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Jetzt meldenRauch auf dem Frachtschiff «Solong» nach der Kollision zweier Schiffe in der Nordsee.
Bild: dpa
Nach der Kollision zweier Schiffe in der Nordsee bleibt die Frage nach den Folgen des Unglücks: Droht jetzt eine Umweltkatastrophe? Antworten auf die wichtigsten Fragen.
Nach dem Zusammenstoss zweier Schiffe vor der britischen Küste gehen die Behörden davon aus, dass ein vermisster Seemann ums Leben kam. Die Polizei leitet Ermittlungen ein – ein Mann wird festgenommen. Doch welche Folgen könnte das Unglück für die Umwelt haben? Die Antworten auf die wichtigsten Fragen.
Als sich die dichten Rauchschwaden über den riesigen Schiffswracks vor der englischen Nordseeküste verzogen hatten, wurden die Schäden sichtbar: An der Backbordseite des Öltankers «Stena Immaculate» klaffte ein riesiges Loch. Gas und Flüssigkeiten schienen an verschiedenen Stellen auszutreten, wie auf Luftaufnahmen der BBC einen Tag nach dem Zusammenstoss mit dem Frachter «Solong» zu sehen war.
Der Brand auf dem Tanker sei wohl gelöscht, sagte der zuständige britische Unterstaatssekretär Mike Kane bei einer Erklärung am Nachmittag im Parlament in London. Der Frachter stehe hingegen noch immer in Flammen und treibe führerlos in Richtung Süden. Auf Luftaufnahmen der BBC war zu sehen, dass er weitgehend ausgebrannt war.
Zeitweise wurde befürchtet, der Tanker könne sinken oder auf Grund laufen. Am Abend gab es hierzu Entwarnung: Das Verkehrsministerium teilte mit, dass beide Schiffe nach vorläufigen Einschätzungen voraussichtlich nicht sinken werden.
Der Frachter «Solong» könne vertäut und von der Küste weggeschleppt werden, sagte Ministerin Heidi Alexander. Bergungsarbeiten könnten aufgenommen werden. Obwohl der Frachter weiterhin brenne, sei ein Schlepptau angebracht worden.
Befürchtet worden war, dass Schiffsdiesel austreten und die Küste verpesten könnte, sollte das Schiff sinken oder auf Grund laufen. Dieses Risiko sei nun reduziert worden, hiess es in der Mitteilung des Verkehrsministeriums. Die in Hamburg ansässige Reederei Ernst Russ, der das Schiff gehört, hatte zuvor Berichte dementiert, wonach es mehrere Behälter mit giftigem Natriumcyanid geladen hatte. Die Container seien leer gewesen.
Ungewiss war aber, wie viel der 220'000 Barrel (knapp 35 Millionen Liter) Flugzeugtreibstoff, die an Bord der «Stena Immaculate» waren, ins Meer gelangt sein könnten. Der Treibstoff war den Angaben des US-Schifffahrtsunternehmens Crowley zufolge auf 16 Tanks verteilt, von denen mindestens einer bei dem Zusammenstoss beschädigt wurde.
Der Greenpeace-Wissenschaftler Paul Johnston erklärte vor dem Natriumcyanid-Dementi von Ernst Russ mit Blick auf die Ladung der Schiffe, seine Organisation sei «extrem besorgt über die vielfältigen toxischen Gefahren, die diese Chemikalien für das Meeresleben darstellen könnten». Offenbar sei Kerosin in der Nähe eines Gebiets ins Wasser gelangt, in dem Schweinswale ihre Kälber grossziehen.
Ivan Vince von der auf Beratung zu Umweltrisiken spezialisierten Firma ASK Consultants sagte, die «gute Nachricht» sei, dass das auslaufende Kerosin das Meer nicht dauerhaft verschmutze wie Erdöl. «Das meiste davon wird ziemlich schnell verdunsten, ziemlich schnell von Mikroorganismen zersetzt werden», sagte der Experte. Allerdings werde das Kerosin Fische und andere Lebewesen töten.
Die Umweltschutzorganisation Greenpeace in Grossbritannien äusserte sich besorgt. «Sowohl die hohe Geschwindigkeit als auch die Videos von den Folgen geben Anlass zu grosser Sorge», sagte ein Sprecher am Montag auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. Es sei aber noch zu früh, das Ausmass von Schäden für die Umwelt zu bestimmen, sagte der Sprecher weiter.
Verkehrsstaatssekretär Mike Kane sagte vor dem britischen Parlament, derzeit gebe es «keine Anzeichen für eine Verschmutzung» der Nordsee durch die beiden Schiffe.
Das niederländische Bergungsunternehmen Boskalis ist mit der Bergung der «Stena Immaculate» beauftragt worden. Vier Schiffe seien auf dem Weg zur Unglücksstelle, sagte ein Sprecher von Boskalis der Deutschen Presse-Agentur.
Die Gefahr, dass der Tanker auseinanderbreche, sei klein. Beide Schiffe seien nicht länger ineinander verkeilt. Die Experten werden den Angaben zufolge zunächst den Tanker von aussen kühlen. «Wir müssen erst kühlen und dafür sorgen, dass die Temperatur auf dem Schiff sinkt.» Geplant sei, den Tanker in einen sicheren Hafen zu schleppen.
Auch das deutsche Havariekommando entsandte ein Mehrzweckschiff zur Unterstützung. Die «Mellum» der Wasserstrassen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes traf am späten Vormittag ein. Sie sei unter anderem mit Technik zur Brandbekämpfung sowie zur Aufnahme von Öl ausgerüstet. Rund 20 Menschen seien an Bord, hiess es vom Havariekommando.
Zudem wurde ein Flugzeug vom Typ DO 228 ausgesandt. Die Bundeswehr bezeichnet es als «Öljäger», weil es mit leistungsstarken Kameras und Sensoren dabei helfen könne, Schadstoffe im Wasser zu finden. Sowohl die Besatzung der «Mellum» als auch die des Flugzeugs erhielten ihre Aufträge vor Ort von der britischen Küstenwache, hiess es weiter.