Ukraine-Übersicht

Atomkraftwerk Saporischschja wieder unter Beschuss +++ IAEA: keine unmittelbare Bedrohung

Agenturen/red

11.8.2022

Explosionen erschüttern russischen Stützpunkt auf der Krim

Explosionen erschüttern russischen Stützpunkt auf der Krim

Ein massiver Angriff auf russische Militäreinrichtungen auf der Krim wäre für die Ukraine der zweite symbolträchtige Erfolg

10.08.2022

Die Neutralität der Schweiz sei durch deren Übernahme der EU-Sanktionen entwertet, sagt Russlands Aussenminister Sergej Lawrow und spricht sich gegen den Vorschlag der Ukraine aus, deren Interessen in Moskau durch die Schweiz vertreten zu lassen. Die Entwicklungen in der Tages-Übersicht.

Agenturen/red

11.8.2022

Der Tag im Überblick

Im Ukraine-Krieg wächst angesichts anhaltender Angriffe auf das von russischen Truppen besetzte Atomkraftwerk Saporischschja die Sorge vor einer nuklearen Katastrophe. Moskau und Kiew machten sich am Donnerstag gegenseitig für neue Angriffe in der Nähe des Akw verantwortlich. Vor einer Sitzung des UN-Sicherheitsrats zur Lage bei Saporischschja warnte UN-Generalsekretär António Guterres vor einem «möglichen Desaster» mit «katastrophalen Folgen».

Guterres rief dazu auf, «umgehend» sämtliche militärische Aktivität rund um das Kraftwerk einzustellen und «nicht darauf zu zielen». Rund um das Akw Saporischschja sei eine «entmilitarisierte Zone» nötig, um die Sicherheit der Umgebung zu gewährleisten. Eine entmilitarisierte Zone hatte zuvor auch die Ukraine gefordert. Die USA unterstützten diese Forderung wenige Stunden vor der UN-Sicherheitsratssitzung. 

Die im Süden der Ukraine gelegene Anlage ist das grösste Atomkraftwerk Europas und verfügt über sechs der insgesamt 15 ukrainischen Atomreaktoren. Sie ist seit Anfang März von der russischen Armee besetzt.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj warnte, Russland könne in Saporischschja «die grösste atomare Katastrophe in der Geschichte» verursachen – mit noch schlimmeren Folgen als bei der Atomkatastrophe von Tschernobyl 1986. In einer Videoschalte zum Auftakt einer Geberkonferenz in Kopenhagen sagte Selenskyj, Russland sei ein «terroristischer Staat», der das Atomkraftwerk im Ukraine-Krieg als «Geisel» nehme und zur «Erpressung» nutze.

Bei der Geberkonferenz mit 26 Teilnehmerstaaten wurden 1,5 Milliarden Euro für Ausrüstung und Ausbildung der ukrainischen Streitkräfte zugesagt. Ein weiteres Treffen der Geberstaaten ist für Mitte September geplant.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat die internationale Gemeinschaft vor einer neuen Atomkatastrophe ähnlich der von Tschernobyl 1986 gewarnt.
  • Westliche Satellitenbilder zeigen, dass mindestens sieben russische Kampfflugzeuge bei einer Explosion auf der Krim zerstört wurden.
  • Die Ukraine wünscht sich die Schweiz als Vermittlerin in Moskau, aber der Kreml winkt ab – mit Verweis auf die Sanktionen, die auch von der Schweiz unterstützt werden.
  • Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj ruft seine Landsleute auf, Kollaborateure in den von Russland besetzten Gebieten zu melden.
  • Hier geht es zu den Ereignissen vom Mittwoch.
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  • 21.46 Uhr
    Atomenergiebehörde: AKW keine unmittelbare Bedrohung – vorläufig

    Das unter anhaltendem Beschuss stehende ukrainische Atomkraftwerk Saporischschja ist nach Angaben der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) momentan kein Sicherheitsrisiko. «IAEA-Experten haben vorläufig festgestellt, dass keine unmittelbare Bedrohung der Sicherheit infolge des Beschusses oder anderer militärischer Aktionen besteht. Dies kann sich jedoch jederzeit ändern», sagte IAEA-Chef Rafael Grossi am Donnerstag bei einer Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrates in New York.

    Nur wenige Stunden vor der von Russland angefragten Sitzung des mächtigsten UN-Gremiums war Europas grösstes Atomkraftwerk erneut unter Beschuss geraten.

