Innert vier Minuten leergeräumtInsider packt aus, wie leicht Schweizer Museen zu knacken sind
fon
3.12.2025
In ein Schweizer Museum einzubrechen ist "zu einfach
Imago
Der Diebstahl im Louvre hat die Debatte über die Verwundbarkeit europäischer Museen neu entfacht. Der Bericht eines ehemaligen Einbrechers, der sich früher auf Raubzüge in der Schweiz spezialisiert hatte, zeigt, wie gering der Aufwand sein kann, um wertvolle Exponate in Gefahr zu bringen.
Nicolò Forni
03.12.2025, 16:05
04.12.2025, 08:27
fon
Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen
Nach dem Einbruch in den Louvre wächst die Sorge um die Sicherheit europäischer Museen – auch in der Schweiz.
Der ehemalige Dieb Jonathan Moltaldo schildert gegenüber RTS, wie er eine Ausstellung von Audemars Piguet in wenigen Minuten ausräumen konnte, indem er grundlegende Sicherheitslücken nutzte.
Nach seiner Einschätzung sind Schweizer Museen weiterhin zu wenig geschützt: leicht zugängliche Fenster, fehlende Verriegelungen und interne Informationen erleichterten viele seiner Taten.
Der spektakuläre Einbruch im Pariser Louvre im Oktober hat europaweit Fragen zum Schutz von Museen aufgeworfen. Auch in der Schweiz, wo bedeutende kulturelle und wirtschaftliche Werte ausgestellt werden, scheint das Sicherheitsniveau laut Experten nicht immer dem Risiko zu entsprechen.
RTS hat dazu mit einem Mann gesprochen, der jahrelang selbst Museen ins Visier nahm: Jonathan Moltaldo. Heute zeigt er sich reumütig, doch früher war er für einige der dreistesten Raubzüge in der Schweiz verantwortlich. Seine Aussagen werfen ein kritisches Licht auf den Schutz vieler Schweizer Museen – insbesondere jener, die der Luxusuhrenindustrie gewidmet sind.
In einer Bar am Prado in Marseille – ein Ort, der fast filmisch wirkt mit einer korsischen Fahne und einem alten Holztisch – erklärt Moltaldo erstmals ausführlich, wie er seine Einbrüche plante und durchführte. 2021 wurde er wegen gewerbsmässigen Diebstahls und Sachbeschädigung zu drei Jahren Haft verurteilt. Heute sagt er offen: «Die Sicherheit der Schweizer Museen ist zu fragil.»
Museen in der Schweiz sind zu leicht zu knacken".
Der Einbruch ins Museum von Audemars Piguet in Le Brassus im Kanton Waadt – spezialisiert auf hochwertige Uhren – sei eine Sache von wenigen Minuten gewesen. «Es war gegen drei oder halb vier Uhr morgens. Ich war schon zwei Wochen vorher regelmässig dort und wusste genau, wo ich eine Leiter finden würde – immer am gleichen Ort», erzählt er.
Die Vorbereitung sei minutiös gewesen: gestohlenes Fahrzeug, definierte Rollen, klare Abläufe. «Wir waren zu dritt. Dem Fahrer sagte ich: Wenn wir nach vier Minuten nicht zurück sind, fährst du los.»
Der Raub bei Audemars Piguet: vier Minuten bis zum Verschwinden
Die Schwachstelle lag nicht am Haupteingang, sondern an Fenstern im oberen Stockwerk. «Drei Schläge mit dem Vorschlaghammer – und wir waren drin. Ein Komplize zerschlug die Vitrinen, ich nahm die Uhren.» Insgesamt verschwanden 59 Zeitmesser mit einem Versicherungswert von fast einer Million Franken. Nur zwölf tauchten jemals wieder auf.
Zum Verbleib der übrigen Stücke sagt Moltaldo: «Ich habe sie nie getragen, ich mag solche Uhren nicht.» Der Rest sei auf dem Schwarzmarkt gelandet – bei Sammlern, bei Hehlern, die Edelsteine ausbauen und Gehäuse einschmelzen, bei Käufern in Russland, Israel oder Marokko. «Wer soll diese Wege je kontrollieren? Niemand.»
Für Moltaldo sind Schweizer Museen ein ideales Ziel: hoher Wert, geringe Hürden. «Wenn sich ein Fenster mit drei Schlägen öffnen lässt, ohne Gitter oder Sicherung, dann ist das für ein Aushängeschild der Schweizer Industrie schlicht ungenügend.»
Museen seien, so seine Einschätzung, deutlich leichter zu knacken als Banken oder Geldautomaten. Beim Einbruch ins Jaeger-LeCoultre-Museum hätten zusätzlich Insider-Informationen geholfen: Grundrisse, Schliessfächer, Inhalte, bekannte Sicherheitslücken.