Nonnen beten für den Papst vor der Poliklinik Agostino Gemelli in Rom, wo er seit 14. Februar 2025 stationär behandelt wird. Foto: Kirsty Wigglesworth/AP/dpa
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Im Vatikan wird es nach einem halben Monat Abwesenheit von Papst Franziskus zunehmend unruhig. Der 88-Jährige hat die erste Zeit nach seinem jüngsten Atemnot-Anfall von Freitag nach offiziellen Angaben ohne weitere Krisen überstanden. Wegen der schweren Lungenentzündung bleiben die Ärzte im Gemelli-Krankenhaus von Rom mit weiteren Prognosen jedoch sehr vorsichtig. Die Spekulationen über einen Wechsel an der Spitze des katholischen Kirchenstaats reissen nicht ab.
Keystone-SDA
02.03.2025, 12:40
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Der Vatikan ist sichtlich bemüht, die Gerüchte über einen Rücktritt von Franziskus nach dem Vorbild seines deutschen Vorgängers Benedikt XVI. wieder unter Kontrolle zu bringen. Der einflussreiche italienische Kardinal Angelo Bagnasco mahnte am Wochenende, es gebe keinen Grund, darüber zu reden. «Die Kirche ist kein Unternehmen.» Trotzdem gingen die Spekulationen weiter – zumal für Franziskus in nächster Zeit wichtige Termine bevorstehen.
Mitte März zwölf Jahre im Amt – und im Krankenhaus?
Nächste Woche ist es zwölf Jahre her, dass der Argentinier – mit bürgerlichem Namen Jorge Mario Bergoglio – zum Papst gewählt wurde. Einen Monat später beginnt die Osterwoche mit einem Höhepunkt am Ostersonntag: Dann spendet das Oberhaupt von weltweit 1,4 Milliarden Katholiken normalerweise vom Balkon des Petersdoms den Segen «Urbi et Orbi» ("Der Stadt und dem Erdkreis"). Darauf hat Franziskus noch nie verzichtet. Zudem ist 2025 auch noch ein «Heiliges Jahr» mit besonders vielen Rom-Pilgern.
Nach mehr als zwei Wochen im Gemelli-Krankenhaus zeichnet sich jedoch nicht ab, dass der Pontifex bald entlassen werden könnte. Im Bulletin aus der Klinik, das jeden Abend verbreitet wird, heisst es mit grosser Regelmässigkeit: «Die Prognose bleibt verhalten.» Zudem heisst es, der Fall sei «komplex». Aus medizinischer Sicht ist eine Lungenentzündung mit verschiedenen Erregern in so hohem Alter sehr kritisch.
Vatikan: Papst «stets wachsam und orientiert»
Inzwischen hat der Papst zwei schwere Atemnot-Anfälle hinter sich. Zuletzt erlitt er nach offiziellen Angaben am Freitag einen sogenannten Bronchospasmus: Die Muskeln in den Atemwegen verkrampften sich, er schien keine Luft mehr zu bekommen und musste sich übergeben. Daraufhin bekam er über eine Maske auf Mund und Nase mechanisch Sauerstoff zugeleitet. Betont wurde aber, dass er zu keinem Zeitpunkt künstlich beatmet wurde.
Das Wochenende verlief dem Vatikan zufolge bis Sonntagmittag ohne neue Komplikationen. Franziskus könne aufstehen, ernähre sich normal und sei auch «stets wachsam und orientiert». Am Morgen hiess es wieder, er habe eine ruhige Nacht verbracht. Allerdings musste der Papst sein Sonntagsgebet vor Zehntausenden Gläubigen auf dem Petersplatz zum dritten Mal hintereinander ausfallen lassen. Das gab es in seiner Amtszeit noch nie. Aus der Klinik bedankte er sich schriftlich für Gebete und Genesungswünsche.
Wieder Rosenkranz mit Tausenden Gläubigen auf Petersplatz
Im Unterschied zu früheren Päpsten hat Franziskus Anweisung gegeben, aus seinem Gesundheitszustand kein Geheimnis zu machen. In der Öffentlichkeit war er seit seiner Einlieferung aber nicht zu sehen. Bei offiziellen Anlässen vertreten ihn hochrangige Kardinäle. Auf dem Petersplatz wird nun jeden Abend mit Tausenden Teilnehmern für ihn ein Rosenkranz gebetet. Mit seinen 88 Jahren ist er inzwischen der zweitälteste Papst der Geschichte.
Trotz verschiedener Appelle aus der Kurie – dem Machtapparat des Vatikans – wird längst über Franziskus' Nachfolge spekuliert. Auch Kardinal Bagnasco, der langjährige Vorsitzende von Italiens Bischofskonferenz, konnte daran nichts ändern. Der 82-Jährige hatte in der Zeitung «La Repubblica» gemahnt: «Die Kirche ist kein Unternehmen. Daher scheinen mir diese Gedanken, was sein wird, was getan werden wird und wie, einfach fehl am Platz.»
Spekulationen mit vielen Namen
Am häufigsten wird bei den Spekulationen die Nummer zwei des Vatikans genannt, Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin (70). Als weitere Italiener sind die Kardinäle Pierbattista Pizzaballa, Matteo Zuppi und Claudio Gugerotti im Gespräch. Zuletzt stand 1978 ein Italiener an der Spitze der katholischen Kirche: Johannes Paul I., der nach nur 33 Tagen im Amt starb.
Zum grossen Kreis der genannten Kandidaten gehören aber auch Nicht-Italiener wie Petér Erdö aus Ungarn, Jean-Claude Hollerich aus Luxemburg, Wim Eijk aus den Niederlanden, Jean-Marc Aveline aus Frankreich, Luis Antonio Tagle von den Philippinen, Stephen Chow aus Hongkong oder Fridolin Ambongo Besungu aus dem Kongo. Wahlberechtigt in einem Konklave wären aktuell 137 Kardinäle aus aller Welt.
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