  • 21.16 Uhr
    Moskauer Führung berät mit ostukrainischen Separatisten

    Die Spitzen des Moskauer Sicherheitsapparates haben eigenen Angaben nach mit den prorussischen Separatistenrepubliken Donezk und Luhansk im Osten der Ukraine über eine weitere Annäherung beraten. Das Treffen fand am Donnerstag in der Stadt Luhansk statt, wie der Vize-Sekretär des russischen Sicherheitsrates und frühere Präsident Dmitri Medwedew auf Telegram mitteilte. Aus Moskau nahmen demnach unter anderem Innenminister Wladimir Kolokolzew, Geheimdienstchef Alexander Bortnikow und der Vizechef des Präsidialamts, Sergej Kirijenko, teil.

    Es sei über die Angleichung von Gesetzen der Volksrepubliken Donezk und Luhansk an die russische Gesetzgebung beraten worden, schrieb Medwedew. Auch um den Wiederaufbau zerstörter Infrastruktur sei es gegangen.

    In der Auseinandersetzung mit der Ukraine hat Russland 2014 die Abspaltung von Donezk und Luhansk vorangetrieben. Nach Einschätzung von Experten haben dort nicht einheimische Separatisten das Sagen, sondern Moskau kontrolliert, was militärisch, politisch und wirtschaftlich geschieht. Am 21. Februar erkannte Russland die Unabhängigkeit der Volksrepubliken an, drei Tage vor dem Einmarsch in die Ukraine. Die vollständige Eroberung des Donbass, begründet mit dem angeblichen Schutz der russischsprachigen Bevölkerung, ist ein erklärtes russisches Kriegsziel. Im Raum steht auch ein möglicher Anschluss dieser Gebiete an Russland.

  • 20.56 Uhr
    Besuch der IAEA beim Atomkraftwerk Saporischschja möglich

    Der vom Kreml installierte temporäre Leiter der Region Saporischschja sagte am Donnerstag, die von Russland unterstützte Regierung sei bereit, die Sicherheit einer IAEA-Delegation zu gewährleisten. «Wir sind vollständig bereit, die IAEA zu akzeptieren», sagte Jewhen Balyzkyj in einem Interview des russischen Staatsfernsehens. Für die internationalen Gesandten seien gepanzerte Fahrzeuge vorbereitet worden.

    Das Atomkraftwerk Saporischschja vor dem Krieg. Sein jetziger Zustand ist ungeklärt.
    Das Atomkraftwerk Saporischschja vor dem Krieg. Sein jetziger Zustand ist ungeklärt.
    Bild: Dmytro Smolyenko/Future Publishing via Getty Images

    Der Generaldirektor der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA, Rafael Grossi, hatte vergangene Woche erklärt, die IAEA müsse sich nach Saporischschja begeben – ähnlich wie zuvor nach Tschernobyl –, um vor Ort zu klären, was dort passiere, und um Reparaturen und Inspektionen auszuführen. Am Mittwoch sagte Grossi, er werde eine Expertenmission persönlich anführen, um das Kraftwerk «in sehr naher Zukunft» zu inspizieren.

  • 19.39 Uhr
    Schweden liefert ersten türkischen Staatsbürger seit Nato-Streit mit Türkei aus

    Schweden hat die erste Abschiebung eines türkischen Staatsbürgers seit dem Streit mit der Türkei um seinen Nato-Beitritt angekündigt. Es handele sich um einen wegen Kreditkartenbetrugs verurteilten türkischen Staatsbürger, wie die schwedische Regierung am Donnerstag mitteilte.

    Der Mann befindet sich seit Dezember 2021 in Schweden in Gewahrsam. Sein Name steht auf einer in türkischen Medien veröffentlichten Liste von Menschen, deren Auslieferung Ankara fordert. Das schwedische Justizministerium wollte sich zu dieser Liste nicht äussern.

    Es handele sich bei der Auslieferung um eine «reguläre, routinemässige Angelegenheit», sagte die Sprecherin des Justizministeriums, Angelica Vallgren, der Nachrichtenagentur AFP. Demnach hatte Ankara die Auslieferung bereits im Jahr 2021 beantragt – lange vor dem Antrag Stockholms auf einen Nato-Beitritt.

    In einem Abkommen, das Schweden und Finnland Ende Juni auf einem Nato-Gipfel in Madrid unterzeichneten, sagten die beiden Länder zu, türkische Auslieferungsanträge «zügig und gründlich» zu prüfen. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan sagte, Schweden habe ein «Versprechen» gegeben, «73 Terroristen» auszuliefern.

    Die Türkei beschuldigt Schweden und Finnland, Dutzende «Terror»-Verdächtige aus der Türkei zu beherbergen und fordert deren Auslieferung. Dabei handelt es sich vor allem um Mitglieder der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) und der Bewegung des islamischen Predigers Fethullah Gülen.

