RusslandSchöne Bilder für Putin mit Trump – aber keine Waffenruhe
SDA
16.8.2025 - 05:22
RECROP - US-Präsident Donald Trump (r) schüttelt die Hand des russischen Präsidenten Wladimir Putin während einer gemeinsamen Pressekonferenz auf der Joint Base Elmendorf-Richardson, Alaska. Foto: Jae C. Hong/AP/dpa
Keystone
Die Erwartungen an das Gipfeltreffen von Kremlchef Wladimir Putin und US-Präsident Donald Trump waren riesig.
Keystone-SDA
16.08.2025, 05:22
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Doch nach dem fast dreistündigen Gespräch in Alaska blieb bei der Frage nach Ergebnissen zunächst vor allem eins übrig: das Fragezeichen – und ausserdem Bilder, die für Putin womöglich wertvoller sind als jedes schriftliche Abkommen. Der US-Präsident bot dem Kremlchef, der seit Februar 2022 einen Angriffskrieg gegen die Ukraine führt, auf amerikanischem Boden die grosse Bühne.
Inhaltlich blieb kurz nach dem Treffen der beiden auf einem Militärstützpunkt in der Stadt Anchorage vieles im Ungefähren. «Es gibt keinen Deal, bis es einen Deal gibt», sagte Trump – der selbsterklärte Deal-Macher und Friedensstifter – lediglich beim anschliessenden Pressestatement. Man habe ein «äusserst produktives Treffen» gehabt, «viele Punkte» seien vereinbart worden, nur wenige seien noch offen – davon einer besonders bedeutend. Zunächst wolle er jedoch mit den Nato-Verbündeten und dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj telefonieren.
Vieles blieb ungesagt
Über neue Zölle gegen Russland oder deren Handelspartner sprach Trump nicht. Zum Austausch von Gefangenen sagte er genauso wenig wie zu möglichen Gebietsabtretungen. Nicht einmal das Wort «Waffenruhe» nahm der US-Präsident in den Mund. Dabei war genau das der Kernpunkt, auf den Kiew und die europäischen Verbündeten gepocht hatten: Eine bedingungslose und Feuerpause gilt für sie als Voraussetzung, um überhaupt in weitere Verhandlungen mit dem Kreml einzutreten. Putin hingegen hat immer wieder klargemacht, eine solche kategorisch abzulehnen. Er verlangt für eine Waffenruhe etwa ein Ende der westlichen Waffenlieferungen an die Ukraine und einen Stopp der Mobilmachung in dem Land.
Auch in Alaska blieb Putin hart bei seinem Kurs, zunächst die «Ursachen» des Konflikts beseitigen wollen. Der Kremlchef gab sich beim Pressestatement dankbar, dass Trump versuche, zu diesen Wurzeln vorzudringen. Wie sein Gastgeber ging auch Putin mit keinem Wort auf die von Selenskyj, den Europäern – und vor dem Treffen auch von Trump – geforderte umfassende Waffenruhe ein. Er beteuerte zugleich, den Krieg beenden zu wollen. Immerhin räumte er dabei ein, dass auch die Sicherheit der Ukraine berücksichtigt werden müsse.
Trump erlaubt Putin eine freundliche Inszenierung
An die Stelle handfester Ergebnisse traten Bilder von hoher Symbolkraft. Trump – ganz der Entertainer – inszenierte die erste Begegnung eines amtierenden US-Präsidenten mit dem Kremlchef seit gut vier Jahren als freundliches Treffen auf Augenhöhe. Die Air Force One war längst gelandet, doch der Republikaner liess sich Zeit mit dem Aussteigen – so lange, bis auch die russische Maschine mit Putin eingetroffen war.
Der russische Präsident bekam einen roten Teppich, einen ausgiebigen Handschlag und anschliessend eine – im diplomatischen Protokoll eher ungewöhnliche – gemeinsame Fahrt in der gepanzerten Präsidentenlimousine. Das gemeinsame Statement fand vor dem in grossen Buchstaben gedruckten Slogan «Pursuing Peace» statt – «Frieden anstreben» in dem Krieg, den Trumps Gast selbst angezettelt hat. Auffällig auch: Der Republikaner räumte dem Kremlchef beim Reden vor der Presse den Vortritt ein. Putin nutzte die Gelegenheit und sprach doppelt so lang wie sein Gastgeber. Fragen waren nicht zugelassen.
Trump rehabilitiert einen im Westen Geächteten
Der US-Präsident verschaffte Putin damit jene staatsmännische Legitimität, die ihm Europa seit Jahren verweigert. Dass er einem vom Westen der Kriegstreiber beschuldigten Staatschef auf diese Weise öffentlich die Bühne bereitete, ist bemerkenswert. Gegen Putin liegt seit März 2023 ein Haftbefehl des Internationalen Strafgerichtshofs in Den Haag vor – vor allem wegen des Vorwurfs, für die Verschleppung Tausender Kinder aus besetzten ukrainischen Gebieten verantwortlich zu sein. Anders als etwa die Europäische Union oder Kanada, das direkt an Alaska grenzt, erkennen aber weder die USA noch Russland den Gerichtshof an. Washington ist daher auch nicht verpflichtet, den Haftbefehl umzusetzen.
Trump-Lager wartet weiter auf Fortschritte
Der Republikaner bräuchte eigentlich einen konkreten Fortschritt, auch vor seinen eigenen Anhängern. Im Wahlkampf hatte er immer wieder getönt, den Krieg binnen 24 Stunden beenden zu können. Sein «Make America Great Again»-Lager steht zwar weiter mehrheitlich hinter ihm, erwartet am Ende aber wohl auch irgendwelche Ergebnisse.
Dass es in dieser Hinsicht in Alaska eine Schieflage gab, hörte man sogar bei Trumps rechtem Haus- und Hofsender Fox News. Es schien, als sei Putin in den Pressesaal gekommen und habe «alles überrollt». Er habe alles gesagt, was er sagen wollte, kommentierte eine Reporterin. «Und dann hat er sich neben dem Präsidenten fotografieren lassen und ist gegangen.»
Vorerst keine Urteile zu einem neuen persönlichen Verhältnis
In den Monaten vor dem Gipfel hatte der Republikaner immer wieder widersprüchliche Signale ausgesendet. Mal lobte er den Kremlchef offen und zeigte Bewunderung für dessen Auftreten und Führungsstil. Dann wiederum erklärte er laut dem Sender NBC News, er sei regelrecht «angepisst» von Putin – und warf ihm vor, in Gesprächen mit den USA zu Friedensverhandlungen im Ukraine-Krieg ein freundliches Gesicht zu zeigen, nur um anschliessend wieder Bomben auf die Ukraine werfen zu lassen. Zuletzt hatte der US-Präsident mit der Androhung von Zöllen auf wichtige Handelspartner Russlands Druck ausgeübt.
Zumindest auf der Bühne war von dieser Demonstration der Stärke keine Spur. Trump wirkte ungewöhnlich zurückhaltend, eher blass. Putin hingegen hatte schon das nächste Treffen im Sinn. Seinen vertrauensvollen Austausch mit dem US-Präsidenten wolle er fortsetzen – vielleicht nächstes Mal in Moskau, frotzelte Putin auf Englisch. Trump lehnte nicht ab und begann umgehend damit, an seinem Narrativ zu arbeiten: In einem TV-Interview gab er dem Gipfel die Note 10 von 10.
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