Schüsse in WashingtonNationalgardistin nach Angriff gestorben
dpa
28.11.2025 - 04:57
Terrorverdacht: Schüsse auf Nationalgardisten nahe Weissem Haus
STORY: Zwei Nationalgardisten sind am Mittwoch in der Nähe des Weissen Hauses in der US-Hauptstadt Washington D.C. durch Schüsse schwer verletzt worden. Die Tat werde als möglicher Terrorakt untersucht, teilten US-Behörden mit. Ein 29-jähriger Verdächtiger sei festgenommen worden und habe ebenfalls Schussverletzungen erlitten. Die beiden Soldaten aus West Virginia schwebten in Lebensgefahr. Die Schiesserei ereignete sich in der Nähe des Farragut Square, einem beliebten Mittagstreffpunkt für Büroangestellte, nur wenige Blocks vom Weissen Haus entfernt. Laut Augenzeugen brach nach den Schüssen Chaos aus. Passanten flohen von dem Platz, um sich in Sicherheit zu bringen. Der Verdächtige war nach Angaben von Regierungsvertretern 2021 im Rahmen der «Operation Allies Welcome» in die USA gekommen, einem Programm zur Aufnahme afghanischer Ortskräfte nach dem US-Abzug aus Afghanistan. Er habe im April dieses Jahres Asyl erhalten und keine Vorstrafen gehabt. US-Präsident Donald Trump, der sich wegen des Thanksgiving-Feiertags in Florida aufhielt, bezeichnete die Tat als Akt des Bösen und des Terrors. Er kündigte an, alle unter seinem Vorgänger Joe Biden eingereisten Afghanen überprüfen zu lassen. Die US-Einwanderungsbehörde USCIS teilte am Mittwochabend mit, sie habe die Bearbeitung aller Einwanderungsanträge afghanischer Staatsangehöriger auf unbestimmte Zeit gestoppt. Als Reaktion auf den Angriff ordnete Trump die Entsendung von 500 weiteren Nationalgardisten nach Washington an. Damit erhöht sich ihre Zahl in der Hauptstadt auf etwa 2.700. Trump hatte die Garde im August zur Kriminalitätsbekämpfung in die von Demokraten regierte Stadt geschickt – ein umstrittener Schritt, den lokale Politiker kritisiert hatten.
27.11.2025
Ein Mann schiesst auf zwei Nationalgardisten und verletzt sie lebensgefährlich. Einen Tag später stirbt die Frau – der Mann kämpft weiter um sein Leben.
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DPA, Redaktion blue News
28.11.2025, 04:57
28.11.2025, 09:19
dpa
Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen
Nahe des Weissen Hauses in Washington sind zwei Nationalgardisten von Schüssen getroffen worden.
Sie wurden in kritischem Zustand in ein Spital eingeliefert.
Eine der beiden in der US-Hauptstadt Washington angeschossenen Nationalgardisten ist nach Angaben von US-Präsident Donald Trump am Donnerstag gestorben.
Der schwer verletzte mutmassliche Schütze wurde festgenommen.
Dieser Artikel wurde zuletzt am Freitag, 28. November 2025, um 7.05 Uhr aktualisiert.
Eine der beiden in der US-Hauptstadt Washington angeschossenen Nationalgardisten ist nach Angaben von US-Präsident Donald Trump gestorben. Bei einem abendlichen Gespräch mit online zugeschalteten Angehörigen des US-Militärs sagte der Republikaner, dass die Frau ihren schweren Verletzungen erlegen sei. Der Mann kämpfe weiter um sein Leben, sagte Trump. «Er befindet sich in sehr schlechtem Zustand.»
Soldaten der Nationalgarde patrouillieren nach den Schüssen in Washington.
Bild:Keystone/AP/Rahmat Gul
Ebenfalls hat er einen vollständigen Aufnahmestopp der USA für sämtliche Menschen aus «Dritte-Welt-Ländern» angekündigt. «Ich werde Migration aus allen Dritte-Welt-Ländern dauerhaft stoppen», verkündete der Republikaner kurz vor Mitternacht (Ortszeit Washington) auf seiner Online-Plattform Truth Social. Damit wolle er «dem US-System die Möglichkeit geben, sich vollständig zu erholen», schrieb er weiter – wobei unklar blieb, auf welche Länder genau sich Trump bezieht und wie und wann er einen solchen Aufnahmestopp durchzusetzen gedenkt.
Am Mittwoch hatte der 29 Jahre alte mutmassliche Täter in der Nähe der U-Bahnhaltestelle Farragut West, nur wenige Häuserblöcke vom Weissen Haus entfernt, auf die beiden Nationalgardisten gefeuert und sie lebensgefährlich verletzt. Der Verdächtige – ein Afghane – wurde überwältigt und ist in Gewahrsam. Trump hatte den Angriff als «Akt des Terrors» und den Tatverdächtigen als «Monster» bezeichnet.
