Das war knapp. Nur 20 bis 30 Meter trennen die Loks zweier Züge, die sich auf dem gleichen Gleis entgegen gefahren sind, als sie schliesslich zum Stillstand kommen. Hätten beide die Notbremsung nur Sekunden später ausgelöst, wären sie frontal ineinander gekracht. Geschehen ist die Beinahe-Katastrophe auf der Strecke zwischen Liptovský Mikuláš und Liptovský Hrádok.
Das berichten slowakische Medien übereinstimmend, darunter der «Slovak Spectator» und der Sender TA3. Verletzt wurde niemand, der Verkehr auf der wichtigen Ost-West-Achse war jedoch stundenlang blockiert.
Nach Angaben der staatlichen Bahninfrastruktur ŽSR fuhr der Güterzug am Dienstag gegen 11.20 Uhr in einen Abschnitt ein, der bereits von einem Schnellzug besetzt war. Der Schnellzug war von der Hauptstadt Bratislava nach Košice unterwegs. Beide Lokführer lösten sofort eine Notbremsung aus.
Laut TA3 ergaben die Atemtests bei beiden einen negativen Alkoholwert. Die Bahnpolizei eröffnete ein Verfahren wegen «allgemeiner Gefährdung», ŽSR leitete eine interne Untersuchung ein. Im Fokus stehen mögliche Fehler im Stellwerk oder in der Verkehrslenkung.
Mehrere Vorfälle in den letzten Wochen
Pikant: Der Vorfall reiht sich ein in eine Liste mehrerer gefährlicher Vorfälle auf dem slowakischen Schienennetz. Am 9. November stiessen bei Pezinok nahe Bratislava ein Express- und ein Regionalzug zusammen, 79 Menschen wurden verletzt. Bereits im Oktober kollidierten zwei Schnellzüge im Osten des Landes.
Das Verkehrsministerium verweist nun laut «Spectator» darauf, dass neue Kommunikationsmassnahmen zwischen Bahnunternehmen und Infrastrukturbetreiber Schlimmeres verhindert hätten. Dennoch bleibt die Frage offen, weshalb Sicherungssysteme und Fahrdienstleitung den Kollisionskurs der beiden Züge nicht früher erkannten – und wie zuverlässig das Netz angesichts der jüngsten Vorfälle überhaupt ist.