Multi-Milliardärin und Klimaleugnerin Wie «die weibliche Trump» ein ganzes Land prägt und spaltet

Dominik Müller

26.4.2026

Polarisiert in Australien wie kaum eine andere Person: Gina Rinehart.
Polarisiert in Australien wie kaum eine andere Person: Gina Rinehart.
Keystone

Gina Rinehart ist die reichste Frau Australiens. Doch ihr Erfolg wird begleitet von Skandalen, politischer Einflussnahme und ungewöhnlichen Loyalitätsritualen im eigenen Unternehmen.

Dominik Müller

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Gina Rinehart ist eine der schillerndsten Figuren Australiens.
  • Die glühende Trump-Anhängerin hat in ihrem Unternehmen einen regelrechten Personenkult um sie aufgebaut.
  • Die Multi-Milliardärin macht auch privat und politisch Schlagzeilen, etwa durch Familienprozesse, frühere Skandale und ihre Einstellung zum Klimawandel.

Einmal im Jahr sollen die Mitarbeitenden innehalten – und Danke sagen. Nicht etwa dem Team oder den Kolleginnen und Kollegen, sondern einer Person: Gina Rinehart, Chefin des Bergbau- und Agrarunternehmens Hancock Prospecting und mit einem geschätzten Vermögen von über 25 Milliarden US-Dollar die reichste Frau Australiens.

Gemäss internen Berichten, die dem «Guardian» vorliegen, gehört es zur Unternehmenskultur, dass Hancock-Angestellte vor Weihnachten persönliche Botschaften an die Chefin verfassen, in denen sie ihre Dankbarkeit ausdrücken. Im Gegenzug gibt es grosszügige Boni und eine firmeninterne Lotterie, bei der einmal jährlich 100'000 australische Dollar (rund 55'000 Franken) ausgeschüttet werden.

Offiziell ist das Schreiben solcher Dankbarkeits-Bekundungen freiwillig. Doch ehemalige Mitarbeitende zeichnen ein anderes Bild. Die Praxis werde von Führungskräften aktiv gefördert und ziehe sich durch das gesamte Unternehmen. Ein Beleg dafür, wie Gina Rinehart einen Personenkult um sich selbst pflegt.

Rechtsstreit mit eigenen Kindern

Rinehart ist eine der schillerndsten Figuren Australiens. Wohnhaft ist sie in einem riesigen Anwesen in einem exklusiven Vorort der westaustralischen Metropole Perth. Jüngst machte sie Schlagzeilen, als ein über ein Jahrzehnt dauernder Prozess mit drei ihrer vier Kindern endete. Die Unternehmerin muss auf gerichtliche Anordnung einen Teil ihres Vermögens an ihre Erben abtreten.

Gina Rinehart befand sich mit Sohn John Hancock und Tochter Bianca Rinehart sowie einem weiteren Kind in einem jahrelangen Rechtsstreit um das Familienvermögen.
Gina Rinehart befand sich mit Sohn John Hancock und Tochter Bianca Rinehart sowie einem weiteren Kind in einem jahrelangen Rechtsstreit um das Familienvermögen.
Imago

Dabei steht am Ursprung des Reichtums der 72-Jähriger ebenfalls ein Erbe: Sie ist die Tochter des Eisenerzmagnaten Lang Hancock und übernahm nach dessen Tod im Jahr 1992 das Unternehmen. Allerdings war die Firma damals verschuldet, heute ist es ein hochprofitabler Rohstoffkonzern und eines der umsatzstärksten, privat geführten Unternehmen Australiens.

In den 1990er-Jahren erregte sie öffentliches Aufsehen, als sie sich über Jahre hinweg einen Rechtsstreit mit ihrer Stiefmutter Rose Porteous lieferte. Dabei forderte Rinehart Vermögenswerte im Umfang von umgerechnet rund 24 Millionen Franken zurück und äusserte zugleich den Verdacht, Porteous sei für den Tod ihres Vaters verantwortlich.

Der damalige Justizminister von Western Australia, Peter Foss, hatte zunächst eine Exhumierung abgelehnt. Erst nachdem Zeugen aus den Philippinen auftauchten, die Rineharts Anschuldigungen unterstützten, wurde eine Autopsie durchgeführt – sie ergab jedoch, dass Hancock eines natürlichen Todes gestorben war. Später stellte sich heraus, dass Rinehart die Zeugen für ihre Aussagen bezahlt hatte.

Bootsfahrt mit Olympioniken

Nach den privaten Schlammschlachten unternahm Rinehart alles, um ihr öffentliches Bild einer erfolgreichen Geschäftsfrau zu untermauern. So schipperte sie etwa 2024 im Vorfeld der olympischen Spiele in Paris flankiert von australischen Sportstars über die Seine. Als Mäzenin des australischen Sports liess sie die Allgemeinheit wissen, dass sie ihren Teil zu den 53 Medaillen Australiens beitrug. Ihren 70. Geburtstag zelebrierte sie öffentlichwirksam mit einer Promi-Gästeliste, Pferdeshow und Feuerwerk.

