Abtreibungen in Argentinien legalisiert – dem Papst missfällt das

dpa/jka

30.12.2020 - 13:31

Frauen feiern im Senat, nachdem das Gesetz zur Liberalisierung der Abtreibung verabschiedet wurde.
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Schwangerschaftsabbrüche sind in Argentinien in Zukunft zulässig. Tausende demonstrieren während der Abstimmung im Parlament. Die Entscheidung kann Signalwirkung auf die Region ausüben.

In Argentinien sind Abtreibungen künftig erlaubt. Der Senat des südamerikanischen Landes nahm mit 38 zu 29 Stimmen bei einer Enthaltung eine Vorlage für ein liberales Abtreibungsrecht an.

2018 war ein Gesetz für ein liberales Abtreibungsrecht im Parlament noch knapp gescheitert. Mit dem neuen Ergebnis wird die Legalisierung von Abtreibungen bis zur 14. Schwangerschaftswoche gebilligt. Zuvor war der Abbruch von Schwangerschaften in dem südamerikanischen Land nur in besonderen Fällen erlaubt gewesen, etwa nach einer Vergewaltigung oder bei Gefahr für das Leben der Mutter.

Während der rund 13-stündigen Abstimmung demonstrierten vor dem Senat Tausende Demonstranten mit grünen Tüchern dafür, mit hellblauen dagegen. Nach Bekanntwerden der Entscheidung lagen sich Befürworterinnen in den Armen und feierten. Gegnerinnen reagierten ungläubig und enttäuscht.

Eine halbe Million heimliche Abtreibungen pro Jahr

Argentinische Medien führten den Erfolg der Initiative unter anderem darauf zurück, dass zuvor Unentschlossene ihre Stimme zugunsten einer Liberalisierung abgegeben hätten. «Es ley» (Es ist Gesetz) wurde in Argentinien in den sozialen Medien zum Trend.

Nach der vorherigen Gesetzgebung von 1921 machten sich bei einer Abtreibung nicht nur die Ärzte, sondern auch die Frauen strafbar. Befürworter und Gegner der Legalisierung im Senat zogen sich quer durch die politischen Lager, auch weil das Thema, das in Argentinien hitzig diskutiert wird, ein sehr persönliches ist.

Schätzungen zufolge gab in Argentinien bis anhin pro Jahr zwischen 370'000 und 520'000 heimliche Abtreibungen, in Privatkliniken oder Hinterzimmern. Dabei kam es immer wieder zu Komplikationen und auch zu Todesfällen. «Wenn die Abtreibung im Verborgenen bleibt, werden weiterhin Frauen sterben», sagte Norma Durango, Präsidentin der Spezialkommission für Frauen im Senat, in der Debatte.

«Heute sind wir eine bessere Gesellschaft»

«Die Alternative ist legale Abtreibung oder heimliche Abtreibung.» Gegner wie der Präsident der Gesundheitskommission beriefen sich hingegen auf das Recht auf Leben von Mutter und Kind.

Der linke Präsident Fernández, der mit der Gesetzesinitiative ein Wahlversprechen umsetzte, schrieb auf Twitter: «Heute sind wir eine bessere Gesellschaft, die die Rechte der Frauen erweitert und die öffentliche Gesundheit garantiert.»

Der aus Argentinien stammende Papst Franziskus hatte sich vor der Abstimmung gegen die Legalisierung ausgesprochen. In der Heimat des Papstes spielt die katholische Kirche bis heute auch als politischer Faktor eine wichtige Rolle.

Signalwirkung für Lateinamerika?

Ob die Gesetzesänderung in Argentinien, einem der Schwergewichte der Region, Signalwirkung für Lateinamerika hat, wird sich zeigen. In den meisten anderen, ebenfalls christlich geprägten lateinamerikanischen Ländern sind Schwangerschaftsabbrüche nur in Ausnahmefällen erlaubt. Einzig in Ländern wie Uruguay, Kuba, Guyana, Französisch-Guyana und in Teilen Mexikos sind sie legal.

In El Salvador sind Abtreibungen sogar grundsätzlich verboten und werden mit Freiheitsstrafen geahndet. Selbst Fehlgeburten werden mit drastischen Strafen belegt.

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