PolitikRuhigere Nacht im Ukraine-Krieg, aber Vorwürfe an Moskau
SDA
6.5.2026 - 14:14
ARCHIV – Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine. Foto: Sven Hoppe/dpa
Keystone
Die erste Nacht der einseitig vom ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj angeordneten Waffenruhe im Ukraine-Krieg ist vergleichsweise ruhig verlaufen.
Keystone-SDA
06.05.2026, 14:14
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Der ukrainische Aussenminister Andrij Sybiha warf Russland aber vor, seine Luftangriffe fortgesetzt zu haben. Moskau habe einmal mehr einen realistischen und fairen Aufruf ignoriert, die Feindseligkeiten zu beenden, schrieb er auf der Plattform X. Das zeige, dass Russland Frieden ablehne.
Sybiha sprach von einem vorgetäuschten Aufruf Russlands zu einer Feuerpause am 9. Mai, die nichts mit Diplomatie zu tun habe. Kremlchef Wladimir Putin interessiere sich nur für Militärparaden, nicht für Menschenleben, schrieb Sybiha. Er forderte mehr Druck auf Russland.
Selenskyj hatte den Beginn der Waffenruhe auf 0.00 Uhr Ortszeit am Mittwoch (Dienstag 23.00 Uhr MESZ) festgesetzt. Von russischer Seite hatte Präsident Putin zuvor eine Waffenruhe nur für Freitag und Samstag angeordnet, wenn in Russland an den sowjetischen Sieg im Zweiten Weltkrieg erinnert wird. Für den 9. Mai ist in Moskau die traditionelle Militärparade auf dem Roten Platz geplant. Den ukrainischen Vorstoss für eine frühere Waffenruhe kommentierte der Kreml zunächst nicht.
Weniger Angriffe gemeldet
Das Verteidigungsministerium in Moskau teilte russischen Agenturen zufolge mit, dass in der Nacht 53 ukrainische Drohnen über russischem Gebiet und der annektierten Schwarzmeerhalbinsel Krim abgewehrt worden seien – deutlich weniger als zuletzt. Das Ministerium sprach von einem Zeitraum zwischen 21.00 Uhr und 7.00 Uhr Ortszeit (20.00 Uhr und 6.00 Uhr MESZ). Der Angriff auf die Krim ereignete sich allerdings vor Mitternacht.
Angaben der Besatzungsverwaltung zufolge wurden fünf Zivilisten in der Stadt Dschankoj getötet. Ab Tagesbeginn gab es in staatlichen russischen Medien so gut wie keine Meldungen zu Gefahr durch ukrainische Drohnen.
Auch die Intensität der russischen Luftangriffe auf die Ukraine liess nach ersten Informationen etwas nach. Die ukrainische Luftwaffe meldete aber auch nach Beginn der von Selenskyj angekündigten Waffenruhe den Anflug von Drohnen unter anderem nach Charkiw. Am Morgen teilte sie mit, dass Russland seit Dienstag 18.00 Uhr (17.00 Uhr MESZ) mit drei Raketen und 108 Drohnen angegriffen habe. Davon seien 89 Drohnen abgewehrt worden.
In der Nacht zuvor hatte die ukrainische Luftwaffe Angriffe mit elf ballistischen Raketen und 164 Drohnen gezählt.
Im Gebiet Sumy im Nordosten des Landes kam nach Behördenangaben am Morgen eine Frau bei einem Drohnenangriff ums Leben. Russland habe ein ziviles Auto attackiert, schrieb Militärgouverneur Oleh Hryhorow bei Telegram.
Die ukrainische Feuerpause gelte unbefristet, solange Russland nicht angreife, hatte der ukrainische Präsidialamtschef Kyrylo Budanow erläutert. «Wenn die Waffenruhe gegenseitig eingehalten wird, dann setzen wir diese fort.» Selenskyj hatte gesagt, Kiew werde spiegelbildlich reagieren, wenn die russische Seite nicht sich nicht daran halten sollte.
Trump als Adressat?
Mit ihrem Fernduell um eine Waffenruhe versuchen Selenskyj und Putin auch, US-Präsident Donald Trump von ihrem Friedenswillen zu überzeugen. Trump und Putin hatten Ende April am Telefon über eine mögliche Waffenruhe zu den Feierlichkeiten zum 9. Mai gesprochen.
Allerdings hat sich Kiew immer wieder für einen dauerhaften Waffenstillstand ausgesprochen, dem ein Friedensschluss mit Sicherheitsgarantien für die Ukraine folgen soll. Moskau lehnt längere Waffenruhen ab und setzt trotz zunehmender Schwierigkeiten darauf, seine Ziele in der Ukraine durchzusetzen. Bemühungen um eine Friedenslösung liegen auf Eis, auch weil Trump und die US-Führung durch den Iran-Krieg abgelenkt sind.
