüpft mit seiner Tirade an diese Klischees an – und Paxtons Unterstützer, die sich Citizens for Sanity (auf Deutsch: Bürger der Vernunft) nennen, vertiefen diese Kampagne mit KI-Videos von Talarico, die den Texaner*innen auf Facebook und Instagram ausgespielt werden.
Here's another one of the AI generated paid digital ads that just started running in Texas against Talarico from the group Citizens for Sanity pic.twitter.com/PAQYgpS8H0
— Andrew Arenge (@MrArenge) June 11, 2026
Die einen wirken noch scheinbar harmlos – siehe oben: Das erzählt eine junge Frau der anderen vom Talarico-Wörterbuch. Das Wort für «Rechte von Eltern» existiere darin nicht. Weiter heisst es, Talaricos Wort für «Frau» wäre «Nachbarin mit einer Gebärmutter».
Einige Videos sollen wohl implizieren, dass Talarico homosexuell ist. In einem anderen KI-Video singt Talarico im Frauenkleid davon, wie er die Geschlechter aller Nachfahren der Zuschauer ändern will. «Mädchen werden mit Hormonen vollgestopft, bis ihnen Schnurrbärte wachsen», lautet eine Zeile in diesem Clip.
NEW: The Trump-aligned org Citizens for Sanity is dropping a six-figure ad buy in the Texas Senate race.
— Reagan Reese (@reaganreese_) June 9, 2026
The ad is a 15 second clip of AI-generated James Talarico singing a "trans kids" rendition of “Favorite Things."
Obtained first by @DailyCaller: pic.twitter.com/JNY8vxYueG
Dass das Zusammenspiel zwischen dem Team Paxton und den selbsternannten Citizens for Sanity reibungslos klappt, zeigt dieses KI-Video: Es greift das Narrativ von «Sechs-Geschlechter-Jimmy» auf, als Talarico vermeintlich bei der TV-Show «Glücksrad» mitmacht.
This AI paid digital ad now running on Facebook + Instagram features James Talarico playing Wheel of Fortune pic.twitter.com/ay80AVWPBA
— Andrew Arenge (@MrArenge) June 11, 2026
«Jesus Christus war ein radikaler Feminist», schreit Talarico im nächsten KI-Video wie ein Wahnsinniger – mit einem Schild um den Hals, auf dem steht: «Gott ist nonbinär.» Jesus habe ihm mit seiner whiteness, also seiner «Weissheit», und seiner Maskulinität geholfen, heisst es weiter.
«Ich bin nicht verrückt. Ich bin James Talarico», brüllt er wie von Sinnen, während eine blonde Frau ihre beiden blonden Töchter in Sicherheit bringt. «Schaut ihm nicht in die Augen», warnt die KI-Mutter.
The text with this paid digital ad says "Yes, this video is AI, but these are James Talarico's REAL views."
— Andrew Arenge (@MrArenge) June 11, 2026
The ends with AI Talarico saying "I'm not crazy, I'm James Talarico" pic.twitter.com/3REaBP6NoW
Dieser Clip greift Paxtons Narrativ auf, Talarico wolle für Einwanderer und Einwanderinnen die Willkommensfussmatte auslegen. Es geht um ein aus dem Zusammenhang gerissenes Zitat: Der Demokrat sprach mit Blick auf die Grenze zu Mexiko tatsächlich einmal von so einer Fussmatte, hat aber ergänzt, dass er das Haus sehr wohl gut abschliessen würde.
This AI created paid digital ad that is now running on Facebook + Instagram in Texas features an artificial version of James Talarico rolling out welcome mat to immigrants at the Mexican border pic.twitter.com/ENWWPbWRLi
— Andrew Arenge (@MrArenge) June 11, 2026
Was die Aggressivität des Paxton-Lagers erklärt: Der republikanische Kandidat liegt in der jüngsten Umfrage der Siena University, die vom 1. bis 4. Juni erhoben worden ist, mit 46 Prozent gleichauf mit seinem demokratischen Kontrahenten.
Dieses Gebaren beschränkt sich nicht nur auf Paxton und seine Anhänger – auch der republikanische Gouverneur von Texas kann es sich nicht verkneifen, ein Bild von Talarico als Frau zu posten. Greg Abbott hält dem Demokraten in dem Facebook-Post vor, sich für das Klima stark zu machen.
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Donald Trump spricht Ende Mai bei «Fox News» über Talarico: «Die werden nicht zulassen, dass Männer im Frauensport mitspielen. Das werden sie nicht. Wissen Sie, dieser Transgeschlechtliche, dieser Typ, der in Texas kandidiert – er sagt, es gäbe sechs Geschlechter. Er trägt ständig eine Maske. Er ist ein Katastrophenkandidat.»
:Trump holds an image comparing James Talarico to magazine character Alfred E. Neuman.l in White House meeting Paxton !!
— Dr. Farrukh Shamim ( Muhammad Malik) (@mmalikx7) June 3, 2026
It’s not AI it just bullying .. NOT PRESIDENTIAL AT ALL
🤨 pic.twitter.com/0Yyy7vyMDP
«Auch wenn in Texas seit Jahrzehnten kein Demokrat mehr gewonnen hat, setzen die Republikaner immer noch darauf, gezielt die ‹Manosphäre› anzusprechen. Diese Joe-Rogan-Typen waren eine entscheidende Wählergruppe bei Trumps Wiederwahl», analysiert das US-Magazin «Time».
