«Sche*** AfD» TV-Interview mit Alice Weidel endet im Chaos – Schweizer Künstler steckt dahinter

Petar Marjanović

21.7.2025

TV-Gespräch mit AfD-Chefin Weidel geht in Demo-Lärm fast unter

TV-Gespräch mit AfD-Chefin Weidel geht in Demo-Lärm fast unter

Ein ARD-»Sommerinterview« mit AfD-Chefin Alice Weidel ist von Demonstranten gestört worden. Dahinter scheint eine bekannte Künstlergruppe zu stecken. Die ARD kündigte nun Konsequenzen an.

21.07.2025

Eine Aktion des Künstlerkollektivs von Philipp Ruch störte das ARD-Interview mit AfD-Chefin Weidel. Die ARD erntet dafür scharfe Kritik.

Petar Marjanović

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Das ARD-Sommerinterview mit AfD-Chefin Alice Weidel wurde durch eine lautstarke Protestaktion massiv gestört.
  • Hinter der Aktion steht das linke Künstlerkollektiv «Zentrum für Politische Schönheit» um den Schweizer Philipp Ruch.
  • Medien und Publikum kritisieren sowohl die Störer als auch die ARD, die das Interview trotz der chaotischen Umstände fortführte.

Was als normales Fernsehgespräch geplant war, endete im Lärmchaos: Das ARD-«Sommerinterview» mit Alice Weidel wurde zur Bühne für politischen Protest.

Eine kleine, aber lautstarke Gruppe störte die Sendung mit Trillerpfeifen, Musik und Sprechchören. blue News beantwortet die wichtigsten Fragen zum Vorfall.

Was ist passiert?

Das ARD-«Sommerinterview» mit der AfD-Co-Vorsitzenden Alice Weidel am 20. Juli 2025 geriet zur akustischen Zumutung. Während der Aufzeichnung im Berliner Regierungsviertel wurde das Gespräch von einer Handvoll Demonstrierenden gestört.

Trillerpfeifen, Trommeln, lautstarke Musik und ein Lied mit dem Text «Scheiss AfD» machten es zeitweise fast unmöglich, das Gespräch zu führen oder zu verfolgen.

Weidel und Moderator Markus Preiss konnten sich teilweise kaum verstehen. Laut «Spiegel» sprach die ARD später von «verschärften Bedingungen» und kündigte Konsequenzen an.

Wer steckt dahinter?

Verantwortlich für die Störaktion war laut eigener Aussage das Künstlerkollektiv «Zentrum für Politische Schönheit».

Die Gruppe ist bekannt für provokative Protestformen und hatte mit einem umgebauten Bus («Adenauer SRP+») direkt gegenüber der Interviewkulisse Stellung bezogen. Dahinter steht unter anderem der Schweizer Aktionskünstler Philipp Ruch, der das Kollektiv mitgegründet hat.

BREAKING: Das beste Sommerinterview, das die ARD je mit Faschisten geführt hat. Ausgerechnet in dem Land, in dem der politische Rechtsextremismus für die schlimmsten Katastrophen in der Menschheitsgeschichte verantwortlich ist. Heute, 18 Uhr bei der ARD. 🚀🚀🚀

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— Zentrum für Politische Schönheit (@politicalbeauty.bsky.social) 20. Juli 2025 um 16:05

Laut Polizei waren rund 25 Personen beteiligt. Die Aktion war nicht angemeldet, wurde aber von der Polizei ohne Festnahmen beendet. In sozialen Medien kommentierte die Gruppe selbstironisch: «Das beste Sommerinterview, das die ARD je mit Faschisten geführt hat.»

Wie reagiert Alice Weidel?

Alice Weidel zeigte sich während des Interviews zunehmend genervt. «Ich kann Sie kaum verstehen», sagte sie mehrfach zum Moderator, nahm zwischenzeitlich den Knopf aus dem Ohr und bezeichnete die Geräuschkulisse als «extrem laut».

Alice Weidel ärgerte sich auf dem Kurznachrichtendienst «X» über die Protestaktion.
Alice Weidel ärgerte sich auf dem Kurznachrichtendienst «X» über die Protestaktion.
Screenshot/X

In sozialen Medien kritisierte sie die ARD scharf: «So sieht es aus, wenn die Tagesschau ein Sommerinterview mit der AfD im CDU-regierten Berlin führt – während im Hintergrund der NGO-Chor protestiert.»

Sie sprach von staatlich geförderten Nichtregierungsorganisationen, die gegen die AfD Stimmung machten.

Worüber wurde diskutiert?

Trotz der widrigen Umstände versuchte Weidel, Kernthemen der AfD zu setzen. Im Zentrum standen erneut Migration und Sozialpolitik. Sie forderte eine «ideologiefreie Debatte über ungesteuerte Zuwanderung» und machte Migration für Belastungen im Sozial- und Gesundheitssystem verantwortlich.

Beim Bürgergeld behauptete sie, dass die Hälfte der Empfänger Ausländer seien und drei Viertel der übrigen eine doppelte Staatsbürgerschaft hätten. Den CDU-Chef Friedrich Merz nannte sie erneut einen «Lügenkanzler», wie zuvor im Bundestag am 9. Juli.

Wie kommentieren die Medien?

Die Medienkritik ist scharf. Die «NZZ» sprach von einem «gebührenfinanzierten Debakel» und kritisierte, dass die ARD das Interview nicht unterbrochen oder verlegt habe.

Auch «Watson» kommentierte, die ARD habe sich «ins eigene Knie geschossen». Der Sender habe damit sowohl der AfD als auch den Störern in die Hände gespielt.

In sozialen Netzwerken kritisierten einige Nutzer*innen – auch AfD-Gegner – die Protestaktion als undemokratisch. Der Tenor: Vertreter der AfD niederzubrüllen, sei kein angemessener Umgang mit einer gewählten Oppositionspartei. Andere lobten die Protestform: die ARD habe so das bestmögliche «Sommerinterview» mit der in Teilen rechtsextremen AfD geboten.

Bestes Sommerinterview in der ARD. Laut sein für Demokratie lohnt sich! Laut gegen Rechtsextreme! Laut gegen Interviews mit Rechtsextremen! #noafd

— Ruth Moschner (@ruthmoschner.bsky.social) 20. Juli 2025 um 21:22

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ARD-Sommerinterview mit Alice Weidel von Protesten gestört

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