Trump droht mehreren US-Demokraten mit Todesstrafe
Sechs Kongressmitglieder der US-Demokraten hatten aktive Soldaten oder Mitarbeiter von Geheimdiensten aufgefordert, illegale Befehle nicht zu befolgen. Trump beschimpfte die Abgeordneten daraufhin als Verräter und brachte die Todesstrafe ins Spiel.
21.11.2025
In Washington entgleitet die politische Diskussion: Donald Trump droht unverhohlen sechs demokratischen Abgeordneten wegen eines Videos – Todesdrohungen und Polizeischutz sind die Folge. Während die Opposition aufschreit, können die Republikaner diese Aufregung nicht verstehen.
Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen
- Donald Trump hat sechs Demokraten mit Gefängnis und Todesstrafe gedroht, weil die ein Video gemacht haben, dass sich an die US-Sicherheitskräfte richtet.
- Das sagt das Sextett in dem Clip – es geht darum, illegale Befehle nicht zu befolgen und die Verfassung zu wahren.
- Die Demokraten bekommen nun Todesdrohungen und brauchen mehr Schutz.
- So reagieren die Demokraten auf Trumps Aussagen – einer von ihnen weiss aus eigener leidvoller Erfahrung, was passieren kann.
- So reagieren die Republikaner: Mike Johnson und Karoline Leavitt stellen den Fall vollkommen anders dar.
Grosse Aufregung in Washington!
Schon wieder.
Was ist passiert? Sechs Politikerinnen und Politiker der Demokraten haben sich in einem Video an das US-Militär gewendet, was wiederum den US-Präsidenten dazu verleitet hat, ihnen Verrat vorzuwerfen und zu fordern, dass sie doch eingesperrt, wenn nicht sogar hingerichtet werden sollten.
Von «aufrührerischem Verhalten», schreibt Trump in Grossbuchstaben: Was haben diese Demokraten getan, was derartigen Reaktionen hervorruft?
Das Video
Das Politiker-Sextett hat einen beruflichen Hintergrund bei Army, Navy, Air Force und den Geheimdiensten. «Gebt das Schiff nicht auf» heisst ihr Clip, in dem sie sich an ihre früheren Kollegen wenden.
«Wir wissen, dass Ihr gerade unter enormen Druck und Stress steht», sagt Senatorin Elissa Slotkin. «Diese Administration lässt unser uniformiertes Militär und Mitglieder des Geheimdienstes gegen amerikanische Bürger antreten», sagen sie und ihre Kollegen.
Appell von sechs Demokraten: «Gebt das Schiff nicht auf»
Sechs Politikerinnen und Politiker der Demokraten haben sich in einem Video an das US-Militär gewendet, was wiederum den US-Präsidenten dazu verleitet hat, ihnen Verrat vorzuwerfen und zu fordern, dass sie doch eingesperrt, wenn nicht sogar hingerichtet werden sollten.
21.11.2025
Sie erinnern die Sicherheitskräfte daran, dass sie geschworen hätten, die Verfassung zu verteidigen – und diese sei nicht nur durch äussere Akteure, sondern auch von innen bedroht. «Unsere Gesetze sind klar», sagt Senator Mark Kelly: «Ihr könnt illegale Befehle verweigern.»
«Ihr könnt illegale Befehle verweigern», nickt Slotkin. «Ihr müsst illegale Befehle verweigern», folgt der Abgeordnete Chris Deluzio. Sie wüssten, dass es eine schwierige Zeit sei, doch «Wachsamkeit» sei nun besonders wichtig. «Wir müssen uns hinter unsere Gesetze und unsere Verfassung stellen», heisst es unter pathetischem Trompetenklang.
Charlie Kirk? Schon vergessen
Es ist erstaunlich: Es ist keine eineinhalb Monate her, dass der rechte Aktivist Charlie Kirk im US-Bundesstaat Utah ermordet worden ist. Im Anschluss hat der Präsident der Opposition schwere Vorwürde gemacht, sie sei für das Klima der Gewalt verantwortlich.
600 Personen, die das Attentat kommentierten, hatten deswegen Ärger mit ihrem Arbeitgeber oder der Justiz, berichtet «Reuters» am 19. November. Und nun glaubt das Weisse Haus, es müsse schweres Geschütz auffahren, weil sechs Demokraten Militär und Geheimdienst auffordern, das Gesetz zu achten und die Verfassung zu schützen.
Das ist, als würde man mit Kanonen auf Spatzen schiessen. Das Problem: Trumps Ruf zu den Waffen könnte Gehör finden. Chuck Schumer, der demokratische Minderheitsführer im Senat, hat deshalb bei der Capitol Police darum gebeten, den Schutz seiner betroffenen Kollegen zu erhöhen.
