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Wladimir Putin spricht am 4. Juni im Constantine Palace in St. Petersburg mit Journalisten.
KEYSTONE
Putin zeigt sich beim Wirtschaftsforum in St. Petersburg weiter siegessicher und erneuert seine Forderungen für Frieden in der Ukraine. Selenskyj präsentiert eigene Vorschläge in einem offenen Brief.
Vor dem Hintergrund stockender US-Vermittlungsbemühungen hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj dem russischen Staatschef Wladimir Putin in einem offenen Brief direkte Friedensgespräche angeboten.
Er schlage ein Treffen in einem Drittstaat vor, um «Schlüsselfragen» persönlich mit dem Kremlchef zu klären, hiess es in dem vom Präsidentenbüro in Kiew veröffentlichten Schreiben.
Als Antwort erneuerte der Kreml nur sein – von Selenskyj schon mehrfach abgelehntes – Angebot für Verhandlungen in Moskau und die Forderung nach einer vollständigen Kontrolle der ukrainischen Donbass-Region als Voraussetzung für einen Frieden.
Zelensky addressed Putin directly, saying Ukraine is ready for talks, a full ceasefire during negotiations and an all-for-all prisoner exchange. Peskov said the Kremlin saw the letter, will brief Putin later, and repeated that Zelensky can come to Moscow. #Ukraine pic.twitter.com/JMRLTsA9qx
— NOELREPORTS 🇪🇺 🇺🇦 (@NOELreports) June 4, 2026
Beim Internationalen Wirtschaftsforum in St. Petersburg gab sich Putin siegesgewiss. Probleme habe vor allem die ukrainische Gegenseite, sagte er in einer Pressekonferenz für ausländische Nachrichtenagenturen.
Von seiner heutigen Rede vor grossem Publikum erwarten viele Russen jedoch, dass Putin Lösungen aufzeigt für die aufgestauten Probleme im eigenen Land. Bei der Veranstaltung beantwortet er traditionell Fragen, die sich auch um den Ukraine-Krieg drehen dürften.
Im fünften Kriegsjahr sieht sich Russland mit einem Wachstumseinbruch und andauernden westlichen Sanktionen konfrontiert. Dennoch will der Kreml auf dem Forum ökonomische Kraft demonstrieren.
Zelenskyy has written an open letter to Putin. The President proposed that the Russian dictator set a specific date and meet. www.president.gov.ua/en/news/vidk...
— WarTranslated (Dmitri) (@wartranslated.bsky.social) 4. Juni 2026 um 21:26
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Klar ist, dass Putin für Friedensgespräche – wenn überhaupt – genauso wenig nach Kiew reisen wird wie Selenskyj nach Moskau. Deshalb nannte der Ukrainer als Alternativen die Schweiz, die Türkei oder einen der arabischen Staaten.
US-Präsident Donald Trump sagte vor Journalisten im Weissen Haus auf den Brief angesprochen, dass er es gut fände, wenn es zu einem Treffen zwischen Putin und Selenskyj käme.
President Trump: [President Zelenskyy and Putin are] two very good people. Incredible countries. Beautiful countries. It's [peace agreement] going to happen. They're going to both make compromises. I suggested those compromises.
— Anton Gerashchenko (@antongerashchenko.bsky.social) 4. Juni 2026 um 22:27
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Als ersten Schritt schlug der ukrainische Staatschef eine Waffenruhe entlang der jetzigen Frontlinie vor, die von den Vereinigten Staaten überwacht werden soll. Dem könne ein Gefangenenaustausch «aller gegen alle» und eine Rückkehr von Zivilisten und «während des Krieges verschleppten» Kindern folgen.
An den Gesprächen sollten nach Ansicht Selenskyjs zudem Vertreter Europas und der USA auch als mögliche Garanten beteiligt werden.
Inhaltlich ging die russische Seite nicht auf den Brief ein. Putin hatte kurz vor der Veröffentlichung des Schreibens gesagt: «Wir sind zweifellos dazu bereit, mit der Ukraine eine Vereinbarung zu treffen».
Putin on Ukraine:
— Clash Report (@clashreport) June 4, 2026
We have full control of the "Luhansk People's Republic." We have also acquired control of about 85% of the "Donetsk People's Republic."
Eighty percent of the Zaporizhzhia region is under our control, and this process is progressing. pic.twitter.com/iwkKm5ivGS
Basis dafür seien jedoch die Abmachungen von Anchorage, betonte der Kremlchef. In der Stadt in Alaska hatte ihn US-Präsident Trump im vergangenen Sommer getroffen. Konkrete Ergebnisse oder Abmachungen wurden danach allerdings nicht bekannt.
Putin sagte, seine Forderung nach einer vollständigen russischen Kontrolle der Gebiete Donezk und Luhansk widerspreche als Friedensbedingung nicht der postulierten Dialogbereitschaft.
Seiner Darstellung zufolge greift die russische Armee auf ganzer Front an, während der Ukraine Soldaten fehlten. Auf dem Schlachtfeld habe Russlands Militär die Oberhand und verbuche ständig Gebietsgewinne, meinte er weiter.