    Die Türkei hatte mehrfach gedroht, den Nato-Beitritt der nordischen Länder zu blockieren, wenn sie die türkischen Forderungen nicht erfüllen.

  • 19.02 Uhr
    McDonalds will Filialen in Kiew und der Westukraine wieder öffnen

    Die Fastfood-Kette McDonalds will ihre Filialen in der Ukraine teilweise wieder öffnen. «Einige Restaurants in Kiew und der Westukraine» sollen «in den kommenden Monaten» den Betrieb wieder aufnehmen, erklärte der McDonalds-Chef für internationale Märkte, Paul Pomroy, am Donnerstag. Er verwies auf Bitten der ukrainischen Mitarbeiter des US-Unternehmens, die sich demnach «ein kleines, aber wichtiges Zeichen der Normalität» erhoffen.

    Pomroy erklärte, nun müssten zunächst die Belieferung der Restaurants organisiert und die Gebäude vorbereitet werden. Auch brauche es «verbesserte Verfahren und Protokolle, um die Sicherheit unserer Mitarbeiter und Kunden zu gewährleisten». Der ukrainische Aussenminister Dmytro Kuleba begrüsste die Ankündigung, auch wenn die tatsächliche Wiedereröffnung «eine Weile dauern wird».

  • 18.25 Uhr
    Russische Journalistin Owsjannikowa bis Oktober unter Hausarrest gestellt

    Die durch ihren Live-Protest gegen den russischen Militäreinsatz in der Ukraine bekannt gewordene Fernsehjournalistin Marina Owsjannikowa wird unter Hausarrest gestellt. Dieser gelte bis zum 9. Oktober, teilte ein Gericht in Moskau am Donnerstag mit. Der 44-jährigen Owsjannikowa, die am Mittwoch festgenommen worden war, drohen wegen Diskreditierung der Armee bis zu zehn Jahre Haft.

    Seit Ende Juli wurde die zweifache Mutter bereits zwei Mal wegen «Diskreditierung» der Armee zu Geldstrafen verurteilt. Die Urteile bezogen sich insbesondere auf Veröffentlichungen in Onlinenetzwerken, in denen die Journalistin die Militäroffensive in der Ukraine kritisierte.

    Die durch ihren Kriegsprotest im russischen Fernsehen bekannt gewordene Journalistin Marina Owsjannikowa bei einem Interview mit der dpa am 21. Juni 2022.
    Die durch ihren Kriegsprotest im russischen Fernsehen bekannt gewordene Journalistin Marina Owsjannikowa bei einem Interview mit der dpa am 21. Juni 2022.
    Bild: Keystone/dpa/Annette Riedl

    International bekannt wurde Owsjannikowa, als sie Mitte März während einer Live-Sendung ihres Arbeitgebers, einem kremltreuen Sender, hinter der Nachrichtensprecherin auftauchte und ein gegen den Militäreinsatz in der Ukraine gerichtetes Protestplakat in die Kamera hielt. Die russischen Behörden, die bereits seit Jahren gegen Regierungskritiker vorgehen, haben seit Beginn der Militäroffensive ihr strafrechtliches Vorgehen noch einmal deutlich verschärft.

  • 17.32 Uhr
    Geberkonferenz sammelt 1,5 Milliarden Euro für Ukraine

    Auf einer internationalen Geberkonferenz in Kopenhagen sind mehr als 1,5 Milliarden Euro an Unterstützung für die Ukraine zusammengekommen. Zu dieser Summe hätten sich die Teilnehmer am Donnerstag auf der Konferenz verpflichtet, sie könne noch steigen, gab der dänische Verteidigungsminister Morten Bødskov anschliessend bekannt.

    Das Geld sei für dieses und nächstes Jahr vorgesehen. Es kann beispielsweise in Waffen und die Ausbildung ukrainischer Soldaten fliessen. Polen, die Slowakei und Tschechien erklärten sich den Angaben zufolge zudem bereit, die Produktion von Artilleriesystemen, Munition und weiterer Ausrüstung auszuweiten.

    In einer gemeinsamen Erklärung bekannten sich die Staaten zur weiteren und nachhaltigen militärischen Unterstützung für die Ukraine. Ein nächstes Treffen ist im September online geplant.

    Bei der Konferenz in der dänischen Hauptstadt ging es vor allem um Waffen, die Ausbildung von ukrainischen Soldaten und Hilfe bei der Minenräumung. 26 Länder schickten Delegationen nach Kopenhagen.

