5 Punkte zu Ghislaine MaxwellSie war Epsteins Strippenzieherin – nun hofft sie auf Trumps Gnade
Dominik Müller
11.2.2026
Jeffrey Epstein und Ghislaine Maxwell bestritten ihr Leben jahrelang Seite an Seite.
Bild:Imago
Wenn es im Epstein-Skandal eine Schlüsselfigur gibt, dann ist es Ghislaine Maxwell. Aber die Ex-Partnerin des verstorbenen Sexualstraftäters schweigt. Demokraten vermuten ein Manöver, um Trump für einen Straferlass zu gewinnen.
Ghislaine Maxwell war jahrelang die engste Vertraute des Sexualstraftäters Jeffrey Epstein.
Sie sitzt derzeit im Gefängnis, weil sie Epstein aktiv bei der Rekrutierung minderjähriger Opfer half.
Als gut vernetzte Tochter eines Medienmoguls fungierte Maxwell als soziale Brücke zur Elite, organisierte Epsteins Agenda und trug wesentlich dazu bei, dass sein System lange unentdeckt blieb.
Vor dem US-Kongress verweigerte Maxwell die Aussage, bot aber an, Donald Trump zu entlasten. Beobachter werten dies als möglichen Versuch, eine Begnadigung zu erlangen.
Neue Enthüllungen legen auch Verbindungen Maxwells zur UBS offen.
Wenn es im Epstein-Skandal eine Person gibt, die fast alles wissen muss, dann ist es Ghislaine Maxwell. Sie ist die Frau, die jahrelang an Epsteins Seite lebte und sein System von innen kannte.
Maxwell war mehr als nur Lebenspartnerin. Ein Gericht in New York sah es 2021 als erwiesen an, dass sie Epstein über Jahre hinweg dabei half, minderjährige Mädchen zu rekrutieren – Mädchen, die er später missbrauchte. Dafür erhielt sie 20 Jahre Haft wegen Menschenhandels zum Zweck sexueller Ausbeutung.
Ihr Wissen ist brisant, weil es weit über einzelne Opfer hinausgeht: Maxwell war die Schaltstelle in Epsteins Netzwerk. Über lange Zeit war sie die einzige Konstante im Leben des Milliardärs. Sie wusste, wer in den verschiedenen Anwesen Epsteins ein- und ausging. Bis heute gilt sie deshalb als die eine Person, die das komplette Bild des Epstein-Skandals liefern könnte.
Türöffnerin zur Elite und Strippenzieherin
Jeffrey Epstein bewegte sich nicht zufällig in den höchsten Kreisen. Er hatte Geld – aber Geld allein reicht nicht, um in die Nähe von Präsidenten oder Royals zu kommen.
Hier kam Maxwell ins Spiel. Als Tochter des britischen Medienmoguls Robert Maxwell verfügte sie über einen Namen, der Vertrauen suggerierte. Sie war weltgewandt, mehrsprachig, bestens vernetzt – und in High-Society-Kreisen akzeptiert.
Ein US-Bundesrichter hat im Dezember 2025 entschieden, dass die Grand-Jury-Unterlagen aus dem Sexhandel-Fall von Ghislaine Maxwell veröffentlicht werden. Daraus geht hervor: Ihre Aufgaben im Epstein-Kosmos gingen weit über Organisation hinaus.
So sagte ein FBI-Beamter aus, Maxwell fungierte als soziale Brücke zwischen Epstein und einflussreichen Persönlichkeiten. Sie strukturierte Abläufe, Personal und Aufenthalte. Sie organisierte Treffen und Partys und brachte junge Frauen in Epsteins Umfeld. Sie sorgte laut den Ermittlungsakten auch dafür, dass Opfer ruhig blieben und Angestellte funktionierten.
Im Zuge der Epstein-Enthüllungen wurden auch zahlreiche Fotos veröffentlicht – darunter private Aufnahmen von Maxwell und Epstein.
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Ohne Maxwell wäre Epstein vermutlich viel früher aufgefallen. Mit ihr jedoch wirkte sein Leben nach aussen wie das eines exzentrischen, gut vernetzten Finanziers.
Maxwell schweigt
Bis anhin hielt sich Ghislaine Maxwell zu ihrer Rolle im Missbrauchsnetzwerk bedeckt. Auch in ihrem Prozess machte sie kaum Angaben. Am vergangenen Montag wollte der US-Kongress nun Antworten. Doch daraus wurde nichts: Maxwell, die per Video zugeschaltet war, verweigerte die Aussage.
Sie habe «wie erwartet» von ihrem Recht des fünften Zusatzartikels Gebrauch gemacht und keine Fragen beantwortet, sagte der Vorsitzende des zuständigen Aufsichtsausschusses des Repräsentantenhauses, James Comer, nach der Anhörung. Der fünfte Zusatzartikel der US-Verfassung sieht unter anderem vor, dass niemand in einem Strafverfahren zur Aussage gegen sich selbst gezwungen werden darf.
