US-Veteranen in russischen Händen

«Sie stehen nicht unter dem Schutz der Genfer Konvention»

Von Philipp Dahm

21.6.2022

Alex Drueke und Andy Tai Ngoc Huynh aus Alabama sind in der Ukraine von prorussischen Separatisten gefangen genommen worden.
Screenshot: MSNBC

Zwei gefangenen amerikanischen Soldaten im Dienst der Ukraine droht der Tod: Sie fielen nicht unter den Schutz der Genfer Konvention, verkündet der Kreml. Eine Eskalation mit dem Weissen Haus ist programmiert.

Von Philipp Dahm

21.6.2022

Wie viele Ausländer sich Kiews Streitkräften angeschlossen haben, ist ungewiss. Ihre Zahl wird auf 20'000 Personen geschätzt. In den USA ist das Interesse gross, sich dem Kampf anzuschliessen.

Anfang März berichtet die ukrainische US-Botschaft, 6000 hätten sich gemeldet. Die Hälfte hätte rundweg abgelehnt werden müssen, und von den verblieben 3000 seien nur rund 100 Personen akzeptiert worden. Alex Drueke aus Tuscaloosa, Alabama, und Andy Tai Ngoc Huynh aus Hartselle, Alabama, sind zwei dieser Amerikaner.

Am 9. Juni verschwinden der 39- und der 27-Jährige mit einem weiteren Landsmann von der Bildfläche. Inzwischen steht fest: Sie sind in der Separatisten-Region Donezk in feindliche Hände geraten. Während ein dritter Veteran namens Grady Kurpasi weiter vermisst wird, bahnt sich ein menschliches wie auch diplomatisches Drama an.

Kreml-Sprecher Dmitri Peskow hat gegenüber dem US-Sender MSNBC bekundet, die beiden Amerikaner würden nicht unter den Schutz der Genfer Konvention fallen. «Sie sind Söldner», sagt Peskow. «Sie waren in illegale Aktivitäten in der Ukraine involviert. Sie müssen sich für die Verbrechen, die sie begangen haben, verantworten.»

«Sie gehören nicht zur ukrainischen Armee»

Reporter Keir Simmons hakt nach: «Sind sie Kriegsgefangene?» Peskow will keine «juristischen» Feinheiten diskutieren. Der Journalist fragt nach der Genfer Konvention, die die Soldaten einer Armee vor Strafverfolgung schütze: «Welche Verbrechen sollen untersucht werden?» Nun wird der Russe deutlich: «Sie gehören nicht zur ukrainischen Armee. Sie stehen nicht unter dem Schutz der Genfer Konvention.»

Entsprechend besorgt tönt die Antwort aus Washington: «Wir rufen die russische Regierung – wie auch ihre Stellvertreter – auf, ihre internationalen Verpflichtungen bei der Behandlung jeglicher Individuen zu erfüllen – inklusive jener, die in der Ukraine kämpfen», teilt das Aussenministerium mit.

Die Amerikaner werden offenbar in Donezk festgehalten, berichtet CNN. Das habe das Video eines nationalistischen serbischen YouTube-Kanals verraten, dessen Macher die Gefangenen 50 Minuten interviewt hätten. Die Verwandtschaft betont auf Nachfrage der «New York Times», dass die Männer der ukrainischen Armee beigetreten seien.

«Man kann sie nicht ‹Geisel› nennen»

Das Duo wird notabene am selben Tag gefangen genommen, an dem ein Marokkaner und zwei britische Soldaten in der Separatisten-Region Donezk zum Tod verurteilt werden. Ein potenzieller «Austausch steht nicht zur Debatte», gibt sich mit Blick auf die Gefangenen zuletzt Denis Puschilin, der Kopf der lokalen Separatisten, hartnäckig.

Falls die Soldaten doch noch zur Spielmasse in einem Verhandlungspoker werden könnten, wird es auch um das Schicksal ziviler Gefangener in Russland gehen. Wellen hat die Verhaftung von Britney Grinder geschlagen: Die amerikanische Basketballspielerin war am 17. Februar an einem Flughafen von Moskau verhaftet worden, weil sie einen Vaporizer dabei gehabt haben soll, der angeblich mit Haschisch-Öl versehen war.

Die Untersuchungshaft der 31-Jährigen ist gerade verlängert worden. Peskow verneint, dass sie eine politische Gefangene ist. Sie habe verbotene Substanzen ins Land gebracht, daher die Untersuchung. «Es gibt eine Menge Staaten, in die man nicht mit Drogen einreisen darf. Wir können nichts dabei tun», so der Kreml-Sprecher. «Man kann sie nicht ‹Geisel› nennen. Sie hat russische Gesetze verletzt.»