  • 17.22 Uhr
    Atomkraftwerk Saporischschja wird wieder beschossen

    Das ukrainische Atomkraftwerk Saporischschja ist nach Angaben der russischen Besatzer erneut unter Beschuss geraten. Das Kraftwerk sei mit schwerer Artillerie und Raketenwerfern angegriffen worden, teilte der Vertreter der Besatzungsbehörden, Wladimir Rogow, am Donnerstag im Nachrichtenkanal Telegram mit. Geschossen werde aus Ortschaften, die unter ukrainischer Kontrolle stünden. Überprüfbar waren die Angaben nicht. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte angesichts des Beschusses vor einer möglichen Atomkatastrophe gewarnt.

    Der ukrainische Kraftwerksbetreiber Enerhoatom informierte bei Telegram über insgesamt zehn Einschläge in der Nähe des grössten europäischen Atomkraftwerks im Süden der Ukraine. «Die Situation im Kraftwerk ist gerade unter Kontrolle», teilte der Konzern mit. Nach diesen Angaben gab es keinen Brand und auch keine erhöhten Radioaktivitätswerte.

  • 17.11 Uhr
    Moskau veranstaltet mitten im Krieg «Panzer-Biathlon»

    Trotz des seit Monaten andauernden Kriegs gegen die Ukraine veranstaltet Russland zuhause mit Panzereinheiten aus einer Vielzahl von Ländern internationale Armeespiele. Der diesjährige «Panzer-Biathlon» beginne an diesem Samstag und dauere zwei Wochen lang, teilte Russlands Verteidigungsministerium am Donnerstag mit. Soldaten aus insgesamt 22 Ländern sollen sich bei dem Wettkampf etwa im Panzer-Fahren, an Schiessständen und in Hindernis-Parcours messen, heisst es auf einer eigens eingerichteten Homepage.

    Zu den Teilnehmerstaaten zählen demnach neben Russland etwa China und Venezuela sowie die Ex-Sowjetrepubliken Belarus, Kasachstan und Usbekistan. Die Militärveranstaltung läuft bereits zum zehnten Mal unweit der russischen Hauptstadt Moskau und wird von der «Internationalen Föderation des Panzer-Biathlons» organisiert.

  • 14.55 Uhr
    Estland beschränkt Einreise für Russen

    Estland verschärft die Visa-Regelungen für Menschen aus Russland und beschränkt deren Einreise. Die Regierung in Tallinn beschloss am Donnerstag, dass russische Staatsbürger vom 18. August an nicht mehr mit einem von Estland ausgestellten Schengen-Visum einreisen dürfen.

    Ausgenommen von der Regelung sind Russen, deren Heimatland Estland ist oder die ihren ständigen Wohnsitz in dem baltischen EU- und Nato-Staat haben. Daneben gelten weitere Ausnahmen, etwa für Verwandtschaftsbesuche. Weiter einreisen dürfen auch russische Bürger mit von anderen EU-Mitgliedern ausgestellten Visa.

    «Wir sehen, dass die Zahl der russischen Bürger, die durch Estland reisen oder aus Russland nach Estland kommen, massiv zugenommen hat», sagte Aussenminister Urmas Reinsalu. Die Möglichkeit, massenhaft Estland zu besuchen oder über das Land nach Europa zu gelangen, entspreche nicht dem Zweck der verhängten Sanktionen.

    Estland hatte als eine Reaktion auf Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine die Vergabe von Visa und Aufenthaltsgenehmigungen an Russen ausgesetzt. Mit einem gültigen Visum war es aber weiterhin möglich, per Bus oder Auto über die estnische Grenze in den Schengenraum einzureisen.

    Estlands Aussenminister Urmas Reinsalu, hier zusammen mit Wolodymyr Selenskyj am 3. August, will nicht, dass Russen via Estland nach Europa gelangen.
    Estlands Aussenminister Urmas Reinsalu, hier zusammen mit Wolodymyr Selenskyj am 3. August, will nicht, dass Russen via Estland nach Europa gelangen.
    KEYSTONE/Ukrainian Presidential Press Office via AP
  • 14.25 Uhr
    UN-Generalsekretär warnt vor Atomkatastrophe in Ukraine

    Angesichts der Auseinandersetzungen zwischen Russland und der Ukraine um das Atomkraftwerk Saporischschja hat UN-Generalsekretär António Guterres vor einer Atomkatastrophe gewarnt.

    Vor einer Sitzung des UN-Sicherheitsrats am Mittwoch in New York zur Situation des grössten europäischen AKW im Süden der Ukraine äusserte sich Guterres «zutiefst besorgt». «Bedauerlicherweise gab es in den letzten Tagen keine Deeskalation, sondern Berichte über weitere zutiefst besorgniserregende Vorfälle. Wenn sich diese fortsetzen, könnte dies zu einer Katastrophe führen.»