Bisherige Feuerpausen waren brüchig
In dem vor mehr als vier Jahren von Putin befohlenen Angriffskrieg gegen die Ukraine gab es schon mehrfach Versuche, die Waffen vorübergehend schweigen zu lassen. Zuletzt wurde eine begrenzte Feuerpause anlässlich des orthodoxen Osterfests ausgerufen. Dabei hielten sich beide Seiten mit weitreichenden Luftangriffen zurück. An der Front am Boden wurde jede Bewegung des Gegners aber weiter mit kleinen Drohnen bekämpft.
Im vergangenen Jahr sollten anlässlich der Feierlichkeiten zum 80. Jahrestag des Weltkriegsendes drei Tage lang die Waffen ruhen. Moskau und Kiew haben einander in der Vergangenheit bei Feuerpausen immer wieder Verstösse vorgeworfen.
Tote und Verletzte in der Ukraine
Bis kurz vor dem Zeitraum der von Selenskyj angesetzten Waffenruhe bekämpften beide Seiten einander noch mit grosser Heftigkeit. Im Laufe des Dienstags tötete die russische Armee mit Luftangriffen und Artilleriebeschuss mehr als 25 ukrainische Zivilisten in Saporischschja, Kramatorsk, Dnipro und anderen Städten.
Die Ukraine traf in der Nacht zum Dienstag eine Rüstungsfabrik und eine grosse Raffinerie in Russland mit Kampfdrohnen und griff auch den Tag über immer wieder an. Der Flugverkehr der Hauptstadt Moskau war am Abend gestört.
Johann Wadephul: UN muss Verantwortung im Iran-Krieg übernehmen
Berlin, 27.04.2026: Krisendiplomatie in New York: Aussenminister Johann Wadephul fordert mehr Einsatz vom UN-Sicherheitsrat im Iran-Konflikt.
O-Ton Johann Wadephul, Aussenminister
«Die UN müssen jetzt ihrer Verantwortung gerecht werden, insbesondere der Sicherheitsrat. Kriege und Konflikte schwelen, und wir sehen zum Teil die Unfähigkeit von Staaten, effektive Konfliktlösungsmechanismen in Kraft zu setzen. Insbesondere der Konflikt um den Iran und die blockierte Strasse von Hummus wird ein Thema sein, zu dem ich auch das Wort ergreifen werde im Sicherheitsrat.»
Wadephul fordert, der UN-Sicherheitsrat müsse handlungsfähiger werden: Blockaden, auch durch China und Russland, dürften Lösungen nicht länger verhindern.
Deutschland hofft zudem auf ein UN-Mandat für eine mögliche Mission in der Strasse von Hormus, einer wichtigen Route für die weltweite Energieversorgung.
In New York plant Wadephul Gespräche mit UN-Generalsekretär António Guterres sowie weiteren ranghohen UN-Vertretern und Amtskollegen. Dabei soll es auch um die Zukunft der Vereinten Nationen gehen.
28.04.2026
Einsatz im Mittelmeer: Minenjagdboot wird bald wegen Iran-Krieg verlegt
Das deutsche Minenjagdboot «Fulda» soll schon bald aufbrechen – Verteidigungsminister Boris Pistorius will, dass es schnell geht, sollte demnächst ein Einsatz zur Sicherung der Strasse von Hormus anstehen. Pistorius betont, Voraussetzung für einen Einsatz sei zuallererst ein Ende der Kampfhandlungen im Krieg der USA und Israels mit dem Iran. Zudem erinnert er daran, dass ein solcher Einsatz nur mit einem Mandat des Bundestags möglich sei.
27.04.2026
Pete Hegseths «Pulp Fiction»-Gebet
Verteidigungsminister Pete Hegseth zitiert am 16. April auf einer Pressekonferenz in Washington ein abgewandeltes Gebet, das bei der Rettung der US-Piloten im Iran gesprochen worden sei.
«Sie nennen es CSAR [Combat Search and Rescue] 25:17, was meiner Meinung nach Hesekiel 25:17 reflektieren soll», sagt er und betet drauflos. Hegseth zitiert ein abgewandeltes Gebet, das bei der Rettung der US-Piloten im Iran gesprochen worden sei. «Sie nennen es CSAR [Combat Search and Rescue] 25:17, was meiner Meinung nach Hesekiel 25:17 reflektieren soll», sagt er und betet drauflos.
Im Video siehst du jedoch, dass es sich um ein abgewandeltes Zitat aus dem Kultfilm «Pulp Fiction» von 1994 handelt, das nur an den Bibelvers angelehnt ist.
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