Die Reaktionen der Demokraten
«Wenn Donald Trump von Hinrichtung und Verrat spricht, können einige seiner Anhänger sehr wohl zuhören», warnt Schumer im Senat. «Er entzündet ein Streichholz in einem Land, das mit politischem Benzin getränkt ist.» Seine Partei verurteilt Trumps Aussagen in einer Erklärung.
«Es geht wirklich nicht um uns, die das Video gemacht haben», reagiert Senatorin Slotkin auf Trump. «Es geht darum, wer wir als Amerikaner sind und wie wir mit Leuten umgehen, mit denen wir nicht übereinstimmen.» Sie lehne es ab, zu glauben, dass Angstmache und Todesdrohungen «die neue Normalität» seien. Sie werde sich den Mund nicht verbieten lassen.
«Ich weigere mich, mich davon abbringen zu lassen, das Land zu verteidigen, das ich liebe.»
Elissa Slotkin, Senatorin aus Michigan und frühere CIA-Analystin
Ihr Kollege Mark Kelly schreibt: «Was Trump gesagt hat, ist gefährlich. Wir können heftige Meinungsverschiedenheiten haben und sagen, was wir denken, ohne darauf zu verfallen, zu Gewalt zu schüren.» Worte können Konsequenzen haben, weiss der frühere Navy-Captian und Nasa-Astronaut aus leidvoller eigener Erfahrung.
Der Hintergrund: Seine Frau Gabby Giffords ist 2011 Opfer eines politischen Anschlags geworden. Ein Täter schoss ihr in Tuscon, Arizona, bei einer öffentlichen Veranstaltung in den Kopf. An jenem 8. Januar starben sechs Menschen, darunter eine Neunjährige. 14 Personen und der Schütze wurden verletzt: Giffords überlebte das Attentat nur knapp.
Die Reaktionen der Republikaner
Mike Johnson, der auf dem Papier drittmächtigste Mann im Staat, lässt die Frage eines Reporters nach Trumps Todes-Urteil nonchalant rechts liegen. Er antwortet, das Justizministerium und das Pentagon prüften «die Legalität» des Ganzen – und meint damit aber bloss das Video der Demokraten, das «völlig unpassend» sei. Man dürfe die Truppe nicht dazu aufrufen, Befehle zu verweigern. Der Clip sei «Nonsens» und «gefährlich».
Karoline Leavitt wird auf der gestrigen Pressekonferenz im Weissen Haus gefragt: Will der Präsident Abgeordnete exekutieren lassen? «Nein», antwortet die Sprecherin knapp – und bläst zum Gegenangriff: Die Medien wollten über Trumps Aussage reden, aber nicht über das, das ihn dazu bewegt hat, kontert die 28-Jährige.
Die sechs Demokraten haben sich nach Leavitts Lesart «verschworen», um ein Video zu «orchestrieren», das Angehörige der Sicherheitsdienste dazu aufruft, «sich den rechtmässigen Befehlen des Präsidenten zu widersetzen».
Leavitt: Abgeordnete befördern Gewalt
Und was sagt die Sprecherin des Weissen Hauses zum Vorwurf, Trump bediene sich einer Rhetorik, die er sie zuvor beim Gegner kritisierte? «Warum reden Sie nicht darüber, was diese Abgeordneten machen, um Gewalt zu befördern und anzustacheln?», schiesst Leavitt zurück.
Jene Demokraten würden dazu aufrufen, die Befehlskette zu missachten und «rechtmässigen Befehlen nicht zu folgen». Aber ging es da nicht bloss um Befehle, die illegal sind? «Sie suggerieren, dass der Präsident illegale Befehle gegeben hat, was er nicht getan hat», wischt Leavitt den Einwand beiseite. Die Regierung halte sich stets an alle Gesetze.
Das Sextett müsse zur Verantwortung gezogen werden, so die Sprecherin, die sich am Schluss noch darüber auslässt, dass die Presse-Meute durchdrehen würden, wenn Republikaner ein solches Video gemacht hätten. «Ich denke, das sagt ziemlich viel aus.»
Als sie abtritt, ruft ihr Kaitlan Collins hinterher: «Sie haben die Demokraten in dem Video falsch zitiert. Das ist tatsächlich nicht das, was sie gesagt haben.» Karoline Leavitt und die CNN-Journalistin werden in diesem Leben keine Freundinnen mehr.
In Washington brodelt es. Die nächste grosse Aufregung kommt bestimmt.
Schon wieder.
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