Die grosse Bühne fehltSahra Wagenknecht will nicht mehr BSW-Chefin sein
Andreas Fischer
10.11.2025
Seit Tagen gab es Spekulationen, wie es für Parteigründerin Sahra Wagenknecht weitergeht. Jetzt schafft die BSW-Chefin Klarheit und gibt den Vorsitz ab. Ihre Partei hatte den Einzug in den Bundestag verpasst.
Parteigründerin und Noch-Namensgeberin Sahra Wagenknecht gibt den Vorsitz des BSW ab.
Das «Bündnis Sahra Wagenknecht» hatte den Sprung in den Deutschen Bundestag verpasst, seitdem rutschte die Protestpartei immer mehr in Richtung Bedeutungslosigkeit.
Im Dezember will sich das BSW auch einen neuen Namen geben.
BSW-Chefin Sahra Wagenknecht zieht sich vom Vorsitz der von ihr gegründeten Partei zurück. Sie werde beim Bundesparteitag Anfang Dezember nicht erneut für den Parteivorsitz kandidieren. Die Parteispitze sollen künftig die bisherige Co-Vorsitzende Amira Mohamed Ali und der Europaabgeordnete Fabio De Masi bilden.
Wagenknecht wolle den Kopf wieder freihaben für das, was dem BSW wirklich helfen könne, sagte Wagenknecht. So wolle sie sich als Vorsitzende einer neuen BSW-Grundwertekommission um die Schärfung des inhaltlichen Profils kümmern, sagte sie am Montag in Berlin.
Wagenknecht ist nicht nur Gründerin, sondern auch die prägende Figur und bei weitem das bekannteste Gesicht des BSW. Angekündigt ist aber bereits, dass sich die Partei auch vom Namen der Gründerin trennt. Zwar soll es bei dem Kürzel BSW bleiben, es soll aber nicht mehr für Bündnis Sahra Wagenknecht stehen.
Der offizielle Vorschlag der Parteiführung für die Langform lautet «Bündnis Soziale Gerechtigkeit und Wirtschaftliche Vernunft». Die Entscheidung liegt beim Parteitag in Magdeburg am 6. und 7. Dezember.
Partei in der Krise
Insgesamt steckt das BSW derzeit in einer schwierigen Phase. Nachdem die Partei im Februar den Einzug in den Bundestag verpasst hatte, liegt sie bundesweit in Umfragen nur noch bei 3 bis 4 Prozent. In Brandenburg ist das BSW uneins über zwei Medienstaatsverträge, was auf Landesebene eine Koalitionskrise ausgelöst hat. In Sachsen-Anhalt herrscht nach einem Bericht des «Stern» erbitterter Streit im BSW-Landesvorstand.
Grundsätzlich wird in der Partei darum gerungen, ob und wie man auf Länderebene mitregieren sollte. Wagenknecht hadert mit der Regierungsbeteiligung in Thüringen, die die BSW-Landeschefin Katja Wolf vehement verteidigt.
Ohne Bundestag fehlt die Bühne
Wagenknecht war im Oktober 2023 nach langem Streit aus der Linken ausgetreten und hatte Anfang 2024 das Bündnis Sahra Wagenknecht gegründet. Bei der Europawahl und den Landtagswahlen in Ostdeutschland 2024 fuhr das BSW aus dem Stand grosse Erfolge ein.
Doch bei der Bundestagswahl scheiterte es an der Fünf-Prozent-Hürde - wenn auch sehr knapp. Es kämpft um eine Neuauszählung der Stimmen, doch die Chancen sind ungewiss.
Für den Fall, dass das BSW doch noch in den Bundestag einziehen sollte, will Sahra Wagenknecht Fraktionschefin werden.
Sie will sich «weiter in führender Position im BSW engagieren», sagt Sahra Wagenknecht. (Archivbild)