Nach Angaben der Staatsanwaltschaft handelte es sich bei den Nationalgardisten um eine 20 Jahre alte Frau und einen 24-Jährigen aus dem US-Bundesstaat West Virginia. Der Vorfall hatte das Land am Vorabend des amerikanischen Erntedankfestes Thanksgiving schockiert.
Blumen und eine amerikanische Flagge am Tatort in Washington. (27. November 2025)
Bild:IMAGO/UPI Photo
Die Hintergründe der Tat sind weiterhin unbekannt. Am Donnerstag war den Behörden weiterhin unklar, was den mutmasslichen Täter dazu bewogen hatte, von Bellingham, einer Stadt zwischen Seattle und Vancouver, quer durchs Land nach Washington zu fahren, um auf die Nationalgardisten zu schiessen.
Verdächtiger war für Partnerorganisation des US-Militärs tätig
Der mutmassliche Täter reiste US-Medienberichten zufolge 2021 in die USA ein, bekam aber erst 2025 nach Trumps Amtsantritt Asyl gewährt. CIA-Direktor John Ratcliffe sagte «Fox News Digital», dass der Mann in Kandahar für dortige Partnerorganisationen des US-Militärs tätig gewesen sei und dabei auch für die US-Regierung und die CIA gearbeitet habe.
Trump behauptete am Donnerstagabend, der 29-Jährige sei ungeprüft in die USA gelangt. Dem stehen Medienberichte gegenüber, nach denen weder bei Überprüfungen durch den US-Auslandsgeheimdienst CIA im Jahr 2011 noch bei seiner Einreise in die Vereinigten Staaten zehn Jahre später Verbindungen zwischen dem Afghanen und Terrororganisationen festgestellt worden seien.
Einsatzkräfte versammeln sich am Mittwoch in der Nähe des Ortes, an dem Mitglieder der Nationalgarde von Schüssen getroffen wurden.
Bild:Keystone/AP/Mark Schiefelbein
Der Sender CNN und eine Reporterin von Fox News zitierten eine mit der Angelegenheit vertraute Person, die sagte: «Er war bei allen Kontrollen unauffällig.» Auf den Hinweis einer Journalistin, dass das ihm nahestehende Justizministerium erst Stunden zuvor klargemacht habe, dass der Mann vom Ministerium für Inlandsicherheit und der Bundespolizei unter die Lupe genommen worden sei, beleidigte Trump die Reporterin.
Trump kritisiert Einwanderungspolitik
Schon kurz nach dem Angriff kritisierte Trump die Einwanderungspolitik seines Landes. «Wir haben eine Menge Probleme mit Afghanen, weil so viele von ihnen hier herkommen», sagte er. Viele von ihnen kämen unkontrolliert ins Land und seien kriminell. Beweise lieferte er nicht.
Nur wenige Stunden nach den Schüssen auf die Nationalgardisten hatte die Einwanderungsbehörde USCIS bekanntgegeben, die Bearbeitung sämtlicher Einwanderungsanträge afghanischer Staatsangehöriger bis auf weiteres auszusetzen. Zudem kündigte Trump Überprüfungen aller Menschen aus Afghanistan an, die unter seinem demokratischen Amtsvorgänger Joe Biden in die USA gekommen waren.
Effective immediately, processing of all immigration requests relating to Afghan nationals is stopped indefinitely pending further review of security and vetting protocols.
The protection and safety of our homeland and of the American people remains our singular focus and…
Trump nannte Afghanistan in einer Ansprache am Mittwochabend ein «Höllenloch auf Erden» und stellte die Behauptung auf, Millionen Menschen seien unter Biden aus aller Welt ungeprüft in die USA gekommen. Er kündigte an, alle Personen, die während Bidens Amtszeit aus Afghanistan eingereist seien, erneut überprüfen zu lassen. Zudem werde er «alle notwendigen Massnahmen ergreifen, um sicherzustellen, dass alle Ausländer aus allen Ländern abgeschoben werden, die nicht hierhergehören oder unserem Land keinen Nutzen bringen».
Im aufgeladenen politischen Klima in den USA entbrannte nach den Schüssen sofort eine Debatte darüber, wer die politische Verantwortung für den Vorfall trägt. Erste republikanische Abgeordnete forderten drastische Massnahmen gegen Ausländer im Land. Führende Demokraten riefen zu einem friedlichen Miteinander auf. So erklärte etwa der demokratische Senator Jack Reed, es brauche nun «Ruhe, Mitgefühl und Einheit».
Die US-Organisation AfghanEvac, die sich für Afghanen einsetzt, hatte davor gewarnt, den Angriff politisch zu instrumentalisieren. Die isolierte Tat eines Einzelnen dürfe nicht als Vorwand dienen, eine ganze Gemeinschaft zu diskreditieren, hiess es in einer Mitteilung.
