«Von Hausfrauen in der Küche gebaut»Rheinmetall-CEO spottet über ukrainische Drohnen – der Konter kommt sofort
Stefan Michel
29.3.2026
Frauen bauen in der Ukraine nicht nur Drohnen zusammen, sie fliegen sie auch.
KEYSTONE
Rheinmetall-Chef Armin Pappberger hat sich in einem Interview abfällig über die ukrainissche Drohnen-Produktion geäussert. Der Konter der Ukraine sitzt. Ein deutscher Militärexperte wirft ihm Überheblichkeit vor.
Stefan Michel
29.03.2026, 16:15
29.03.2026, 16:28
Stefan Michel
Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen
Rheinmetall-Chef Armin Papperger stellte die Innovationskraft der ukrainischen Drohnenentwicklung infrage und verglich deren Produktion abwertend mit «Lego-Spielerei» und improvisierten Küchenlösungen.
In der Praxis erweisen sich günstige, oft unter 1000 Euro teure Drohnen der Ukraine als äusserst effektiv, da sie millionenschwere russische Militärtechnik zerstören und die Kriegsführung verändern.
Die Aussagen lösten Kritik und Spott aus. Experten warnen, der Rheinmetall-Vorstandsvorsitzende unterschätze die Bedeutung kostengünstiger Massenwaffen in der modernen Kriegsführung.
In einem Interview mit dem Magazin «The Atlantic» stellte der Vorstandsvorsitzende die Innovationskraft der Ukraine infrage und zog einen provokanten Vergleich: Der Bau von Kriegsdrohnen erinnere ihn an ein Spiel mit «Lego-Steinen», berichtet t-online.
«So spielt man mit Lego-Steinen», sagte Papperger wörtlich. Und legte nach: «Was ist die Innovation der Ukraine?» Die Entwicklungen seien kein technologischer Durchbruch, vielmehr handle es sich um improvisierte Lösungen. Für ihn sei das nicht vergleichbar mit der Hightech-Rüstungsindustrie von Konzernen wie Lockheed Martin, General Dynamics oder Rheinmetall selbst.
Damit nicht genug: Papperger soll laut Bericht sogar gespottet haben, ukrainische Drohnenproduzenten seien ukrainische Hausfrauen, die 3D-Drucker in der Küche nutzen, um Bauteile herzustellen. Der Manager sieht in dieser Entwicklung keine Innovation.
Dabei zeichnet die Realität auf dem Schlachtfeld ein anderes Bild. Seit Beginn der russischen Vollinvasion hat die Ukraine ihre Drohnenkapazitäten massiv ausgebaut – mit bemerkenswertem Erfolg. Oft sind es einfache, handelsübliche Kleindrohnen, die mit Sprengstoff ausgestattet werden und gezielt russisches Militärgerät angreifen.
Der Clou: Viele dieser Systeme kosten weniger als 1000 Euro – und zerstören dennoch Panzer und Artillerie im Wert von mehreren Millionen. Parallel dazu wächst auch die heimische Rüstungsproduktion, die zunehmend eigene, spezialisierte Kriegsdrohnen entwickelt. In einem Krieg, in dem die Ressourcen so ungleich verteilt sind wie jenem zwischen Russland und der Ukraine ist beides ein enormer Vorteil für das angegriffene Land. Wobei längst auch Russland auf Billig-Drohnen setzt.
— GoodFellaBoi ➕ (Майк) 🏴☠️ 🇦🇺 (@GoodFellaBoiBoi) March 29, 2026
Die Ukraine reagiert mit der bekannten Mischung aus demonstrierter Entschlossenheit und bissigem Humor. Der Drohnenhersteller SkyFall erklärte: «Wenn eine Drohne, die von ukrainischen ‹Hausfrauen› gebaut wurde, ausreicht, um Panzer und Artillerie auszuschalten, dann sind wir wohl offiziell in der Ära der ‹Hausfrauen› angekommen.»
Noch deutlicher wurde Präsidentenberater Alexander Kamyshin. Er schrieb auf X: «Unsere Lego-Drohnen, die von Hausfrauen in ihren Küchen gebaut wurden, haben bereits mehr als 11'000 russische Panzer zerstört.»
Der britische Freiwillige Richard Woodruff veröffentlichte ein Foto vor einem Stapel Drohnen und kommentierte ironisch, er habe «erst heute erfahren», dass er «eine ukrainische Hausfrau» sei.
🤦♀️ "It's Ukrainian housewives. They have 3-D printers in the kitchen, and they produce parts for drones. This is not innovation." -Rheinmetall CEO Armin Papperger
Kritik kommt auch aus Deutschland. Militärexperte Nico Lange warnte vor den Folgen einer solchen Haltung: «Die Überheblichkeit so mancher in Bundeswehr, Industrie und Politik gegenüber der neuen Ökonomie des Krieges mit massenweisen billigen Drohnen und Raketen könnte für uns noch zum ernsten Sicherheitsrisiko werden.»
Rheinmetall selbst gehört zu den grossen Profiteuren des Ukraine-Kriegs. Der Konzern produziert vor allem Panzer, Artillerie, Munition und Militärfahrzeuge – einige davon sind im Einsatz in der Ukraine. Mit rund 33'000 Mitarbeitern erzielte das Unternehmen zuletzt einen Umsatz von 9,9 Milliarden Euro – ein Plus von 29 Prozent. Der Hauptsitz liegt in Düsseldorf, das grösste Werk im niedersächsischen Unterlüss.
We have the utmost respect for the Ukrainian people’s immense efforts in defending themselves against the Russian attack - now for more than four years. Every single woman and man in 🇺🇦 is making an immeasurable contribution. It is to Ukraine’s particular credit that it is…
In einem Kommentar zum Post von Alexander Kamyshin gibt Rheinmetall über seinen offiziellen X Account bekannt, das Unternehmen habe grössten Respekt vor den immensen Anstrengungen der Menschen in der Ukraine, um sich gegen den russischen Angriff zu wehren. Der Präsidentenberater bedankt sich denn auch höflich für die Unterstützung aus Deutschland.
Die Debatte zeigt: Während Hightech-Konzerne auf komplexe Waffensysteme setzen, verändert die Ukraine mit günstigen, flexibel produzierten Drohnen zunehmend die Spielregeln des modernen Krieges – und stellt damit etablierte Denkweisen in Frage. Auf industrielle Rüstungsgüter ist das angegriffene Land trotzdem angewiesen.