Die dafür von ihm angegebene Zahl von 2440 hinzugewonnenen Quadratkilometern liegt indes deutlich über Kiews Angaben. Nach Berechnungen regierungsnaher ukrainischer Militärbeobachter hat die russische Armee mit abnehmendem Tempo seit Jahresbeginn knapp 700 Quadratkilometer erobert.
Putin on Trump:
— Polymarket Intel (@PolymarketIntel) June 4, 2026
Trump says he didn't expect the Ukraine problem to be so hard.
Some things don't seem too complicated, but as soon as you delve deep into the problem, it turns out that there are too many unknowns. pic.twitter.com/vA32b5l8VU
Putin wies bei der Pressekonferenz im Westen verbreitete Warnungen vor einer russischen Gefahr und einem womöglich baldigen Angriff auf ein Nato-Land mit Nachdruck als «Unsinn» zurück.
«Aber meiner Meinung nach ist es nicht nur Unsinn – es ist eine bewusste Provokation», sagte Putin. Es werde gezielt eine Bedrohungslage heraufbeschworen, «die in Wirklichkeit gar nicht existiert».
Ziel sei es, «die Bevölkerung der eigenen Länder dazu zu zwingen, mehr Geld für die Verteidigung auszugeben», sagte Putin. Er sei verwundert, dass ein Teil der Bevölkerung in den europäischen Ländern diese Erzählungen glaube. «Jeder, der denkt, dass Russland das Territorium der Nato überfallen könnte, sollte sich die Frage stellen: Wozu?»
Putin on whether Russia would attack Europe:
— Clash Report (@clashreport) June 4, 2026
What's the point for us? What is the reason to attack Europe for Russia and wage war against NATO?
This is nonsense. This is a deliberate provocation. pic.twitter.com/1YIVUjh1pA
Das westliche Verteidigungsbündnis gilt als militärisch überlegen gegenüber Russland, durch bröckelnden Zusammenhalt und fragliche Rückendeckung des mächtigen US-Militärs unter Trump aber auch als geschwächt.
Die Beteuerungen Putins, er plane keine Attacken gegen Nato-Gebiet, werden immer wieder angezweifelt im Westen. Der Kremlchef hatte auch vor Beginn der russischen Invasion der Ukraine erklären lassen, dass Moskau keinen Krieg plane.
Auch bei der Annexion der Krim und der Unterstützung prorussischer Separatisten im Südosten der Ukraine griff der Kreml zu Täuschungsmanövern.
Im Pressegespräch beteuerte Putin seine Bereitschaft zum Dialog auch mit Europa zur Beendigung des Krieges. Als Vermittler kämen aber nur neutrale «Leute» infrage, «denen man vertrauen kann». Er sei «verwundert», dass sein Plädoyer für Ex-Kanzler Gerhard Schröder als Vermittler wild diskutiert worden sei in Deutschland.
Es gehe nicht darum, ob Schröder sein Freund sei oder nicht; der Ex-Kanzler sei ein Staatsmann, der für die Interessen Deutschlands eintrete und seine eigenen Positionen verteidige. Deutschland und Europa seien wegen der Waffenlieferungen an die Ukraine nicht neutral.
Putin:
— Clash Report (@clashreport) June 4, 2026
If the EU turns into a military alliance, that would cause concern.
We don't mind economic integration. pic.twitter.com/g1Z1Wy4RFt
Gegen die von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) ins Spiel gebrachte assoziierte EU-Mitgliedschaft der Ukraine habe Russland nichts. «Das geht uns nichts an. Wir sind nicht dagegen», sagte Putin.
Moskau habe nichts gegen wirtschaftliche Verbindungen und Integration auf dem europäischen Kontinent einzuwenden. «Wir sind dagegen, dass sich die EU in einen Militärblock verwandelt», das wecke Sorgen in Russland, betonte Putin.
Seit Beginn des von Putin befohlenen Kriegs im Februar 2022 unterstützen die EU und deren Mitglieder die Ukraine, nicht nur mit Waffenlieferungen. Wegen der Spekulationen um einen zumindest teilweisen US-Truppenrückzug aus Europa mehren sich zudem Stimmen, die eine stärkere militärische Zusammenarbeit der EU-Länder fordern.
In seinem Brief an Putin schrieb Selenskyj, die Russen hätten die ständige Gefahr von ukrainischen Drohnen- und Raketenangriffen, die steigenden Preise und Einschränkungen ihrer Freiheiten zunehmend satt. Zugleich schrumpften die Ressourcen des russischen Machtapparats.
«Sie werden nicht genug Geld oder politisches Kapital haben, um weiterhin die Loyalität der Russen zu erkaufen, wie Sie es in den letzten 26 Jahren getan haben», so Selenskyj.
Es sei keine ukrainische Drohung, sondern «eine Tatsache der russischen Geschichte, die Sie gut kennen: Wenn Russland müde wird, steht Wandel bevor. Wir können diese Müdigkeit befördern. Und Sie können Ihren Krieg stoppen.»