Der Tatort in der Nähe des Weissen Hauses in Washington am Mittwochabend.
Bild:IMAGO/Anadolu Agency
Am Donnerstagnachmittag kündigte unterdessen USCIS-Leiter Joseph Edlow auf Trumps Weisung eine «gründliche und umfassende Überprüfung aller Green Cards aller Ausländer aus allen problematischen Ländern» an. Eine «Green Card» erlaubt es ausländischen Staatsangehörigen, sich dauerhaft in den USA aufzuhalten und zu arbeiten.
Auf CNN-Nachfrage teilte die Behörde mit, es handle sich um 19 Länder, die bereits in einem Präsidentenerlass aufgelistet gewesen seien, darunter Afghanistan, Iran, Libyen, Somalia, Sudan, Jemen, Burundi, Kuba und Venezuela.
Justizministerin fordert Todesstrafe für Angreifer
Vor Bekanntwerden des Todes der Nationalgardistin hatte die amtierende Staatsanwältin für die US-Hauptstadt, Jeanine Pirro, gesagt, sollte einer der beiden Nationalgardisten sterben, wolle sie den Tatverdächtigen wegen Mordes anklagen. Justizministerin Pam Bondi kündigte im US-Sender Fox News an, in diesem Fall die Todesstrafe für den Mann anzustreben.
Nach Angaben der Staatsanwaltschaft lebte der Tatverdächtige mit seiner Frau und mutmasslich fünf Kindern in Bellington im US-Bundesstaat Washington. Bei der Tat habe er einen Revolver benutzt.
Trump hatte in Reaktion auf die Schüsse zudem die Entsendung von rund 500 weiteren Soldatinnen und Soldaten der Nationalgarde in die Hauptstadt angeordnet. Seit dem Sommer sind mehr als 2.000 Nationalgardisten in der Stadt unterwegs. Trump hatte sie im August dorthin beordert und den Einsatz mit angeblich ausufernder Kriminalität begründet. Diese Darstellung ist heftig umstritten – Statistiken stützen sie nicht.
Der US-Präsident sprach noch am Abend mit der Familie der Getöteten und kündigte an, er wolle an der Beisetzung teilnehmen.
Zahlreiche Soldaten seit dem Sommer in der Hauptstadt
Seit dem Sommer sind mehr als 2000 Nationalgardisten in Washington unterwegs. Trump hatte sie im August in die Hauptstadt beordert und ihre Mobilisierung mit einer angeblich ausufernden Kriminalität begründet. Kriminalitätsstatistiken stützen diese Darstellung nicht.
Die Hauptstadt ging juristisch gegen den Einsatz vor. Eine Bundesrichterin erklärte den Einsatz der Nationalgarde jüngst für nicht rechtens und ordnete an, diesen zu beenden. Sie setzte ihre Entscheidung jedoch für drei Wochen aus, damit die Trump-Regierung in Berufung gehen kann. Die Anordnung bleibt damit bis zum 11. Dezember ausser Kraft.
Die Nationalgarden sind militärische Reserveeinheiten und Teil der US-Streitkräfte. Sie unterstehen im Normalfall der Kontrolle der Bundesstaaten und werden etwa bei Naturkatastrophen, Unruhen oder anderen Notlagen eingesetzt. In bestimmten Situationen kann jedoch auch der US-Präsident das Kommando übernehmen. Für Washington bestehen Sonderregeln.
Bundesrichterin erklärt Einsatz der Nationalgarde in Washington für illegal
STORY: Der Einsatz der Nationalgarde in der US-Hauptstadt Washington ist unrechtmässig. Das hat jetzt eine Bundesrichterin entschieden. Die Behörden hätten die Grenzen ihrer gesetzlichen Befugnisse überschritten, schrieb die zuständige Richterin. Die Regierung von US-Präsident Donald Trump habe die Einheit nicht ohne ausdrückliche Anforderung der lokalen Behörden aktivieren dürfen. Zudem hätte sie Nationalgardisten aus anderen Bundesstaaten zu polizeilichen Zwecken nicht nach Washington beordern dürfen, hiess es in der Verfügung weiter. Die Richterin ordnete an, den Einsatz der Nationalgarde zu beenden, setzte ihre Entscheidung jedoch für drei Wochen aus, damit die Trump-Regierung in Berufung gehen kann. Die Soldaten patrouillieren seit August in Washington. Trump hatte ihre Mobilisierung mit einer angeblich ausufernden Kriminalität begründet. Allerdings ohne Belege dafür zu nennen. Die Stadt ging juristisch gegen den Einsatz vor. Zudem gab es mehrere Demonstrationen und Proteste. Medienberichten zufolge sind derzeit rund 2.300 Nationalgardisten in Washington im Einsatz.