    Das AKW im Süden der Ukraine, das seit Monaten unter russischer Kontrolle steht, war am Wochenende mehrfach beschossen und teils beschädigt worden. Die kritische Infrastruktur soll aber weiter intakt sein. Russland und die Ukraine geben sich gegenseitig die Schuld. Am Mittwoch griffen russische Einheiten mit Raketenwerfern Ortschaften in der Umgebung an. Dabei starben nach ukrainischen Angaben mindestens elf Menschen. Unabhängig zu überprüfen war dies nicht.

  • 13.00 Uhr
    Selenskyj warnt vor neuer Atomkatastrophe

    Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat die internationale Gemeinschaft vor einer neuen Atomkatastrophe ähnlich der von Tschernobyl 1986 gewarnt. Russland sei ein terroristischer Staat, der das Atomkraftwerk Saporischschja als Geisel halte und zur Erpressung nutze, sagte er am Donnerstag per Videoschalte zum Auftakt einer Ukraine-Geberkonferenz in Kopenhagen. Russland sei heute noch zynischer und noch gefährlicher als die Sowjetunion, die die Atomkatastrophe von Tschernobyl einst habe verheimlichen wollen.

    «Wir müssen Europa vor dieser Bedrohung schützen», sagte Selenskyj. Saporischschja sei nicht nur das grösste Atomkraftwerk Europas, sondern auch das drittgrösste der Erde. Die Reaktion auf das russische Vorgehen müsse umfassend sein. Die Ukraine brauche zur Verteidigung das Maximale an Bewaffnung und Munition. «Niemand braucht neue Katastrophen», sagte Selenskyj.

    Bei der Geberkonferenz #CopenhagenUkraine sollte es am Donnerstag um Waffen, die Ausbildung von Soldaten und Hilfe bei der Minenräumung für die Ukraine gehen. Repräsentanten von 26 Ländern waren vor Ort dabei.

    Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj spricht an der Geberkonferenz in Kopenhagen am 11. August per Videoschaltung zu den Anwesenden. Dabei warnt er vor einer möglichen Atomkatastrophe in Saporischschja. 
    Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj spricht an der Geberkonferenz in Kopenhagen am 11. August per Videoschaltung zu den Anwesenden. Dabei warnt er vor einer möglichen Atomkatastrophe in Saporischschja. 
    Bild: Keystone/Philip Davali/Ritzau Scanpix via AP
  • 12.40 Uhr
    Scholz kündigt weitere massive Unterstützung der Ukraine an

    Der deutsche BundesKanzler Olaf Scholz hat weitere massive Unterstützung der Ukraine in ihrem Abwehrkampf gegen den Angriffskrieg Russlands angekündigt.

    Der Krieg Russlands verlange unverändert, «dass wir weitreichende Entscheidungen treffen, um die Ukraine in ihrem Kampf um Unabhängigkeit zu unterstützen», sagte der SPD-Politiker am Donnerstag bei seiner ersten Sommerpressekonferenz in Berlin. Die Regierung tue das durch einen «massiven Bruch mit bisheriger Praxis, indem wir Waffen liefern, sehr, sehr viele, sehr weitreichende, sehr effiziente. Und das werden wir auch die nächste Zeit weiter tun.»

    Der deutsche Kanzler Olaf Scholz kündigt an der Sommerpressekonferenz am 11. August in Berlin weitere Unterstützung der Ukraine an. 
    Der deutsche Kanzler Olaf Scholz kündigt an der Sommerpressekonferenz am 11. August in Berlin weitere Unterstützung der Ukraine an. 
    Bild: Keystone/EPA/Clemens Bilan

    Konkret wurde Scholz bei der Frage künftiger Waffenlieferungen zunächst nicht. Er nannte den Krieg die aktuell grösste Herausforderung und betonte: «Wir unterstützen die Ukraine finanziell und wir haben uns darauf eingestellt, dass das, was mit diesem Krieg verbunden ist, die ganze Welt berührt, aber selbstverständlich auch Europa und unser Land.»

    Russland müsse einsehen, «dass es nicht hinauslaufen kann auf einen Diktatfrieden, wie er wahrscheinlich am Anfang in den Köpfen des russischen Präsidenten und seiner politischen Führungskräfte gewesen ist». «Das darf nicht klappen und das wird auch nicht klappen, da bin ich ganz sicher», fügte er hinzu.