Joe Rogan to James Talarico: “People like you, I’d like to see more of in politics. You need to run for president. We need someone who’s actually a good person” pic.twitter.com/samDrh7IGq
— Marco Foster (@MarcoFoster_) May 28, 2026
Doch auch Talarico war beim rechten Podcaster Joe Rogan zu Gast – und die beiden haben sich gut verstanden. Rogan hat den Demokraten am Ende sogar lachend ermuntert, in das Rennen um die Präsidentschaft einzusteigen. «Time» endet mit dem Satz: «Das könnte die aufschlussreichste Wahl der Midterms sein.»
Und Talarico? Was sagt der 37-Jährige zu den Angriffen? «Es gab in diesem Wahlkampf viel Gerede darum, was es heisst, ein echter Mann zu sein», greift der Texaner beim Sender MS Now den Ball auf. Dann spricht er über seinen Adoptivvater Mark, der jeden Samstag den Rasen gemäht hat. Auch bei der alten Nachbarin, ohne dass sie je darum gebeten habe.
«Mein Dad hat nie darüber gesprochen», so Talarico. «Er hat es einfach gemacht. Denn das ist es, was Männer tun. Ein Mann trägt Verantwortung. Ein Mann hält sein Engagement für Familie und Nachbarn hoch. Ein Mann tut das Richtige, auch wenn niemand hinguckt.»
Talarico: Here's what real men don't do. They don't lie and cheat their way through life. They don't sell their soul to the highest bidder. Real men serve others, weak men serve themselves. So I welcome this debate. I don't think Paxton or Cruz are in a position to tell anyone what a real man is.
— Acyn (@acyn.bsky.social) 12. Juni 2026 um 03:34
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Dann schlägt Talarico den Ball zurück: «Hier ist, was echte Männer nocht tun: Sie schummeln und lügen sich nicht durchs Leben. Sie verkaufen ihre Seele nicht an den Meistbietenden. Sie stehlen nicht von anderen, um sich selbst zu bereichern. Echte Männer dienen anderen, schwache Männer dienen sich selbst.»
Deshalb begrüsst Talarico die Debatte: «Ich glaube nicht, dass Paxton oder Cruz in der Lage sind, irgendjemandem zu sagen, was einen echten Mann ausmacht.» Die Texaner*innen würden unter hohen Preisen leiden: Die Grabenkämpfe, die die Republikaner anzettelten, würden an diesem Problem nichts ändern.
«Die Tatsache, dass Politiker, inklusive unseres amtierenden US-Senator Ted Cruz, mit peinlichen, billigen Spitznamen für den politischen Gegner um sich werfen, anstatt sich darauf zu konzentrieren, das Leben der Texaner*innen zu verbessern, zeigt alles, was falsch ist an unserer Politik», sagt Talarico. «Und deshalb haben die Leute das kaputte System so satt.»
Talarico: It looks a lot more like professional wrestling, right? You've got these old guys lathered up in their fake tan, throwing cheesy nicknames at each other. And those nicknames, they don't lower the cost of groceries.
— Acyn (@acyn.bsky.social) 12. Juni 2026 um 03:36
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Die Kampagne der Republikaner könnte tatsächlich zu einem Eigengoal werden. Ted Cruz etwa bekommt auf Social Media nach seinem Maskulin-Vorstoss jede Menge Gegenwind, Spott und Häme. Und nun springt sogar der Anwalt ab, der Ken Paxton bei dessen Amtsenthebungsverfahren 2023 vertreten hat, als seine eigene Partei den Staatsanwalt abgesägte.
Talarico betont, er wolle die Leute zusammenbringen. «Und genau deshalb unterstütze ich Sie», sagt Paxtons Ex-Anwalt Dan Cogdell im Gespräch mit dem Demokraten. «Ken hat sein Kernziel aus den Augen verloren – die Repräsentation der Leute von Texas.» Talarico habe das Zeug, Demokraten, Republikaner und Unabhängige zu einen. «Und das brauchen wir jetzt.»
The lawyer who defended Ken Paxton during his impeachment trials has announced he is endorsing James Talarico.
— Hoodlum 🇺🇸 (@nothoodlum.bsky.social) 8. Juni 2026 um 21:43
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Der scheidende republikanische Senator Johny Cornyn sagt der «New York Times» mit Blick auf Trumps Unterstützung für Paxton: «Das wird die Lage erschweren, in Texas sicherlich [den Wahlkampf der Republikaner] verteuern und es im ganzen Land schwieriger machen.» Immerhin könnte seine Partei bei den Zwischenwahlen die Mehrheit im Senat verlieren.
Der Präsident werde diesen Schachzug bereuen, prophezeit der 74-Jährige: «Ich sage das nicht aus irgendwelchen Rachegelüsten heraus, ich glaube einfach, dass es so kommen wird: Er wird in den letzten beiden Amtsjahren die elendsten zwei Jahre seines Lebens haben, denke ich. Denn ich glaube, der November [mit den Zwischenwahlen] wird eine Katastrophe werden.»