Selenskyj zu Gast bei FreundenWarmer Empfang für den Angegriffenen in London
tcar
2.3.2025 - 23:15
Handshake und Umarmung: Der britische Premier Starmer empfing Selenskyj betont herzlich.
Bild: Peter Nicholls/Pool Getty/AP/dpa
Wolodymyr Selenskyj wurde herzlich vom britischen Premierminister Keir Starmer in London begrüsst. Nach dem Eklat in den USA war er plötzlich wieder zu Gast bei Freunden.
Keystone-SDA, tcar
02.03.2025, 23:15
SDA
Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen
Keine 24 Stunden nach dem beispiellosen Zerwürfnis mit US-Präsident Donald Trump im Weissen Haus war Selenskyj plötzlich wieder zu Gast bei Freunden.
Der britische Premier Keir Starmer empfing den Ukrainer äusserst herzlich in der Downing Street.
Bei der Begrüssung mit Starmer vor der berühmten schwarzen Tür im Herzen Londons waren für die Ukraine jubelnde Menschen zu hören.
Wolodymyr Selenskyj sass in einem weissen, gemütlichen Sessel vor dem Kamin und lächelte. «Vielen, vielen Dank, Keir», sagte der ukrainische Präsident zum britischen Premierminister Keir Starmer, und es wirkte so, als wolle er seinen Gastgeber wie schon bei der Ankunft in der 10 Downing Street nochmals umarmen. Keine 24 Stunden nach dem beispiellosen Zerwürfnis mit US-Präsident Donald Trump im Weissen Haus war Selenskyj plötzlich wieder zu Gast bei Freunden.
Der Kontrast, den der Ukrainer erlebte, hätte kaum grösser sein können. Am Sonntag war ein Empfang beim britischen König Charles III. geplant. Schon zuvor versicherte Starmer ihm erneut unerschütterliche Unterstützung, besiegelt durch einen weiteren Vertrag für einen Milliardenkredit zur Verteidigung gegen den Angriff Russlands. Am Freitag war Selenskyj von Trump mit Vorwürfen überzogen worden. Einer lautete, er riskiere einen Dritten Weltkrieg.
Die Frage nach dem Anzug
Bei der Begrüssung mit Starmer vor der berühmten schwarzen Tür im Herzen Londons waren für die Ukraine jubelnde Menschen zu hören. Wieder trug Selenskyj seinen dunklen Pullover. Er blieb bei jenem Stil, mit dem er seit dem russischen Angriff vor drei Jahren um die Welt reist und um Unterstützung bittet.
Von Trump war er am Freitag vor der Tür des Weissen Hauses mit den Worten empfangen worden: «You're all dressed up today.» Selenskyj habe sich ganz schön herausgeputzt. Das war kein Kompliment. Selenskyjs Kanzleichef Andrij Jermak trat für Trump seit langem erstmals wieder im Anzug auf.
London: Ukraine-Sondergipfel nach Trump-Eklat
London, 02.03.2025:
Ukraine-Sondergipfel in London: Mehr als ein Dutzend westliche Staats- und Regierungschefs sowie die Spitzen von EU und Nato beraten heute in London über die Lage im Ukraine-Krieg und den Vorstoss der USA für Friedensverhandlungen.
Das Zerwürfnis zwischen der Ukraine und den USA dürfte das Gipfeltreffen dominieren. Bei einem Treffen am Freitag im Oval Office eskaliert die Situation zwischen den Staatschefs. Donald Trump wirft Wolodymyr Selenskyj Undankbarkeit vor, unterbricht ihn mehrfach. Am Ende bricht Trump das Gespräch abrupt ab.
Gipfel-Gastgeber Keir Starmer positionierte sich zuletzt als Brückenbauer zwischen Europa und den Vereinigten Staaten, die bilateral Gespräche mit Russland über eine Beendigung des Konflikts aufgenommen haben.
