«Beispiellos in der US-Geschichte»So dreist vergoldet Trump seine Präsidentschaft
toko
8.4.2025
Donald Trump zusammen mit seinem Sohn Eric auf dem Golfplatz.
Bild: Keystone/AP Photo/Alex Brandon
Während der von ihm verursachte Börsencrash die Ersparnisse von Millionen Amerikanern vernichtet, nutzt Trump die US-Präsidentschaft, um sich die Taschen zu füllen. Auch seine Familie macht kräftig Kasse.
toko
08.04.2025, 21:08
09.04.2025, 04:20
Oliver Kohlmaier
Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen
US-Präsident Donald Trump nutzt seine Präsidentschaft erneut, um sich und seine Familie zu bereichern.
Trump veranstaltet etwa Millionen-Dinner in seinem Ressort Mar-a-Lago oder macht als Präsident Werbung für seine Kryptowährung.
Familienmitglieder wie First Lady Melania Trump und Schwiegersohn Jared Kushner verdienen dabei kräftig mit.
Trumps Zoll-Ankündigung am vergangenen Donnerstag schickte Börsenkurse weltweit in den Abgrund, Millionen Amerikanerinnen und Amerikaner fürchten um ihre Altersvorsorge. Ihn selbst kümmert das offenbar wenig: «Es läuft grossartig», sprach er in die Mikrofone.
Für Trump selbst gilt das ganz bestimmt. Schon während seiner ersten Amtszeit nutzte Trump seine Präsidentschaft, um Kasse zu machen. Geschäftsleute und auch Politiker gingen in seinem Anwesen Mar-a-Lago ein und aus – natürlich als zahlende Gäste des Ressorts. Doch Trump wurden vor acht Jahren noch weit mehr ethische Grenzen gesetzt, wie «Der Spiegel» schreibt. Nach seinem erneuten Amtsantritt jedoch bedient sich Trump hemmungsloser als je zuvor.
«Will die jemand kaufen?»
Auch nach dem Zoll-Hammer ging es für den Präsidenten ums Geschäftemachen. Nachdem er durch seine Zoll-Ankündigung einen Schock in der US-Wirtschaft ausgelöst hatte, machte er sich auf nach Florida – unter anderem um Geschäftspartner und zahlende Gäste zu treffen.
Bereits in der «Air Force One» hielt der US-Präsident Reportern eine goldene Karte mit Trump-Konterfei vor und fragte: «Will die jemand kaufen?» Mit dieser «Gold Card» will er reiche Ausländer ins Land locken – wenn sie fünf Millionen Dollar investieren. Gerne dürfen das auch russische Oligarchen tun, wie der Präsident bereits zuvor betonte.
Dinner statt Präsidenten-Pflicht
Dabei war Trumps Anwesenheit eigentlich bei der Ankunft der Leichen von vier US-Soldaten gefragt, die bei einem Unfall in Litauen ums Leben kamen. Stattdessen schickte er seinen Verteidigungsminister Pete Hegseth – und nahm stattdessen an einem Dinner für eine Golfliga teil, die durch Saudi-Arabien finanziert wird. Auch Trump und seine Familie machen seit Jahren mit dem Öl-Staat Geschäfte. Am Freitag dann gab es im «White & Gold Ballroom» seines Ressorts Mar-a-Lago ein weiteres Dinner – für eine Million Dollar je teilnehmendem Gast.
Weil Trump keinen Wahlkampf mehr machen darf, sollen die Einnahmen angeblich an eine «Trump-Bibliothek» fliessen. Ob das passieren wird, ist fraglich. Die Einnahmen für die Übernachtungen werden hingegen stets bei der Trump Organization verbucht. Dem Bericht zufolge handelte es sich bereits um das vierte Millionendinner dieser Art seit Beginn der zweiten Amtszeit.