Comer betonte, dass er «nichts darüber wisse», dass Maxwell unter Druck gesetzt worden sei, um keine Fragen zu beantworten.
Maxwells Anwalt David Oscar Markus hatte bereits am 20. Januar in einem Schreiben an Comer erklärt, seine Mandantin werde die Aussage verweigern. Zur Begründung verwies der Anwalt auf laufende juristische Verfahren.
Eine Aussage unter Eid würde Maxwells verfassungsrechtliche Ansprüche gefährden und sie strafrechtlich belasten, so Markus. Eine Anhörung unter diesen Umständen wäre «politisches Theater und eine komplette Verschwendung von Steuergeldern».
Hoffnung auf Begnadigung
Zwar verweigerte Maxwell ihre Aussage am Montag, sie machte aber auch ein Angebot: Sie werde das Ehepaar Clinton und US-Präsident Donald Trump mit einer Aussage entlasten. Sie sei bereit, zu bekunden, dass sich weder Ex-Präsident Bill Clinton noch Ex-Aussenministerin Hillary Clinton oder Präsident Trump in ihrer Beziehung zu Epstein eines Fehlverhaltens schuldig gemacht hätten, erklärte sie nach Angaben sowohl demokratischer als auch republikanischer Abgeordneter.
Jeffrey Epstein (rechts) spricht im September 1993 mit dem damaligen US-Präsidenten Bill Clinton. Rechts neben Epstein: Ghislaine Maxwell.
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Allerdings vermuten Vertreter der Demokraten hinter dem Angebot Kalkül: Maxwells Ziel sei es, Trump zu einer Begnadigung zu bewegen. «Es ist ganz klar, dass sie darum wirbt», sagte die Repräsentantenhausabgeordnete Melanie Stansbury am Montag vor den Medien. Ihr demokratischer Parteikollege Suhas Subramanyam beschrieb das Auftreten Maxwells als «roboterhaft» und «reuelos». Vertreter der Republikaner äusserten sich bis anhin nicht in diese Richtung.
Maxwell versucht seit Langem, ihre Verurteilung zu 20 Jahren Gefängnis anzufechten. Ihre Anwälte sagen, es lägen «substanzielle neue Beweise» vor, dass ihr Verfahren von Verfassungsverstössen beeinträchtigt gewesen sei. Und im Falle einer Begnadigung sei Maxwell bereit, öffentlich auszusagen.
UBS eröffnete Konten für sie
Die jüngsten Epstein-Enthüllungen bringen Ghislaine Maxwell auch mit der Schweiz in Verbindung. Genauer: mit der Schweizer Grossbank UBS. Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, soll die UBS im Jahr 2014 mehrere Konten für Maxwell eröffnet haben. Andere Banken hätten Maxwell damals als zu riskante Kundin – respektive Kundin, die in illegale Machenschaften verstrickt sein oder dem Ansehen der Bank schaden könnte – eingestuft, die UBS hingegen nicht.
Laut Reuters führte sie bei der UBS mehrere Konten. Die Bank habe bis mindestens 2019 Vermögen von bis zu 19 Millionen Dollar für sie verwaltet. Brisant: Die Konten wurden zu einem Zeitpunkt eröffnet, als Epstein bereits wegen Anstiftung zur Prostitution einer Minderjährigen verurteilt war.
Die UBS hat für Ghislaine Maxwell Konten eröffnet, als die Anschuldigungen gegen Jeffrey Epstein bereits bekannt waren.
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Rein rechtlich lasse sich der UBS nach heutigem Stand aber wohl kaum ein Vorwurf machen, wird Wirtschaftsrechts-Experte Peter V. Kunz von SRF zitiert. Entscheidend sei nicht Moral, sondern Legalität: Banken müssten prüfen, ob Geld aus kriminellen Quellen stamme. Maxwell sei damals zudem noch nicht offiziell als Beschuldigte bekannt gewesen.
Trotzdem bleibt die Frage, warum andere Institute vorsichtiger waren. Die US-Bank JP Morgan etwa stufte Maxwell bereits 2011 als Hochrisiko-Kundin ein. Weshalb die UBS dies offenbar nicht tat, müsse die Bank irgendwann erklären, so Kunz. Die UBS wollte sich zum Fall bis anhin nicht äussern.
Video aus dem Ressort
Das Leben von Jeffrey Epstein
Der US-Finanzier und verurteilte Sexualstraftäter Jeffrey Epstein pflegte einflussreichen Kontakte in Politik, Wirtschaft und Entertainment. 2019 wurde er erneut verhaftet. Doch Wochen später starb er unter ungeklärten Umständen in seiner Zelle.