02.03.2025
Die Frage eines Trump verbundenen Reporters anschliessend im Oval Office, ob Selenskyj denn keinen Anzug habe, ging am Wochenende in kurzen Internetclips um die Welt. Selenskyjs Antwort wirkte zunächst noch souverän. Wenn der Krieg vorbei sei, trage er wieder einen Anzug, vielleicht einen teureren als der Journalist, vielleicht einen billigeren. Dann folgte die beispiellose Zurechtweisung durch Trump und dessen Vice J.D. Vance in deren heiligem Präsidentenzimmer.
Selenskyj setzt weiter auf Rückhalt in der Ukraine
In der Ukraine wurde das Zerwürfnis vor allem von Ängsten begleitet, die US-Hilfe könnte komplett wegbrechen und den Weg freimachen für einen Sieg der Russen. Das will Selenskyj unter allen Umständen verhindern.
Seine Beliebtheitswerte waren nach der Wahl 2019 sehr hoch, fielen aber schon nach den ersten Amtsjahren drastisch. Erst der Kriegsbeginn, als er – anders als von vielen erwartet – nicht mit seiner Frau Oleana und den beiden Kindern die Flucht ergriff, sondern Kremlchef Wladimir Putin den Kampf ansagte, brachte seine Zustimmungswerte auf neue Höchstwerte.
Der 47-jährige Selenskyj, ein ehemaliger Schauspieler und Komiker, der die meiste Zeit seines Lebens seine Muttersprache Russisch sprach, verweist selbst immer wieder auf einen starken Rückhalt in der Bevölkerung. Ein präsidentennahes Meinungsforschungsinstitut erklärte im Februar mit Blick auf Umfragen, dass Selenskyj bei über der Hälfte der Ukrainer Vertrauen geniesse. Das seinem Widersacher und Amtsvorgänger Petro Poroschenko nahestehende Socis-Institut ermittelte dagegen, dass Selenskyj gut 16 Prozent der Ukrainer weiter wählen würden – weniger als Ex-Armeechef Walerij Saluschnyj, der auf 27,2 Prozent kam.
Kritiker sehen das Land auf einem falschen Weg, manche werfen Selenskyj gar autoritäre Züge vor. Einige sitzen im Gefängnis, andere sind ins Ausland geflüchtet, wieder andere schweigen öffentlich. Im Zuge des geltenden Kriegsrechts brachte er den Grossteil der Medien auf seine Linie.
Einen Rücktritt – wie etwa in den USA gefordert – lehnt der Präsident ab. Er betont, dass darüber nur das ukrainische Volk entscheiden könne. Und das stehe fest an seiner Seite.
Streit vor laufenden Kameras: Trump und Selenskyj brechen Treffen ab
Washington, 28.02.25:
O-TON Trump
«Sie setzen das Leben von Millionen Menschen aufs Spiel. Sie riskieren einen Dritten Weltkrieg»
Heftiger Eklat im Weissen Haus: Nach einem für Staatsmänner beispiellosen Streit vor laufenden Kameras brechen US-Präsident Donald Trump und der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj ein gemeinsames Treffen in Washington vorzeitig ab.
Bei dem Treffen im Oval Office überzieht Trump Selenskyj mit schweren Vorwürfen.
O-TON Trump
«Wenn ihr nicht unsere militärische Ausrüstung hättet, wäre der Krieg schon in zwei Wochen umgewesen.»
Immer wieder unterbricht Trump Selenksyj – das Gespräch wird von Minute zu Minute hitziger.
O-TON
«Er spricht nicht laut. Ihr Land ist in grossen Schwieigkeiten. Sie haben genug geredet.»
Eine geplante Pressekonferenz wird gestrichen, Selenskyj verlässt das Weisse Haus überstürzt. Zudem scheitert erneut eine geplante Vereinbarung zwischen den USA und der Ukraine über seltene Erden – ein Deal, den Trump als Bedingung für weitere Hilfe gestellt hatte.