«Er kümmert sich keinen Scheissdreck mehr darum»
Interessenkonflikte interessieren den Präsidenten dabei kaum mehr. «Er kümmert sich keinen Scheissdreck mehr darum», sagte ein Topberater Trumps der «Washington Post». Was von diesem Geld letztlich in den Taschen von Trump persönlich landet, ist schwer zu überprüfen. Auch an die Tradition, die Steuerbescheide zu veröffentlichen, hält sich Trump weiterhin nicht.
Für die Dauer seiner Präsidentschaft hat Trump die Führung seines Unternehmens an seinen Sohn Eric abgegeben. Die Trump Organization versichert, dass sich der Präsident aus dem Tagesgeschäft heraushält. Überprüfen sollte dies das Office of Government Ethics, einer unabhängigen Ethikbehörde der US-Regierung. Das Problem: Donald Trump hat deren Chef im Februar gefeuert, einen Nachfolger gibt es bislang nicht.
Eine Million Dollar Jahresmitgliedschaft
Während viele der finanziellen Vorgänge im Dunklen bleiben, bewirbt der US-Präsident ungeniert seine nach ihm benannte Kryptowährung. Die Gewinne aus dem Meme-Coin kommen direkt Donald Trump zugute.
Auch im «südlichen Weissen Haus», wie Trump sein Florida-Ressort Mar-a-Lago nennt, laufen die Geschäfte prächtig. Der jährliche Mitgliedsbeitrag stieg von 200'000 US-Dollar während seiner ersten Amtszeit auf gegenwärtig eine Million Dollar an.
Hinzu kommen Einnahmen aus dem Trump-Merchandising: Die üblichen Kappen, T-Shirts, ein 3D-Modell von Mar-a-Lago. Sogar ein Parfum mit dem Namen «Fight! Fight! Fight» gibt es seit dem Attentatsversuch auf Donald Trump zu kaufen.
Auch weitere Mitglieder der Trump-Familie verdienen kräftig mit. Wie das «Wall Street Journal» berichtete, zahlte Amazon 40 Millionen US-Dollar für die Rechte einer Dokumentation der First Lady. Offenbar hat sich das Ehepaar Trump bei einem Abendessen mit Amazon-Boss Jeff Bezos und dessen Verlobter bestens verstanden.
Der Tech-Konzern überbot damit eine Offerte von Disney um fast das Dreifache. Dem Bericht zufolge haben Unternehmen ausserdem etwa 80 Millionen Dollar an Mitglieder der Trump-Familie und die Trump-Präsidentenbibliothek bezahlt, entweder durch Vergleichszahlungen in Prozessen oder andere Transaktionen.
US-Präsident Donald Trump mit First Lady Melania Trump bei seiner zweiten Amtseinführung am 20. Januar 2025.
Bild:Keystone/AP Photo/Susan Walsh
Trumps Schwiegersohn Jared Kushner mischt ebenso wieder kräftig mit – wenn auch diesmal ohne Amt. Dessen privater Investmentfonds bekam zwei Milliarden Dollar vom saudi-arabischen Staatsfonds PIF. Die Warnung seiner Berater schlug der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman dabei aus.
Kurz vor Trumps Amtseinführung kündigte Kushners Unternehmen schliesslich einen Lizenzdeal für einen neuen Trump Tower in Belgrad an. Die Firma kooperiert dabei mit dem emiratischen Immobilienmilliardär Mohamed Alabbar.
Laut Ethikexperte Aaron Scherb, Senior Director of Legislative Affairs bei Common Cause, kam es bei keinem anderen Präsidenten jemals zu einer solchen Vermischung von persönlichen und öffentlichen Geschäften: Durch Kryptowährungen und Meme-Coins könnten zudem ausländische Regierungen oder andere Akteure Einfluss ausüben.
«Wir haben gesehen, dass Präsident Trump und Mitglieder seiner Familie und enge Mitarbeiter erheblich von der Präsidentschaft in einer Weise profitieren, die in der amerikanischen Geschichte beispiellos ist».