Trotz US-Sanktionen: Ungarn darf weiter Energie aus Russland beziehen
STORY: Die USA haben Ungarn eine einjährige Ausnahme von den Sanktionen auf russisches Öl und Gas gewährt. Dies teilte ein Vertreter des Weissen Hauses am Freitag mit. Zuvor hatte der ungarische Ministerpräsident Viktor Orban bei einem Treffen mit Präsident Donald Trump in Washington für eine Ausnahmeregelung geworben. Zahlen des Internationalen Währungsfonds zufolge bezog Ungarn im vergangenen Jahr 74 Prozent seines Gases und 86 Prozent seines Öls aus Russland. Orban, ein langjähriger Verbündeter Trumps, erklärte, sollte sein Land kein Öl und Gas mehr aus Russland beziehen, hätte das für Ungarn gravierende Konsequenzen. Trump, der Europa zu einem Verzicht auf russische Energie drängt, um Moskau zu einem Ende des Krieges in der Ukraine zu bewegen, zeigte sich für Orbans Position verständnisvoll. «Wir schauen uns das an, denn für ihn ist es sehr schwierig, Öl und Gas aus anderen Gebieten zu beziehen. Es ist ein grossartiges Land. Es ist ein grosses Land. Aber sie haben keinen Zugang zum Meer. Sie haben keine Häfen. Und deshalb stehen sie vor einem schwierigen Problem.» Zum Krieg in der Ukraine sagte Trump am Freitag, Russland wolle den Kampf einfach nicht beenden. «Der grundlegende Streitpunkt ist, dass sie einfach noch nicht aufhören wollen.» Auf die Frage, ob er glaube, dass die Ukraine den Krieg gewinnen könne, antwortete Orban, ein «Wunder kann geschehen». Ein geplantes Treffen zwischen Trump und dem russischen Präsidenten Wladimir Putin in der ungarischen Hauptstadt Budapest hatte Trump angekündigt, aber bislang ist es nicht dazu gekommen.
08.11.2025
Ungarns Regierungschef Orban wollte in Washington eine Sonderregelung für sein Land bei Energieimporten aus Russland erwirken. Offenbar war er damit erfolgreich. Zumindest vorerst.
Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen
- Ungarns Premier Viktor Orbán hat bei einem Besuch bei Donald Trump anscheinend eine Sonderregelung beim Import von russischem Öl und Gas erreicht.
- Weil Ungarn so abhängig von russischer Energie ist, darf es diese ein Jahr länger importieren, ohne Sanktionen fürchten zu müssen.
- Kritik an Ungarn kommt aus Kiew und von der EU:
US-Präsident Donald Trump gewährt Ungarn anscheinend eine Ausnahme von den Sanktionen gegen russische Ölkonzerne und will dem EU-Staat ein weiteres Jahr lang Energieimporte aus Russland erlauben.
Das habe Trump dem ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orban bei dessen Besuch in Washington zugesagt, berichteten mehrere Medien wie der TV-Sender CNN unter Berufung auf Vertreter des Weissen Hauses. Öffentlich äusserte sich die Regierungszentrale nicht dazu, Orban selbst sprach aber ebenfalls von einer Sonderregelung für sein Land.
Die US-Regierung hatte im Oktober neue Sanktionen gegen russische Energiekonzerne verhängt, die auch sekundäre Strafmassnahmen gegen Käufer zur Folge haben könnten. Ungarn wiederum ist stark abhängig von russischen Energielieferungen und hat Sanktionen der EU gegen Moskau wegen des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine immer wieder behindert.
Orban verweist auf fehlende Alternativen
Orban hatte direkt nach dem Treffen mit Trump im Weissen Haus berichtet, der Republikaner habe seinem Land eine Sonderregelung gewährt, weil es keine kurzfristigen Alternativen gebe. «In Hinsicht auf die (Erdgas)-Pipeline Turkish Stream und die (Erdöl)-Pipeline Druschba bekommt Ungarn eine vollumfängliche Befreiung von Sanktionen», wurde Orban von der staatlichen Nachrichtenagentur MTI zitiert.
Trump und Orban sind in vielen Fragen einer Meinung.
Die beiden Regierungschefs sprachen unter anderem über Energiehandel.
Russisches Öl für Ungarn? Trump kommt Orban entgegen
Trump und Orban sind in vielen Fragen einer Meinung.
Die beiden Regierungschefs sprachen unter anderem über Energiehandel.