  • 11.32 Uhr
    Ukraine vereinbart zweijähriges Schuldenmoratorium mit Gläubigern

    Die Ukraine hat mit einem grossen Teil ihrer Gläubiger ein zweijähriges Schuldenmoratorium vereinbart. Wie Regierungschef Denys Schmyhal am Donnerstag mitteilte, muss die Ukraine bis 2024 keine Zinsen und Tilgungen auf Auslandsschulden in Höhe von 20 Milliarden Dollar (18,8 Milliarden Franken) zahlen. Das Moratorium ermögliche der Ukraine, ihre finanzielle und wirtschaftliche Stabilität aufrechtzuerhalten und zu stärken, erklärte Schmyhal im Onlinedienst Twitter.

    Wie das ukrainische Finanzministerium mitteilte, haben 75 Prozent der Kreditgeber der Ukraine dem Moratorium zugestimmt. Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Japan und die USA hatten bereits im Juli einen Zahlungsaufschub für die Ukraine beschlossen. Sie forderten zudem auch andere Gläubiger auf, der Ukraine einen Aufschub bei der Rückzahlung von Schulden zu gewähren.

    Die Wirtschaft der Ukraine ist seit Beginn des russischen Angriffskriegs stark eingebrochen. Nach Schätzungen der Weltbank könnte das Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr um 45 Prozent zurückgehen.

  • 9.30 Uhr
    Litauen will Güterverkehr nach Kaliningrad erneut einschränken 

    Litauen hat erneut Einschränkungen im Güterverkehr in die russische Exklave Kaliningrad angekündigt. Wie die litauische Staatsbahn am Mittwochabend mitteilte, wird der Transit bestimmter russischer Güter ausgesetzt, bei denen eine Obergrenze erreicht wurde.

    Betroffen seien vor allem Eisen- und Stahlprodukte, Holz, Düngemittel und das Kühlmittel Ethylenglykol. «Wenn die transportierte Menge bestimmter Güter die festgelegten Jahresdurchschnittswerte erreicht, werden die Transportanfragen abgelehnt», erklärte die Bahn.

    Kaliningrad liegt an der Ostsee zwischen Litauen und Polen und hat keine direkte Landverbindung nach Russland. Mitte Juni hatte das EU-Mitglied Litauen den Güterverkehr zwischen Russland und der Exklave beschränkt. Güter, die unter die EU-Sanktionen gegen Russland fallen, konnten nicht mehr mit der Bahn von Russland über Litauen nach Kaliningrad gebracht werden.

    Güterwaggons stehen auf den Gleisen des Güterbahnhofs in Kaliningrad. Litauen hat erneut Einschränkungen im Güterverkehr in die russische Exklave Kaliningrad angekündigt. (Archivbild) 
    Güterwaggons stehen auf den Gleisen des Güterbahnhofs in Kaliningrad. Litauen hat erneut Einschränkungen im Güterverkehr in die russische Exklave Kaliningrad angekündigt. (Archivbild) 
    KEYSTONE/AP/dpa
  • 9.22 Uhr
    UN-Koordinator erwartet Anstieg der Getreideausfuhren aus der Ukraine

    Vor dem Hintergrund der Vereinbarungen zwischen Moskau und Kiew rechnen die Vereinten Nationen mit wachsenden Getreideausfuhren aus der Ukraine.

    Der UN-Koordinator Frederick Kenney sagte am Mittwoch in einer virtuellen Pressekonferenz aus Istanbul, die Schiffseigner zeigten enormes Interesse am Export von Getreide aus den ukrainischen Häfen. Das Gemeinsame Koordinationszentrum, das die ukrainischen Erzeugnisse auf den Weltmarkt bringen soll, hat seinen Sitz in der türkischen Metropole.

    Die Vereinten Nationen rechnen mit einem Anstieg der Getreideausfuhren aus der Ukraine. (Symbolbild)
    Die Vereinten Nationen rechnen mit einem Anstieg der Getreideausfuhren aus der Ukraine. (Symbolbild)
    Bild: Keystone/AP/Efrem Lukatsky

    Das Zentrum erhalte jeden Tag Dutzende Anfragen nach ukrainischem Getreide, sagte Kenney, Direktor für rechtliche und externe Angelegenheiten bei der Internationalen Schifffahrtsorganisation und pensionierter Konteradmiral der US-Küstenwache.

    Details über die Verschiffungen und Inspektionen seien am Montag an die Branche herausgegeben worden. Nun werde mit einem weiteren Anstieg der Anfragen gerechnet. «Wir wissen, dass eine Reihe von leeren Getreideschiffen in türkischen Ankergebieten darauf warten, die Verträge abzuschliessen.» Sobald die Papiere unterzeichnet seien, könnten die Schiffe in Richtung Norden ablegen.