Umgeben von australischen Olympioniken zeigte sich Gina Rinehart 2024 auf einer Bootsfahrt in Paris.
Umgeben von australischen Olympioniken zeigte sich Gina Rinehart 2024 auf einer Bootsfahrt in Paris.
Imago

Auch Firmenevents mutieren immer wieder zu Huldigungen. So berichtet der «Guardian» von einer Mitarbeiterin, die vor 450 geladenen Gästen sagte, das Beste an ihrer Arbeit sei «unsere entschlossene Vorsitzende, die mich inspiriert, eine starke Frau zu sein». An der gleichen Feier lobten Angestellte in einem aufwändig produzierten Video Rineharts «Vision» und «Patriotismus».

«Das Beste an meiner Arbeit ist unsere Vorsitzende»

Hancock-Mitarbeiterin

Überzeugte Klimaleugnerin

Auch politisch versucht Gina Rinehart Einfluss zu nehmen – mit einem konservativen Thinktank und Spenden an die Opposition. Zuletzt unterstützte sie lautstark den rechtskonservativen Kandidaten Peter Dutton von der Liberal Party of Australia, der allerdings bei der Wahl zum Premierminister unterlag.

Forderungen nach einem Mindestlohn lehnt sie kategorisch ab und verlangt dagegen tiefere Steuern für Reiche.

Zudem ist Rinehart überzeugte Klimawandel-Leugnerin. 2011 erklärte sie, sie sei nicht davon überzeugt, dass die Anreicherung der Erdatmosphäre mit Kohlenstoffdioxid eine nennenswerte Erwärmung bewirke. 2021 nannte sie Sorgen wegen des Klimawandels «Propaganda».

Über die Jahre finanzierte sie darüber hinaus das Institute of Public Affairs mit Millionensummen – ein Think Tank, der den Forschungsstand zum Klimawandel nicht akzeptiert und Klimaschutz bekämpft.

Faszination für Trump

Vielleicht ist es die gemeinsame Skepsis gegenüber dem Klimawandel, die Rinehart auch zu einer glühenden Anhängerin von US-Präsident Donald Trump gemacht hat. Vergangenes Jahr war sie an Trumps Wahlparty in dessen Privatclub Mar-a-Lago in Florida anwesend, wie Videoaufnahmen, die von australischen Medien verbreitet wurden, beweisen.

Laut internen E-Mails, die dem «Guardian» vorliegen, wurden Hancock-Mitarbeitende aufgefordert, sich Donald Trumps Antrittsrede anzusehen.

Rinehart ist bekennende Anhängerin von Trumps Maga-Bewegung («Make America great again») und zählt sich selber zu den «Trumpettes», einer Unterstützergruppe rechter Trump-Fans. Toni Holt Kramer, die Gründerin der «Trumpettes», würdigte Rinehart gar als «weibliche Donald Trump».

«Auch Australien soll linke Mythen und linke Unwahrheiten aufgeben»

Gina Rinehart

Nach Peter Duttons Wahlniederlage in Australien forderte sie die Liberals auf, weiter «trumpistische Politik» zu machen und nannte auch Italien unter Giorgia Meloni sowie Ungarn unter Viktor Orbán als Staaten, an denen sich Australien politisch orientieren sollte. Dort würde die Bevölkerung «linke Mythen und linke Unwahrheiten aufgeben» und zu «gesundem Menschenverstand und Wahrheit» zurückkehren.

Und ähnlich wie Trump scheint es Rinehart besonders zu treffen, wenn ihr Ansehen Kratzer abbekommt. So ging sie 2024 gegen ein Porträt von ihr vor, dass ein preisgekrönter indigener Künstler malte und in der Nationalgalerie in Canberra ausgestellt wurde. Es nützte nichts, das Bild blieb hängen.

Gina Rinehart in der Porträtserie «Australia in Colour» von Künstler Vincent Namatjira.
Gina Rinehart in der Porträtserie «Australia in Colour» von Künstler Vincent Namatjira.
Bild: LUKAS COCH/IMAGO/AAP

Zugegeben, das satirisch überzeichnete Porträt schmeichelt Rinehart nicht. Ihr Doppelkinn rückt in den Vordergrund und die herabgezogenen Mundwinkel verleihen ihrem Konterfei keinen repräsentativen Ausdruck. Und das störte die reichste Australierin ungemein.

So überrascht es nicht, dass in ihrem Büro statt des umstrittenen Porträts eine silberne Figur von «Peanut» stehen soll – jenem Eichhörnchen, das im US-Wahlkampf 2024 zu einem Maskottchen rechter Proteste avancierte, nachdem es seinem Besitzer wegen illegaler Wildtierhaltung weggenommen und aufgrund eines Tollwut-Verdachts eingeschläfert wurde.


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