Schlacht um Kupjansk Moskau erklärt Frontstadt für erobert – selbst eigene Blogger widersprechen

Philipp Fischer

16.12.2025

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat sich demonstrativ am Rande der Stadt Kupjansk im Osten des Landes gezeigt.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat sich demonstrativ am Rande der Stadt Kupjansk im Osten des Landes gezeigt.
Bild: X/Volodymyr Zelenskyy

Russland hat nach eigenen Angaben die seit Wochen schwer umkämpfte und strategisch wichtige Stadt Kupjansk im Nordosten der Ukraine eingenommen. Doch die Ukraine schlägt offenbar erfolgreich zurück, berichten russiche Militärblogger.

Philipp Fischer

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Die russische Armee hat die Einnahme der Stadt Kupjansk im Osten der ukrainischen Oblast Charkiw vermeldet.
  • Russische Militärblogger dementieren dagegen die Eroberung der Frontstadt durch russische Truppen.
  • Gleichzeitig melden ukrainische Kräfte melden Geländegewinne in Kupjansk – Präsident Selenskyj zeigt sich sogar am Stadtrand.

Einmal mehr erklärt Moskau die ukrainische Stadt Kupjansk für erobert. Kupjansk stehe «unter der Kontrolle der Sechsten Russischen Armee», erklärte der Sprecher in dem Gebiet stationierten Truppengruppe Sapad, Leonid Scharow, am Dienstag gegenüber der staatlichen Nachrichtenagentur Tass. «Kleine Gruppen» ukrainischer Soldaten versuchten «jeden Tag», nach Kupjansk vorzudringen, räumte Scharow ein. Er betonte jedoch, dass «alle Stadtteile unter der Kontrolle der russischen Streitkräfte» stünden.

Die russische Armee hatte die Einnahme von Kupjansk bereits Ende November vermeldet. Gleichzeitig berichten ukrainische Streitkräfte, die Kreml-Truppen zurückgeschlagen und den Angreifern schwere Verluste zugefügt zu haben.

Am Freitag zeigte sich der ukrainische Präsident Selenskyj trotz Geschützdonner demonstrativ am Stadtrand von Kupjansk. «Viel haben die Russen von (der Eroberung der Stadt) Kupjansk gesprochen. Wir sehen, wie es ist», sagte der Staatschef in einem Video. Dabei stand er mit Schutzweste – aber ohne Helm – vor dem Hintergrund der zerstörten Ortseingangs-Stele. Er dankte den Soldaten für ihren Einsatz. «Heute ist es ausserordentlich wichtig, Ergebnisse an der Front zu erzielen, damit die Ukraine Ergebnisse in der Diplomatie erreichen kann», sagte er.

Zeitgleich mit dem Besuch Selenskyjs meldet die ukrainische Armee die Rückeroberung zweier Dörfer in der Region Charkiw. Die Ortschaften Kindraschiwka und Radkiwka sowie nördliche Teile der strategisch wichtigen Stadt Kupjansk seien «befreit» worden, erklärte die ukrainische Brigade Chartia in Onlinediensten. Durch einen Durchbruch bis zum Fluss Oskil sei zudem die Versorgungslinie der russischen Streitkräfte unterbrochen worden.

Russische Offensive in der Defensive

Auch der russische Kriegspropagandist Juri Podoljaka sieht Putins anrennende Soldaten bei Kupjansk mehr und mehr in der Defensive. Die Lage verschlechtere sich rapide, so der Militärblogger auf Telegram. Gleichzeitig berichtet das ukrainische Open-Source-Intelligence-Projekt DeepStateUA auf Telegram von einem angeblichen Vorstoss ukrainischer Truppen bei Kupjansk.

Gestützt wird die Gegenoffensive ukrainischer Truppen bei Kupjansk vom Online-Kartendienst Deepstate. Sie verzeichneten in den vergangenen Tagen deutliche Geländegewinne für die ukrainische Armee in der Gegend.

Ukrainische Soldaten feuern einen Mörser in der Stadt Kupjansk in der Region Charkiw ab.
Ukrainische Soldaten feuern einen Mörser in der Stadt Kupjansk in der Region Charkiw ab.
Archivbild: Kostiantyn Liberov/AP/dpa

 Kupjansk stand bereits nach dem russischen Einmarsch vom Februar 2022 für knapp sieben Monate unter russischer Kontrolle. Die Stadt mit vor dem Krieg rund 27’000 Einwohnern ist inzwischen weitgehend zerstört.

Mit Agenturmaterial.