    Russland und die Ukraine hatten sich unter Vermittlung der Türkei und der Vereinten Nationen am 22. Juli darauf geeinigt, der Ukraine den Weg für die Ausfuhr von 22 Millionen Tonnen Getreide zu ebenen. 

  • 9.05 Uhr
    London: Russland kann Rüstungsexporte wahrscheinlich nicht erfüllen

    Russland kann nach Ansicht britischer Geheimdienstexperten seine Auslandsaufträge in der Rüstungsindustrie nicht mehr in vollem Umfang erfüllen. «Russland ist höchstwahrscheinlich nicht in der Lage, einige seiner Exportaufträge für gepanzerte Fahrzeuge auszuführen», hiess es in dem täglichen Geheimdienst-Update zum Ukrainekrieg des Verteidigungsministeriums in London am Donnerstag.

    Hintergrund seien die aussergewöhnliche Nachfrage für gepanzerte Kampffahrzeuge für Russlands eigene Streitkräfte in der Ukraine und der zunehmende Effekt westlicher Sanktionen, so die Mitteilung weiter.

    So habe Belarus kürzlich Details über einen im eigenen Land weiterentwickelten Kampfpanzer vorgestellt. Zuvor sei diese Aufgabe dem staatlichen russischen Rüstungskonzern UralVagonZavod zugefallen.

    Auch das Ansehen der russischen Rüstungsindustrie im Ausland hat nach Ansicht der Briten gelitten: «Die Glaubwürdigkeit vieler ihrer Waffensysteme wurde durch die Verbindung mit der schwachen Leistung russischer Streitkräfte im Ukraine-Krieg untergraben», hiess es in der Mitteilung.

  • 7.55 Uhr
    Giftiges Ammoniak ausgeströmt - Toter und Verletzte

    Aus einer brennenden Brauerei in der ostukrainischen Separatistenhochburg Donezk ist nach Angaben örtlicher Behörden giftiges Ammoniak ausgetreten. Bei dem durch ukrainischen Beschuss ausgelösten Brand seien ein Mensch getötet und zwei weitere verletzt worden, teilte die prorussischen Behörden in Donezk am Donnerstag mit.

    Der Austritt von Ammoniak sei gestoppt worden. Das Gas verteilte sich demnach in der Nacht im Umkreis von zwei Kilometern. Die Bevölkerung wurde aufgefordert, in Gebäuden zu bleiben und Fenster geschlossen zu halten. Ammoniak - bekannt für seinen stechenden Geruch - dient beim Bierbrauen als Kühlmittel.

    Zur Zeit des Beschusses hätten sich mehr als 30 Menschen in der Bierbrauerei aufgehalten, hiess es. Die Front zwischen ukrainischen Truppen und den Einheiten der von Moskau gesteuerten Separatisten verläuft seit 2014 nordöstlich der grössten Stadt im Donbass. Durch ukrainischen Beschuss seien am Mittwoch in Donezk drei Zivilisten getötet worden, teilten die Separatisten mit. Die Berichte sind in der Regel nicht unabhängig zu überprüfen.

  • 7.15 Uhr
    Satellitenbilder zeigen zerstörte russische Kampfjets auf der Krim 

    Nach den Explosionen auf einer Militärbasis auf der Krim zeigen westliche Satellitenbilder, dass mindestens sieben russische Kampfflugzeuge zerstört wurden. Weitere Jets hätten offenbar Schäden davongetragen, berichtete Planet Labs PBC, ein auf Erdbeobachtung spezialisiertes US-Unternehmen.

    Das Satellitenbild von Planet Labs PBC zeigt die zerstörten Kampfjets auf der Militärbasis auf der Krim. 
    Das Satellitenbild von Planet Labs PBC zeigt die zerstörten Kampfjets auf der Militärbasis auf der Krim. 
    Bild: Keystone/AP/Planet Labs PBC

    Dessen Satellitenbilder stammten von Mittwochnachmittag. Sie zeigen eine rund zwei Quadratkilometer große verbrannte Grünfläche auf dem Stützpunkt Saky. Etliche Krater waren auf dem Boden in der Nähe des Rollfeldes zu sehen, was in der Regel auf eine massive Explosion hindeutet. Einige der Kampfjets auf dem Stellplatz wurden auf der Rollbahn zudem verschoben: auf vor den Explosionen aufgenommenen Satelittenbildern standen sie noch an einer anderen Stelle.

