Skandal in Colorado Bestatter liess 200 Leichen verwesen – 40 Jahre Haft

dpa

7.2.2026 - 07:27

Der Bestatter liess über Jahre rund 200 Leihen in einem baufälligen Gebäude verwesen. (Symbolbild)
Der Bestatter liess über Jahre rund 200 Leihen in einem baufälligen Gebäude verwesen. (Symbolbild)
sda

Ein Bestatter in Colorado ist zu 40 Jahren Haft verurteilt worden, weil er rund 200 Leichen jahrelang verwesen liess und Angehörigen falsche Asche verkaufte.

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  • Ein Bestattungsunternehmer in Colorado liess rund 200 Leichen verwesen, statt sie einzuäschern.
  • Angehörigen verkaufte er gegen Geld Trockenbeton als angebliche Asche.
  • Dafür wurde er zu 40 Jahren Haft verurteilt.

Ein Gericht im US-Bundesstaat Colorado hat eine lange Haftstrafe gegen einen Bestattungsunternehmer verhängt, der über Jahre rund 200 Leichen in einem baufälligen Gebäude verwesen liess anstatt sie einzuäschern. Von den trauernden Familien kassierte Jon H. nach Angaben von Ermittlern Geld, übergab ihnen Trockenbeton und machte ihnen weis, es handele sich um die Asche ihrer toten Angehörigen.

Richter Eric Bentley verurteilte ihn am Freitag (Ortszeit) zu 40 Jahren Haft. Hinterbliebene hatten die Höchststrafe von 50 Jahren gefordert und H. als ein «Monster» bezeichnet, dessen Taten ihnen Alpträume bereitet habe.

Der Unternehmer und seine Frau waren angeklagt, 189 Leichen seit 2019 in dem Gebäude in der Kleinstadt Penrose südwestlich von Colorado Springs abgelegt zu haben. Der Betrug kam ans Licht, als sich Nachbarn 2023 über beissenden Gestank beschwerten. Die Behörden fanden überall im Gebäude übereinander gestapelte Leichen, von denen einige von Insekten wimmelten. Einige Überreste waren derart verwest, dass sie nicht mehr identifiziert werden konnten.

Ex-Paar einigte sich auf Deal im Strafverfahren

H. und seine Ex-Frau Carie H., die die Bestattungsfirma mitbetrieben hatte, bekannten sich im Dezember im Rahmen einer Verständigung im Strafverfahren in rund 200 Fällen von Leichenschändung schuldig. Sie seien offensichtlich von Gier getrieben gewesen, sagte Staatsanwältin Shelby Crow. Demnach verlangten die Angeklagten mehr als 1200 Dollar (rund 1000 Euro) pro Kunde.

In den Jahren, in denen sie die Leichen im Gebäude verrotten liessen, lebten sie Gerichtsakten zufolge in Saus und Braus. Das Geld, das das frühere Paar für Luxusgüter ausgegeben habe, hätte die Kosten für die Einäscherung aller Leichen um ein Vielfaches abgedeckt, erklärte Crow.

Die Verteidigung von H. beantragte vergeblich eine Haftstrafe von 30 Jahren. Als Argument führte sein Anwalt an, dass es sich nicht um ein Gewaltverbrechen gehandelt und sein Mandant keine Vorstrafen habe.

Mutter «wie Müll von gestern behandelt»

Im Prozess sagten einige Hinterbliebene aus, darunter Kelly Mackeen, die die Firma von H. beauftragt hatte, ihre Mutter zu bestatten. «Ich bin eine Tochter, deren Mutter wie der Müll von gestern behandelt und an einem Ort abgeladen wurde, wo sie zusammen mit Hunderten anderen verrottete», erklärte Mackeen. Andere berichteten, sie würden seit der Aufdeckung der Machenschaften der Angeklagten immer wieder von Alpträumen über verwesende Leichen und Maden geplagt.

Richter Bentley sagte vor der Verkündung des Strafmasses zu H., dieser habe «unsäglichen und unbegreiflichen» Schaden angerichtet. «Ich glaube persönlich, dass jeder von uns, jeder Mensch, im Kern gut ist. Aber wir leben in einer Welt, die diesen Glauben jeden Tag auf die Probe stellt – und (...) Ihre Verbrechen stellen diesen Glauben auf eine harte Probe.»

Verurteilter gibt sich zerknirscht

H. entschuldigte sich und erklärte, er werde seine Taten für den Rest seines Lebens bereuen. «Ich hatte so viele Gelegenheiten, allem ein Ende zu setzen und wegzugehen, aber ich habe es nicht getan», sagte er. «Meine Fehler werden eine Generation lang nachhallen. Alles, was ich getan habe, war falsch.»

Das Strafmass für seine Ex-Frau soll Ende April verkündet werden. Ihr drohen 25 bis 35 Jahre Haft.

In einem Bundesverfahren bekannten sich H. und seine Ex-Frau zudem schuldig, 900'000 Dollar aus Corona-Hilfen für Kleinunternehmen erschlichen zu haben. Dafür wurde H. zu 20 Jahren Haft verurteilt, das Strafmass für Carie H. steht noch aus. Die Vereinbarung aus dem Verfahren um die Leichenschändungen sieht vor, dass die Haftstrafe im Staat Colorado gleichzeitig mit der auf Bundesebene verhängten Strafe verbüsst wird.