Ungarns Abhängigkeit von russischem Öl und Gas hängt auch damit zusammen, dass Orbans Regierung – anders als andere EU-Länder wie Deutschland und Bulgarien – nie ernsthafte Bemühungen unternommen hat, um das Land aus dem Klammergriff Moskaus zu lösen. In der EU erwirkte der Ungar eine Ausnahmeregelung, die russische Ölimporte über Pipelines zulässt.
Über eine solche Röhre ist Ungarn seit kommunistischen Zeiten mit Russland verbunden. Im öffentlichen Teil des Treffens hatte sich Trump offen für eine mögliche Ausnahmeregelung gezeigt und gesagt, man «prüfe» Ungarns Anliegen, weil das Nachbarland der Ukraine als Binnenstaat keinen Zugang zu Seehäfen habe. Das gilt allerdings auch für manch andere EU-Staaten.
EU-Plan sieht Verzicht auf russische Importe vor
Republikanische und demokratische US-Senatoren hatten Ungarn noch am 6. November in einer gemeinsamen Resolution aufgefordert, seine Abhängigkeit von russischer Energie zu reduzieren und sich an den EU-Plan zu halten, bis Ende 2027 ganz auf russische Importe zu verzichten.
Ungarn bezieht den Grossteil seines Öls über die «Druschba»-Pipeline, die durch die Ukraine verläuft. Zwar existiert eine zweite Leitung über Kroatien, doch Orban argumentiert, diese sei derzeit nur als Ergänzung nutzbar. Er bezeichnete die Versorgungssicherheit als «überlebenswichtig» und warnte vor Folgen für Wirtschaft und Haushalte, sollte russisches Öl kurzfristig wegfallen.
Während Trump andere nicht genau benannte europäische Staaten dafür kritisierte, weiterhin in grossem Umfang russische Energie zu kaufen, stellte er Ungarn als Sonderfall dar. Der Binnenstaat habe schwierige Bedingungen ohne Zugang zu Häfen, über die Schiffe Öl aus anderen Regionen liefern könnten, und sei deshalb «in einer anderen Position».
Selenskyj will Ende des Ölhandels erreichen
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj verlangt einen Komplettstopp jeglicher Energieimporte in die EU – und zeigte sich auf Telegram zuversichtlich, dieses Ziel auch zu erreichen.
Die Ukraine werde nicht zulassen, dass die Russen Öl an EU-Staaten verkaufen könnten. Das Verhältnis zwischen Kiew und Budapest ist wegen des Energiehandels der Ungarn mit Moskau gespannt. Schon mehrfach hat die Ukraine die «Druschba»-Pipeline auf russischem Gebiet angegriffen.
Orban war zu dem Treffen im Weissen Haus mit einer grossen Delegation aus Ministern, Unternehmern und politischen Verbündeten angereist. Viele EU-Partner werfen seiner Regierung vor, die gemeinsame Front gegen Moskau zu schwächen und sich kaum um Öl-Alternativen bemüht zu haben.
Trump bringt erneut Budapest für Treffen mit Putin ins Spiel
Für den rechtskonservativen Ministerpräsidenten ist die Unterstützung Trumps auch deshalb wichtig. Zudem erhofft er sich Rückenwind für die ungarischen Parlamentswahlen, die in wenigen Monaten anstehen.
Trump äusserte sich bei dem Treffen auch zum nächsten persönlichen Gespräch mit Kremlchef Wladimir Putin über ein Ende des Ukraine-Kriegs, das weiter auf sich warten lässt. Der US-Präsident hält an der ungarischen Hauptstadt als möglichem Begegnungsort fest.
«Wenn es (das Treffen) stattfindet, würde ich es gerne in Budapest abhalten», entgegnete Trump auf eine Frage von Journalisten. Er nannte keinen speziellen Grund, warum die Wahl gerade auf diese Stadt fiel.
Ob es zu einem Treffen kommen wird, ist völlig unklar. Trump hatte Mitte Oktober von einer Zusammenkunft in Budapest binnen zwei Wochen gesprochen. Allerdings kamen die Amerikaner bei nachfolgenden Gesprächen mit Vertretern Moskaus wohl zu dem Schluss, dass die Russen nicht von ihren Maximalforderungen gegen die Ukraine abzurücken gedenken.
Trump verschob das Treffen schliesslich auf unbestimmte Zeit. Vor mehreren Tagen rückte dann auch Russland öffentlich von einem raschen Treffen mit dem US-Präsidenten ab.
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05.11.2025