    Russland hat bestritten, dass jedwede Flugzeuge bei den Detonationen am Dienstag zerstört worden seien. Auch Hotels oder der Strand der Halbinsel seien nicht betroffen gewesen. Bei den Explosionen, bei denen laut Krim-Chef Sergej Aksjonow eine Person ums Leben kam und 14 weitere verletzt wurden, waren Touristen jedoch in Panik von der nahe gelegenen Küste geflüchtet.

    Dieses Satellitenbild zeigt den russischen Luftwaffenstützpunkt Saky vor einer Explosion.
    Dieses Satellitenbild zeigt den russischen Luftwaffenstützpunkt Saky vor einer Explosion.
    Bild: Keystone/Planet Labs PBC

    Die ukrainische Regierung reklamierte die Explosionen nicht für sich, mokierte sich aber zugleich über die russische Erklärung, wonach ein unachtsamer Raucher dafür gesorgt haben könnte, dass Munition auf der Luftwaffenbasis Saky Feuer gefangen habe und hochgegangen sei. 

  • 5.20 Uhr
    Ukraine will Interessen in Moskau durch Schweiz vertreten lassen

    Die Schweiz soll künftig die diplomatischen Interessen der Ukraine in Russland vertreten – allerdings lehnt Moskau diese Lösung ab. Das Aussenministerium in Kiew teilte am Mittwoch mit, die Wahrnehmung der Interessen sei mit der Schweiz bereits bilateral vereinbart worden. Die Schweiz habe «grosse Erfahrung bei der Erfüllung solcher Funktionen», sagte Ministeriumssprecher Oleh Nikolenko. Nach Angaben ukrainischer Medien bestätigte das Schweizer Aussenministerium die Einigung, verwies aber auf die fehlende Zustimmung aus Moskau.

    Die Ukraine hatte die diplomatischen Beziehungen zu Russland am 24. Februar abgebrochen – dem Tag, an dem vor mehr als fünf Monaten der Krieg begann. Allerdings leben und arbeiten bis heute Hunderttausende Ukrainer in dem grossen Nachbarland. Durch die freiwillige oder zwangsweise Evakuierung von Menschen aus Kampfgebieten kamen weitere hinzu.

    Das Aussenministerium in Moskau verwies auf Äusserungen von Minister Sergej Lawrow, wonach man keine Vermittlung eines Landes akzeptieren werde, das sich Sanktionen angeschlossen habe. Die Neutralität der Schweiz sei durch deren Übernahme der EU-Sanktionen entwertet, heisst es in einer Stellungnahme, aus der die Zeitung «Kommersant» zitierte. Die Schweiz vertritt in Moskau bereits die Interessen Georgiens, das seit 2008 keine diplomatischen Beziehungen zu Russland mehr hat.

    Bundespräsident und Aussenminister Ignazio Cassis im Gespräch mit dem ukrainischen Premier Denys Shmyhal am Rand der Ukraine-Konferenz am 4. Juli 2022 in Lugano. Ob Cassis da schon erklärt hat, dass die Schweiz die Interessen der Ukraine in Moskau nicht gegen den Willen Russlands vertreten kann?
    Bundespräsident und Aussenminister Ignazio Cassis im Gespräch mit dem ukrainischen Premier Denys Shmyhal am Rand der Ukraine-Konferenz am 4. Juli 2022 in Lugano. Ob Cassis da schon erklärt hat, dass die Schweiz die Interessen der Ukraine in Moskau nicht gegen den Willen Russlands vertreten kann?
    Bild: Keystone
  • 4.46 Uhr
    Selenskyj: «Meldet uns Kollaborateure»

    Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat die Bewohner der von Russland besetzten Gebiete zum Widerstand aufgerufen. Sie sollten den ukrainischen Streitkräften über sichere Kanäle Informationen zum Feind oder über Kollaborateure übermitteln, sagte Selenskyj am Mittwoch in seiner abendlichen Videoansprache.

    Zugleich erneuerte der Präsident die Bitte um ausländische Waffenhilfe für sein Land. Je entschiedener sie ausfalle, desto eher werde der Krieg enden, sagte er mit Blick auf eine Konferenz in Kopenhagen ab Donnerstag. Dort beraten die Verteidigungsminister aus gut einem Dutzend Ländern, darunter Deutschland, über militärische und finanzielle Unterstützung für das von Russland angegriffene Land.

    Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj ruft seine Landsleute auf, Kollaborateure in den von Russland besetzten Gebieten zu melden. EPA/SERGEY DOLZHENKO
    Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj ruft seine Landsleute auf, Kollaborateure in den von Russland besetzten Gebieten zu melden. EPA/SERGEY DOLZHENKO
    Bild: Keystone